Cajons im Test: mehr Sound durch Technik

Um die Soundoptionen zu erweitern, setzt man bei J. Leiva Percussion auf Experimentierfreudigkeit, statt auf exotische Klanghölzer. Doch auch die Optik kommt bei den Cajon-Modellen nicht zu kurz. 

J. Leiva Percussion aus Cordoba in Andalusien ist für handwerklich hochwertige Cajons mit ausgefallener Optik bekannt. Die vorgestellten Modelle haben aber nicht nur eine schicke „Schale”, auch das Innenleben der Klangkisten hat es in sich. Mit den Zoco 2.0, Omeya Evo II und Omeya Bass Studio haben wir vom Einsteiger-Modell bis zur Bass-Cajon verschiedene Modelle angetestet. „Omeya” bedeutet übrigens im Andalusischen soviel wie „König der Könige”. Schauen wir mal, ob die Cajons ihrem Namen gerecht werden.

Einsteiger-Cajon Zoco 2.0

Das Modell Zoco 2.0 in der Ausführung Black and White besticht schon beim Auspacken. Vom weiß lackierten Korpus aus 12 Millimeter MDF-Platten mit den Maßen 48 x 30 x 32 Zentimetern hebt sich sehr effektvoll die schwarze Frontplatte aus dem drei Millimeter starken Birkensperrholz ab.

Blickfang sind die goldfarbenen, orientalisch anmutenden Ornamente der Cajon. Auch die feinen schwungvollen Schriftzüge auf der Rückseite des Instruments unterstützen den hochwertig gefertigten Eindruck mit artistischer Note. Wichtig für den Hersteller der Cajons sind die nach langen Testphasen gefundenen optimalen Materialien der Instrumente. So setzt J. Leiva immer wieder auf Birkenholz von einem speziellen Anbieter aus Estland, das sich hinsichtlich der Schwingungseigenschaften und Haltbarkeit sowie für die Verarbeitung als optimal erwiesen haben und sich sehr gut für die Schlagflächen der Cajons eignen soll.

Eine bautechnische Besonderheit der Leiva-Cajons kommt auch beim Zoco-Modell zum Tragen. Die Frontplatte liegt nicht auf dem Cajon-Chassis direkt auf, sondern wird zur Verbesserung der Schwingungseigenschaften auf einen innen liegenden Nussbaumholz-rahmen aufgeschraubt. Ein weiteres patentiertes Bauelement ist das Direct-Tension-System der Instrumente. Jeder Cajonhersteller beantwortet die Frage nach dem möglichen Dämpfen der Snare-Saiten, mit denen die allermeisten Cajon-Modelle auf dem Markt ausgestattet sind, auf eine andere Weise: durch Einsetzen von kleinen Schaumstoffblöcken zwischen den Saiten oder Arretierung der Saiten im Inneren des Cajon-Korpus. Leiva hat das Problem elegant durch zwei Druck ausübende Schrauben gelöst, die ganz einfach an der Rückwand der Cajon von außen reguliert werden können. Sehr praktisch! 

Neben toller Optik und ausgefeilter Bautechnik liefert das Zoco 2.0 gute differenzierte Sounds zwischen markantem Bass, mittigen und crispen Slaps, Claps und Taps im Randbereich. Die Schlagfläche der Cajon liegt glatt und geschmeidig unter den Handflächen und spricht leicht an. Ein sehr schönes Einsteigerinstrument zum passablen Preis.

Evo II: Cajon für fortgeschrittene Ansprüche

Nach der früheren Evo-Serie kommt nun die Evo II mit neuen Features und verändertem Äußeren daher. Dabei stand die ansprechende Optik der Cajon im Vordergrund sowie der Ehrgeiz des Herstellers, die eigenen Ergebnisse immer weiter zu verbessern und durch neue Features noch zu toppen. Dies ist ihm gelungen! Die Cajon ist handverarbeitet, die Spielfläche aus Birkenholz intarsienartig über einen dunkleren Rahmen in den Birkenholzkorpus eingelassen. Sie ist mit wenigen Handgriffen auswechselbar gegen eine akustische Alternative, zum Beispiel die Aeronautic-Carbon-Spielfläche des Omeya-Master-Modells.

