Backstage beim Maestro des Funk



David Garibaldi live in Aktion bei Tower of Power.

David Garibaldi hat mit seiner Band Tower of Power die Geschichte des Funk maßgeblich beeinflusst. Auch dem Drumming hat er – mit Büchern wie „ Future Sounds“ oder „The Code of Funk“ und seinen berüchtigten „Permutation Studies“ – den Stempel aufgedrückt. Unser Autor Patrick Metzger kennt David persönlich und traf ihn auf der aktuellen Tour backstage. Hier sein exklusiver “Behind-the-scenes“-Bericht. 

Ich kam gerade selbst von einem Gig in der Nähe von München ins Hotelzimmer, als ich gegen zwei Uhr morgens eine E-Mail von David Garibaldi bekam: „Hello my friend, greetings from Leverkusen ...“ Wir hatten uns im Vorfeld bereits gemailt und er hatte mich für das Konzert seiner Band „Tower of Power“ (kurz: TOP) am 11. November 2012, in der „Kammgarn“ Kaiserslautern eingeladen. Nach dem Frühstück am Sonntag morgen ging es also direkt nach Hause und von dort gleich weiter zum Kulturzentrum in Kaiserslautern. TOP war seit Anfang November in Europa und spielte auch vier Shows in Deutschland. Nach den Jazztagen in Ingolstadt und Leverkusen führte sie der Weg zum wiederholten Male in die Pfalz nach Kaiserslautern.

Jammen für einen freien Kopf
Leider war der Zeitplan der Band so eng gestrickt, dass es nur für einen kurzen Besuch im Backstage gereicht hat. Der Soundcheck begann erst wenige Minuten nach 17 Uhr. Nach einem kurzem Linecheck wurde der Song „Soul with a capital S“ komplett gespielt, die erste Zugabe der aktuellen T.O.P-Setlist. Danach noch fix ein paar andere Stücke angespielt, ein paar Feinheiten gecheckt – fertig. „That´s it“, hieß es von der Bühne. Trotz der Zeitknappheit blieben Organist Roger Smith, Gitarrist Jerry Cortez und David Garibaldi noch um die 20 Minuten, um auf der Bühne noch etwas zu jammen – was für mich als Zuhörer sehr lehrreich und interessant war. Nach mehrstündiger Busfahrt von Leverkusen nach Kaiserslautern mögen David und seine Kollegen es, einfach ein bisschen zu spielen um den Kopf frei zu bekommen, erzählte er mir später. Zwischen Soundcheck und Auftritt bleiben dann noch ein paar Minuten zum durchatmen, Kaffee trinken ... und einen kurzen Plausch im Backstage-Bereich. „Nice to see you again. You´re good?“, „How do you do?“, „How is Drumming in Germany?“ ging es hin und her. Anschließend begab sich die Band gleich zum Abendessen; danach war Chillen und Vorbereiten auf die Show angesagt.

Für fünf Minuten auf die Bühne stürmen
Die Musiker kennen das – jeder hat sein eigenes Ritual: Der Sänger singt sich warm, ein Anderer spielt mit dem Handy oder iPad, die Bläser spielen sich etwas ein, Rocco, der Bassist, stürmt noch mal kurz auf die Bühne und spielt fünf Minuten leise vor sich hin, bevor ab 19 Uhr der Einlass losging.

David Garibaldis Warm-Up-Programm
David hat mir ausführlich erzählt, was er als Warm-Up auf einem Practice-Pad vor einer Show spielt: Sein Warmspielen nimmt rund 30 Minuten in Anspruch. Als erstes übt er alle Rolls von 5er bis 15er „in Time“. Dann kommt als zweites ein langer „Closed Roll“ (Buzz Roll) für 1 Minute. Als drittes spielt David Seite 5 aus dem Buch „Stick Control“: die Übungen1 bis 12 (die kann er schon auswendig); dazu spielt er manchmal ein Fußpattern auf dem Boden (meistens Samba). Manchmal spielt er diese Übungen auch noch mit den Füßen: „That really ‘wakes up‘ my hands and I've found that to be the most efficient to all hand warm-ups”, begründet David seine Auswahl an Übungen.



Showtime!
Dann ist es an der Zeit sich umzuziehen, denn pünktlich um 20 Uhr ging das Licht aus: Für 80 Minuten war Funk und Soul der höchsten Liga angesagt. Songs wie „You got to funkifize“, „Only so much oil in the ground“ und „You ought to be havin’ fun“ waen gleich am Anfang zu hören. Der Band ist anzumerken, dass sie blind eingespielt ist: einige der Musiker stehen seit 45 Jahren zusammen auf der Bühne.

Metronom? Nein danke!
Auf die Frage, ob er ein Metronom auf der Bühne nutzt, antwortet David: „No click! I count the songs in or play a fill that starts the song – so that there's no count off. Everyone hears the fill and we go!” Die Setliste für alle Gigs in Europa auf dieser T.O.P.-Tour ist immer gleich. Es gibt keine Änderungen – im Gegensatz dazu, wenn sie Shows zuhause in den USA spielen: Dort wechseln sie zwischen drei Setlisten und tauschen Songs gelegentlich aus. „We have a large playlist and add or subtract songs throughout the year. If we get tired of playing a song, we put it away for a while and do something else”, sagt David.


Aftershow Action
Nach der ersten Zugabe kamen schon zwei Stagehands auf die Bühne und das Saallicht ging an – aber da der Applaus des Publikums nicht nachließ, kam die Band noch mal raus und gab den Song „Sold Out“ zum Besten. Dann war Schluß und die Crew begann sofort mit dem Abbau und dem Einpacken der Backline. Diese ist übrigens bei einer Backline Firma in Hamburg für Tower of Power deponiert und steht den Jungs immer zur Verfügung wenn sie in Europa auf Tournee sind. „We use it for many, many years. No one else uses our equipment between tours here. That way we can have our own gear any time we come to Europe”, erzählte mir David nebenbei. Die Band verschwand kurz im Backstage, bevor sich vier Musiker am Merchandise-Stand zur Autogramm-Session einfanden. Das habe ich – bei meinem nunmehr sechsten Tower of Power-Konzert –zum ersten Mal erlebt. Wie gesagt war der Zeitplan der Band sehr eng und man hat den Musikern zudem angemerkt, dass sie ziemlich am Ende ihrer Kräfte und total übermüdet waren – was Saxophonist Tom Politzer offen zugab, als ich ihn kurz darauf angesprochen hatte. 30 Minuten nach Showende saß die Band schon im Bus, denn über Nacht waren 730 Kilometer in rund 8,5 Stunden Fahrt nach Wien zu bewältigen. In Kaiserslautern hinterließen David und seine Jungs ein beeindrucktes Publikum. Tower of Power gilt zu recht als eine der besten Soulbands auf unserem Planeten. Hoffentlich können wir diese Formation noch oft live erleben.
(Autor: Patrick Metzger)