Kai Hahto ist einer der interessantesten und innovativsten Drummer der finnischen Metal-Szene. Im Interview lest ihr, wie Jazz ihn als Schlagzeuger beeinflussen hat, wie er seine Schüler auf unkonventionelle Art und Weise unterrichtet und wie sein Leben als Drummer verläuft. Wir wünschen euch viel Spaß beim Schmökern.

 

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DH!! Kai, du spielst nicht nur bei Wintersun, sondern unter anderem auch bei Swallow the Sun und früher bei Rotten Sound. Kannst du dir, trotz dieser starken „metallischen“ Wurzeln, vorstellen in einer Band zu spielen, die etwas komplett Anderes macht?
Kai Hahto:
Ja, natürlich. Ich spiele beispielsweise in einer Blues-Rock-Band namens Max on the Rox. Außerdem hatte ich schon einige Pop-Gigs auf Hochzeiten oder Business-Feiern und auf solchen Konzerten so Sachen gespielt wie Lenny Kravitz oder U2. Aber das war es eigentlich auch schon. Ich bin der Meinung, dass ein Schlagzeuger in der Lage sein sollte, viele unterschiedliche Musikstile auf seinem Set spielen zu können. Als ich angefangen hatte, Schlagzeug zu spielen, habe ich meistens das getrommelt, was ich zu dieser Zeit auch gerne gehört habe: Iron Maiden, AC/DC. Erst später habe ich ein gewisses Interesse am Jazz entwickelt und dann begonnen, auch diese Spieltechnik zu lernen.

DH!! Und wie kamst du dazu, die Jazz-Techniken zu üben?
Kai:
Ich habe eine Zeit lang in New York gelebt und mit Jazzern wie Joe Morello, Freddy Gruber, John Riley und Jim Chapin gespielt. Das war damals der Höhepunkt meines privaten Jazzstudiums. Ich wollte einfach mehr von den „alten Hasen“ lernen, um noch besser zu werden und um offener mit Spieltechniken umgehen zu können. Das war einfach großartig! Ich habe wirklich eine Menge von denen gelernt und viele meiner Techniken um Einiges verbessert. Deshalb hege ich eine kleine Leidenschaft für Jazz.

DH!! Beeinflusst dich der Jazz auch heute noch in deinem Spiel?
Kai: Ja. Meiner Meinung nach ist Jazz nicht einfach nur ein Musikstil. Für mich ist er Freiheit. Das bedeutet, dass ich die Jazz-Mentalität immer im Hinterkopf behalte. Zum Beispiel weiß ich, auch wenn es banal klingt, dass ich gewisse Dinge mit Händen und Füße gleichzeitig trommeln kann, um etwas zu improvisieren. Und ich mag es, hier und da kleine Feinheiten hinzuzufügen, um einen Song interessanter zu gestalten. Da lasse ich meiner Vorstellungskraft einfach freien Lauf. Wie gesagt, habe ich eine Menge durch Jazz gelernt. Besonders bei Cross-Coordination. Während eines Blastbeats bin ich in der Lage, meine rechte Hand gegen den üblichen 4/4 Rhythmus zu dreschen. Zusammengefasst: Wenn ich spiele, ist die Jazz-Mentalität ist in meinem Kopf immer gegenwärtig. Aber eher in einer Denk- und nicht in meiner Spielweise.

DH!! Wie sieht es dann auf der anderen Seite mit der „Metal-Mentalität“ aus?

Kai: Als ich noch ein Teenager war, habe ich mich total in diese Musik verliebt. Sie ist die Wurzel meiner Spielweise. Später habe ich dann einfach die Jazz-Mentalität mit dem Metal-Drumming verbunden und festgestellt, dass es wunderbar harmoniert.

DH!! Wie sieht eigentlich deine Position bei Wintersun aus? Beeinflusst du die Band mit deinen Ideen?
Kai: Naja, für das erste Album mit Wintersun schrieb mir Jari (Sänger und Lead-Gitarrist bei Wintersun; Anmerkung des Autors) eine E-Mail. Er wollte mich als Drummer für die Band haben. Er hat mir die von ihm bereits vorprogrammierten Drums gezeigt und ich habe sie einfach nach seinen Vorstellungen gespielt. Beim zweiten Album „Time I“ hatte ich dann viel mehr Mitspracherecht. Wir haben immer mal wieder Drum-Demos ausgetauscht, um der Kreativität ein bisschen Raum zu lassen. Außerdem hat er mir Richtlinien gegeben, an die ich mich halten musste. Ich brachte aber auch meine Vorschläge ein, was man hier und da besser machen könnte, oder wo man ein anderes Fill einsetzen oder den Beat austauschen könnte. Mit meinem Job in der Band bin ich zufrieden.

