Black Sabbath: Chaos und Irrsinn

In diesem Jahr ist bei Black Sabbath Schicht im Schacht. In Köln spielten sie ihre finale Show auf deutschem Boden, kurz darauf in Birmingham die dem Anschein nach wirklich allerletzte

Totgesagte leben länger: Auf wenige trifft das so zu wie auf Black Sabbath. Sie flirteten mit dem Satan, soffen wie Schichtarbeiter (rund um die Uhr), und als nach acht Jahren „Never Say Die!“ erschien – was so viel heißt wie „Nur nicht aufgeben!“ – waren sie am Fußende der ersten Phase angelangt. Völlig ausgebrannt, scheintot. Wie im Leichenschauhaus lag da der Korpus ihres Schaffens, das achte Album versehen mit einem Zettel: braucht keiner!
Ozzy ging und wurde zu einem Haushaltsnamen, selbst in Illustrierten, die man höchstens im Wartezimmer aufblättert. Black Sabbath legten 1980 mit „Heaven and Hell“ ein dermaßen stimmiges, krachendes Album vor, eine Wiedergeburt vor dem Herrn, wenn es das je gab.
Weit weg davon wurde Monate zuvor einem Musiker und seiner Braut ein Sohn geboren. Auf der anderen Seite des Atlantiks, hoch oben in Detroit, Michigan. Noch bevor der Bub – Tommy Clufetos – Teenager wurde, begleitete er seinen Vater am Schlagzeug. Als er in die Schule kam, waren Sabbath wieder am Boden. Diesmal waren sie so fertig, dass Fans nicht mehr in die Stadien pilgerten, sondern an etwa einer Hand abzuzählen waren. Weltweit. Kranke Welt. Heute lernen die Kids in jeder einigermaßen vernünftigen Schule, was auch Metallicas Drummer weiß: Sabbath sind so synonym mit Heavy Metal wie niemand sonst.

Die Sabbath-Schlagzeuger

Wer genauer hinsieht, weiß: Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle ist nichts im Vergleich zu der Achterbahn-Karriere von Sabbath. Selbst bevor Ozzy das erste Mal ging, hatten sie kurzzeitig mit Dave Walker einen anderen Sänger, dann in der zweiten wichtigen Phase Ronnie James Dio; in der mit Tony Martin bezeichneten Ära waren sie aus Drummer-Sicht vor allem wegen Cozy Powell interessant.

Nur um kurz das Chaos anzudeuten, das um den stets anwesenden Tony Iommi herrschte: Selbst das erste Album mit Martin hatte zuvor ein anderer komplett und fast identisch eingesungen – Ray Gillen, der danach bei Ozzy-Gitarrist Jake E. Lees Badlands länger blieb. Sabbath-Drummer waren, live und im Studio: Bill Ward, Vinny Appice, Bev Bevan von Jeff Lynnes Hit-Maschine Electric Light Orchestra, Terry Chimes von den Punk-Ikonen Clash, Cozy Powell, dessen Rainbow-Nachfolger Bobby Rondinelli, Tommy Clufetos, Eric Singer und Brad Wilk. Für die meisten hieß es nicht nur rein und raus, sondern auch öfters: wieder zurück.
Das Ganze steckt voller grotesker Widersprüche. In Bezug auf die Besetzung, aber auch hinsichtlich der Geschichtsschreibung oder des Stellenwerts, ebenso musikalisch und in Arrangements ... bis hin zum Spiel der Drummer. Ganz besonders bei dem Mann der wichtigsten Phase: Bill Ward. Mental, spielerisch und beim Setup: das totale Chaos. In einem dieser von faulen Reportern erdachten Fragebögen antwortete er auf die Frage, was er im Fall eines Feuers aus dem Haus retten würde, nicht wie jeder gute Musiker: Frau und Kind. Sondern: „Zigaretten und Feuerzeug.“

Blaupause des Metal-Schlagzeugs

So wie sein Kumpel aus der Jugend in Birmingham – John Bonham – spielte er sehr früh sehr laut. Und trank exzessiv. „Aber Zeppelin“, so Ward, „waren eine Blues-Rock-Band, sie waren in ganz anderen Territorien unterwegs, mit vielen Akustik-Elementen. Robert sang über das Verliebtsein, bei uns ging es um Vietnam oder Kriegsschweine (War Pigs), und wir haben uns gefragt: What is this that stands before me? In unserer Musik steckte Wut, und soweit ich weiß gab es da nie diesen mythischen Scheiß, den sie uns um die Ohren gehauen haben, den ganzen Mist mit Dämonen und ähnlichem.“
1970 hatte Bonham einen Vorsprung: Noch bevor Sabbath debütierten, werkelte er mit Zeppelin an deren drittem Album. Aber man gab Gas. Als Sabs zweites Album „Paranoid“ erschien, wurde Zeps „II“ noch abgemischt. Das Muster blieb: Zeppelin vorne, Sabbath schnell und grob.
Aus Drummersicht ist es ebenso spannend wie faszinierend, dass der Stempel, den Sabbath allen folgenden hart rockenden Bands aufgedrückt haben – heftiger als Zeppelin und Purple –, oberflächlich kaum mit Bill Ward zu tun hat. Bonham und Paice sind viel eher die Prototypen des olympisch versierten Drummers, der metronomisch den Takt vorgibt, bei den Strophen auf der Hi-Hat, Ride bei Refrain und Gitarren-Soli ... generell Backbeat, virtuos in klar abgegrenzten Parts; außer in Soli ist das Paice gern in Intros, Bonham in seinen dann umso vertrackteren Breaks.
Dagegen ist Ward auf den ersten Blick ein Haufen Chaos. Mit der Rechten spielt er auch mal nicht-durchgehende Sechzehntel auf Cowbell, Standtom oder Snare, genauso scheinbar beliebig …

Den vollständigen Artikel und viele andere Themen rund ums Schlagzeug findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 2/2017.