Alle Ecken und Kanten der Cajon sind handschmeichelnd abgerundet und laden zu einem sinnlichen Kontakt mit dem Holz ein. Den Spielgenuss erhöhen auch zwei kleine runde Sitzpolster auf der Deckplatte des Instruments. Zwei gerahmte verstärkte Schalllöcher auf der Rückseite der Cajon erlauben nun ein feines Spiel mit unterschiedlichen Bassfrequenzen. Ein kleiner Schraubdeckel erlaubt jeweils eines der Schalllöcher zu verschließen und so den Basssound zu modulieren, je nach Lage des verschlossenen Loches. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten, Bässe oder Mitten individuell nach Geschmack ein- oder auszublenden und dadurch den eigenen Spielsound zu variieren.

Die Evo II spricht sehr leicht an. Sechs speziell gefertigte metallumsponnene Saiten liegen innen auf der Schlagfläche der Cajon auf. Sie sorgen für einen zarten bis kräftigen Sizzle-Sound beim Anschlag, je nach Einstellung des DTS-Systems, durch das über äußere Schrauben die Schwingung der Snare-Saiten gesteuert wird. Taps bringen schon bei leichtem Anschlag einen differenzierten Klang hervor, Slaps kommen obertonreich rüber, immer geschmackvoll begleitet von feinem Sizzlen.

Mit den überzeugenden Basssounds gibt es viel zu tüfteln, um der Cajon noch mehr Klangnuancen zu entlocken – ein Instrument für die Bühne und für Solos mit Klangfülle und hoher Ausdruckskraft. Diese Vielfältigkeit der Cajon rechtfertigt auch den nicht ganz geringen Preis.

Cajon für Bass-Liebhaber

Die Omeya Bass Studio fällt zunächst durch seine sechs Zentimeter höhere Form auf. Die Cajon kommt damit größer gewachsenen Spielern ergonomisch entgegen. Doch ist das nur ein Nebeneffekt. Die Höhe entsteht durch einen Aufbau, der das Instrument quasi wie auf Füßen in Abstand zum Boden stehen lässt. So kann die Bodenplatte frei schwingen beziehungsweise können die Bassklängen sich mehr nach unten entfalten. Genau genommen entsteht dadurch eine Schallsäule, die sich in den Boden ausbreiten und von dort aus auch körperlich spürbar werden kann.

Durch ein stufenlos verschließbares Loch im Boden der Cajon lässt sich dieser Effekt nach Geschmack variieren. Ein verschließbares Schallloch im oberen Drittel der Rückseite erlaubt noch weitere Kombinationsmöglichkeiten der Bassentwicklung. Diese differenzierte Klangentwicklung lässt sich durch entsprechende Mikrofonierung weiter betonen oder auch für Aufnahmen gut nutzen.

Optisch geht die Cajon mit geschwungenen Ornamenten auf graubraunem Grund wieder in die orientalische Richtung, der Goldton der Linien verleiht dem Instrument dazu eine gediegene, kostbare Note.

Neben den bereits beschriebenen Eigenschaften steht die Omeya Bass Studio wie auch die anderen Cajons mit speziellen hohlen Gummifüsschen auf dem Boden. Eine Kleinigkeit, die aber klanglich eine positive Wirkung zeigt, wie Leiva über akustische Experimente herausgefunden hat.

Die Omeya Bass Studio Cajon bietet eine Menge Möglichkeiten für Liebhaber von tiefen Klängen, lässt sich leicht und locker anspielen und mit den verschiedenen Anschlagstechniken sehr gut bedienen.

Wie auch bei den beiden anderen Modellen sind hier für den weichen und zischenden Sound die speziell für Leiva hergestellten Saiten sehr wichtig, die die Anschläge betonen und verbinden.

Testergebnisse der J. Leiva Cajons kompakt

·         Sehr differenzierte Klangentwicklung bei allen drei Cajons

·         Schlagplatte komplett geschraubt auf innen liegenden Holzrahmen

·         Snare-Effekt durch vier beziehungsweise sechs spezielle Gitarrensaiten oder Snare-Teppich

·         Direct Tension System zur Regulierung des Snare Sounds

·         Wunderschöne Optik, besonders bei Omeya Evo II, in andalusisch-maurischem Stil

·         Spezielle Gummifüße zur Optimierung der Klangentwicklung

·         Variierbare Basssounds bei Omeya Evo II und vor allem bei Omeya Bass Studio

·         Spezielles russisches Birkenholz aus Estland für Frontplate und Chassis