DH!! Du spielst zwar in einigen Bands, aber du gibst auch Unterricht, richtig?
Kai:
Definitiv. In meiner Heimatstadt leite ich meine eigene Schule. Dort habe ich einen 45m² großen Raum, in dem fünf Drum-Kits stehen. Wenn ich mal nicht auf Tour bin, habe ich über 80 Studenten, die bei mir regelmäßig Unterricht nehmen. Jukka Nevalainen von Nightwish und Jaska Raatikainen von Children of Bodom waren auch schon meine Schüler. Bei mir gibt es ja nicht nur Einzelstunden, sondern auch Workshops, die bis zu einer Woche dauern können. Die Teilnehmer haben dann die Möglichkeit, in der Schule zu schlafen, zu kochen und sich zwischendurch auch die Zeit zu vertreiben.

DH!! Wie läuft denn eine normale Unterrichtseinheit bei dir ab?
Kai:
In einer Einzelstunde verwende ich ein TD-30 E-Drum und ein normales Akustik Kit. Das Akustik Kit, an dem mein Schüler trommelt, wird mit Mikrofonen abgenommen und ich spiele parallel am E-Drum. Dazu hat jeder von uns einen Kopfhörer mit Mikro auf. Dann geht’s los. Während ich etwas erkläre, kann der Schüler trommeln. Oder wir spielen zusammen. Das klappt unglaublich gut. Zwischen uns steht übrigens immer ein Mischer, der die Kits der Situation entsprechend aufeinander abstimmt.

DH!! Dieses Unterrichts-System hört sich wirklich ausgefuchst an ...
Kai:
Es hilft ungemein, eine Technik oder einen Beat besser und eindringlicher zu erklären. Darüber hinaus können wir immer beobachten, was die Hände und Füße des anderen machen, da ich rund um die Kits Spiegel installiert habe. Im Durchschnitt übe ich mit einem Schüler sechs Stunden.

DH!! Oha! Das ist ein langer Schultag.
Kai:
Dennoch ist das in keiner Weise ein Problem. Ich schreibe sowieso immer alles auf, damit sie sich Zuhause noch an die Übungen erinnern können. Ich gebe meinen Schülern gerne Hausaufgaben, wie früher in der Schule. Das ist meiner Meinung nach immer noch sehr wichtig. Sie sollten einfach, abgesehen vom Unterricht, eine Menge üben.

DH!! Gibst du dann auch Clinics?
Kai:
Ja. Für Pearl habe ich beispielsweise schon eine kleinere Clinic-Tour in Finnland gemacht. Damals mit dem Demon-Drive-Pedal.

DH!! Nicht schlecht! Es hört sich so an, als würdest du nichts anderes machen, als zu trommeln. Das bedeutet ja, dass du immer fit sein musst. Machst du auch Aufwärmübungen vor einer Show?
Kai:
Ja, unbedingt! Ich wärme mich immer vor einer Show auf. Dann trommele ich auf einem Pad, dehne meine Finger und Arme, um sicher zu sein, dass ich mich beim Spielen nicht verletze oder mir eine Zerrung hole. Um die Füße aufzuwärmen, stampfe ich einfach auf den Boden. Ich habe da eine bestimmte Regel für mich selbst geschrieben: Gehe niemals kalt auf die Bühne, sei wie ein Boxer. Dazu muss ich immer ein bisschen in Fahrt sein. Dann bin ich bereit.

DH!! Nach allem, was du erzählt hast, bist du wohl der geborene Drummer. Aber auch du brauchst sicher zwischendurch eine Verschnaufpause. Was machst du privat, wenn du mal nicht tourst, unterrichtest oder trommelst?
Kai:
Oh, ich habe gar nicht groß Zeit, etwas Anderes zu machen. Ab und an spiele ich Klavier oder Marimbaphon. Es gibt immer viel zu tun. Der Drummer-Job hält mich dazu an, dafür zu leben. So ist es eben. Aber ich mache es gerne. Wenn ich dann wirklich mal Freizeit habe, verbringe ich viel davon mit meiner Frau und meinen Kindern. Die Familie steht für mich an erster Stelle und gelegentlich arbeite ich an meinem Haus. Ich renoviere gerne oder baue was an. Das ist so eine der Sachen, die ich sehr gerne mache, wenn ich mal nicht das Schlagzeug penetriere. (lacht)




DH!! Kai, you’re not only the drummer for Wintersun. You also play for Swallow the Sun and formerly for Rotten Sound. Could you ever imagine to play in a band which does not play some sort of Metal music?
Kai Hahto:
Yes, sure. Since 15 years I play in a Blues Rock Band called Max on the Rox. And I’ve also done a lot of pop gigs, for example on weddings or business parties. But that was just a little party band. We played U2 or Lenny Kravitz and stuff like that. I think you should be able to play all kinds of music. When I started to play the drums, I played things like Iron Maiden or AC/DC, because I was listening to it a lot during that time. Later I also got interested in other kinds of music. So I started to learn Jazz music.

