Dynamit aus Übersee

Nach dem Ausstieg ihres bisherigen Drummers wagten die Hardrocker Pop Evil aus Michigan ein Experiment: Es ist weiblich, blond, britisch und eine Naturgewalt hinter dem Schlagzeug. Die Chemie stimmte sofort. Wir trafen uns auf ein Bier mit dem Glücksgriff Hayley Cramer.



von Philipp Lage



©Philipp Lage

DH!!: Haley, wie kam es zu deinem Einstieg bei Pop Evil?
Hayley Cramer: Das lief über einen gemeinsamen Freund, mit dem ich vor ungefähr zehn Jahren in Amerika gearbeitet habe. Er wusste, dass ich eine Band in den USA suchte. Ich wollte unbedingt wieder dorthin. Außerdem gab es in England nichts, das mich wirklich angesprochen hat. Er hielt also die Ohren offen, rief mich ein paar Monate später an und sagte: „Pop Evil suchen einen neuen Drummer, du solltest dich bewerben. Ich lasse sie wissen, dass sie sich dich mal anschauen sollten.“ Also hab ich ihnen mein Bewerbungsvideo geschickt. Nach einigen Videotelefonaten war uns schon klar, dass zwischen uns eine besondere Verbindung besteht. Ich bin dann in die USA geflogen und habe bei einigen Shows beim Soundcheck gespielt. Dabei haben wir auch getestet, ob wir zusammen leben können. Diese Typen sind wahrscheinlich die besten Menschen, die ich je getroffen habe.
 

Siehst du trommlerische Schwierigkeiten in den Arrangements von Pop Evil?

Ich würde nicht behaupten, dass die Songs für mich schwierig zu spielen waren. Aber es gibt Lieder, die sich nicht sofort natürlich angefühlt haben. Der Song „Take It All“ beispielsweise ist nicht sehr schwer, saß aber nicht sofort, warum auch immer. Aber technisch kriege ich das alles hin. [lacht]


Hast du für Pop Evil etwas an deinem Stil verändert?

Die Shows, die wir in Amerika gespielt haben, waren sehr viel größer als jedes Konzert, das ich zuvor gespielt hatte. Wir haben als Support für Disturbed gespielt – also ausschließlich in ausverkauften Stadien. So etwas verändert dich. Da geht es darum, eine größere Masse anzusprechen, und nicht darum, möglichst ausschweifend zu spielen. Dein Job besteht darin, diese Menschenmasse in Bewegung zu bringen. Ich glaube, dass sich meine Performance und mein Gefühl verändert haben. Es geht mir nicht mehr so sehr um mich selbst. In kleinen Clubs kannst du spielen, und es ist okay, wenn du mal Fehler machst – am nächsten Abend machst du es eben besser. Bei diesen großen Shows war für so etwas überhaupt kein Platz. Ich denke, dass ich dadurch professioneller geworden bin.


Spielt man in großen Stadien wirklich so viel anders als in kleinen Clubs?

So empfinde ich das nicht. Ich habe großes Vertrauen in unseren Tontechniker. Ich weiß, dass jede Note, die ich spiele, auch abgemischt wird. Daher spiele ich bei einer großen Show am Schlagzeug auch genau die gleichen Parts wie bei kleinen. Das Einzige, was sich ändert, ist meine Einstellung. Bei großen Konzerten versuche ich, körperlich und mental jeden Tag hellwach zu sein.


Bereitest du dich also entsprechend auf die Show vor?

Ich mache Übungen auf einem Practice-Pad und Dehnübungen. Außerdem versuche ich, mich gesund zu ernähren und mich so viel wie möglich auszuruhen. Natürlich trinke ich mal ein paar Bier und feiere ab und zu eine Party. Aber das kann ich nicht jeden Abend machen – nicht auf einer Pop-Evil-Tour. Auf der Bühne herrscht eine dermaßen starke Energie. Das würde einfach nicht funktionieren, wenn ich müde oder verkatert wäre.


Erzähle doch mal etwas über dein Equipment.
Mittlerweile spiele ich Sakae-Drums. Die Leute, die früher Yamahas High-End-Schlagzeuge gefertigt haben, haben sich von Yamaha getrennt und ihre eigene Firma gegründet. Sakae stellt in Japan in Handarbeit großartige Trommeln her. Dass ich heute eins ihrer Schlagzeuge spiele, hängt übrigens mit der britischen Rockband Skunk Anansie zusammen, die mich musikalisch sehr stark beeinflusst hat. Vor ein paar Jahren freundete ich mich mit ihrem Drummer Mark Richardson an, der  ...

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