DH!! How did you learn the techniques of that musical style?
Kai:
I lived in New York for a while and played with Joe Morello, Freddie Gruber, John Riley and Jim Chapin. That was the peak of my Jazz studies. I wanted to learn more from ‘the old guys’ to get even better and to play with more open-mindedness. It was great! I learned a lot from them and improved my techniques. That’s why I’m really passionate with Jazz drumming.

DH!! Does Jazz still influence your way of drumming?

Kai: Yes. In my opinion, Jazz is not only a style of music. For me, it’s freedom. That means I keep the Jazz mentality in mind. For example, you know that your hands and feet can do certain things together to improvise a bit. I like to add little things in the songs here and there to keep it interesting. I just let my imagination go free. As I already said, I learned a lot from Jazz drumming, for example the cross-coordination. During a Blastbeat I’m able to free my right hand against the 4/4 metre. Summing it up: The Jazz spirit is always in my head, but in a mental way.

DH!! What about the Metal mentality?
Kai: When I was a young kid I felt totally in love with this kind of music. My musical roots are based on Metal. I just connected the Jazz feeling with the Metal drumming - and it works perfectly together.

DH!! What about your position in the band? Do you influence it with your own ideas?
Kai: For the first album with Wintersun Jarii (Singer and guitarist for Wintersun; comment of the author) sent me an e-mail. He wanted me to play the drums for the band. And he showed me the drum parts and I just played them. But for the second album we exchanged some demos. He gave me some guidelines and I created nice fills and drum ideas. At the end it worked very well together. So, for “Time I” I was really involved.

DH!! But you’re not only playing in bands. You also give drum lessons, right?

Kai: Definitely. I run my own school in my hometown. There I’ve got a 45 m² room with five drum kits. At the moment, when I’m off tour I teach over 80 students. Jukka Nevalaien of Nightwish and Jaska Raatikaien of Children of Bodom also have been my students. I not only offer usual lessons but also some teaching-packages. That means, I train them a whole week and they have the possibility to sleep and to eat in the school. For single sessions I’m using a TD-30 e-drum kit and an acoustic kit. The acoustic kit is equipped with microphones and I play on the e-drum. Moreover I’ve a microphone on the isolated headphones to talk to my students during an exercise. That works very well together. Between us is an audio engineer who mixes the sets together. That helps them a lot to listen to me and themselves at the same time.

DH!! That teaching system sounds very special …
Kai: It’s just easier to explain a technique or a rhythm. Moreover, they can see what I do with my feet because there are mirrors at the side and in front of the drum sets. So I’m always able to check what they do and what they could improve. In average we play five or six hours a day.


DH!! A long training day!
Kai: But it’s not a problem. I write everything down, so that they can remember the licks at home. I give them some homework like back in school days. That’s still important. I push them to practice a lot apart from the drum lessons. 

DH!! Do you also give clinics?
Kai: Yes. I did a tour for Pearl with the Demon Drive Pedal in Finland. I also did clinics outside of Finland but not so many.

DH!! Not bad! It seems that you do nothing else but drumming. That means you always have to be fit. Do you do some warm-ups before shows?

Kai: Oh, yes I do. As a general rule for myself: I never go on the stage without warm-ups, like a boxer. I have to be a little bit sweaty. Then I’m ready. I usually warm up one hour before the show starts. I play on the pad, stretch my fingers and arms and for the feet I just tap on the floor. I want to be sure that I don’t hurt myself.

DH!! Sounds like you’re a natural born drummer? Is there anything you do apart from touring, teaching and drumming the whole year?
Kai:
Oh, I haven’t that much time for other stuff (smiles). Sometimes I play the piano or a marimbaphone. But there are so much things to do all the time. This job keeps me to live for it. That’s the way it is. When I really got some free time I spent a lot with my wife and my two sons. Family comes first. Sometimes I work at my house. That’s one of those things I really like to do instead of penetrating the drums all the time (smiles).

 

Autor: Axel Winkler




Kai's Equipment

Drums:
Marke: Pearl
Snare: 14“ 6 ½ Master Premium
Toms: 10“ / 8“
          12“ / 9“
          16“ / 16“
          22“ / 18“


Becken:
Marke: Meinl

2 x Hi-Hat, 14“ – Heavy traditional
21“ Ride – Signature
20“ Ride Heavy Brilliant
2 x 18“ Byzanze Brilliant Crash
2 x 10“ MB 20 Splashes
12“ / 10“ Electro Stack
18“ Byzanze Brilliant China
16“ Byzanze Traditional China

 

Sticks
Balbex Hickory G5A

 

Drumheads
Marke: Evans
Tom: G2 clear (top); Resonant(bottom)
Snare: G2 coated
Bassdrum: cmal 2

 

Electronics
Roland TD-30 Drummodule
RT-10 Roland Triggers (Bassdrum)
Finfonic – in ears

 

Hardware
2x Pearl Demon Drive single pedals
Pearl Hardware