Besser als Reifen wechseln

In den letzten zwei, drei Monaten ist einiges passiert: Priest-Drumming- Legende Dave Holland und Producer Chris Tsangarides sind verstorben, der an Parkinson erkrankte Axeman Glenn Tipton hat sich zurückgezogen. Und außerdem ist das 18. Studioalbum in der fast 50-jährigen Band- geschichte erschienen. Wir trafen uns mit Doppel-Wupper Scott Travis.

 

Für Scott Travis ist „Firepower“ das siebte Album mit Judas Priest. Überraschendes findet sich im Kleingedruckten: Produced by Tom Allom. Der war der Architekt der Meta- morphose aus dem Nichts zu Metal-Göttern. Zuvor und sehr lange waren Judas Priest eine Combo aus Nobodies mit wechselnden Drummern, unter Alloms Obhut und mit Dave Holland wurden sie zu den Hohepriestern des Metal.

Scott Travis gibt sich im Gespräch wie hinter seinem Drumkit: präzise und direkt. Dabei bleibt seine Miene immer so, wie wenn er sich nach einem Solo mit seinen 1,98 Metern hinter dem DW-Set aufrichtet: in Stein gemeißelt. Mit „Painkiller“, dem letzten vergoldeten Priest-Album, ist er in den Orden eingetreten, fast 30 Jahre diente er der Band sowie Rob Halford solo bei Fight.

„Stimmt“. Ich habe sehr lange mit ihnen gespielt.“ Wechsel zur Werbetrommel: „Das neue Album ist wahrscheinlich das beste, das wir seit ‘Painkiller‘ gemacht haben. Denn bei den Aufnahmen sind wir so vorgegangen wie damals. Wir haben es live in einem Raum eingespielt. Zumindest die Drumtracks. Ein paar Gitarrenspuren wurden vielleicht danach noch mal aufgenommen, auch der Gesang und solche Sachen ... Aber weil wir zusammen in einem Raum jammten, konnten wir uns das anhören und dann sehr oft noch mal nachbessern. So was haben wir seit fünf- zehn, zwanzig Jahren nicht mehr gemacht.“ Was er nicht ausspricht: Alben wie die ohne Rob Halford („Demolition“ und „Jugulator“) inbegriffen.

„Firepower“ donnert auf jeden Fall frontal und direkt los und brettert weiter wie „Pain- killer“. Auf Allom geht Travis weniger ein als auf Co-Producer Andy Sneap. Wie sich Wochen nach dem Gespräch herausstellt, ersetzt Sneap bei der kommenden Tournee Glenn Tipton an der Gitarre. Bleiben unterm Strich zwei Fünftel des klassischen Line-ups.

„Mit zwei Producern im Studio zu sein, war für mich und den Rest von Priest etwas ganz Neues. Und dann noch richtige Producer. Mit dem Sound hatte Andy offenbar eine Menge zu tun. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat er eine Menge aufge- nommen, was ich als modernen Heavy Metal bezeichnen würde. Das letzte Mal, dass wir mit so jemandem gearbeitet haben, war bei ‘Painkiller‘ mit Chris Tsangarides. Seinem Aufnahmeprozess war der von ‘Firepower‘ sehr ähnlich. Und dazu war er ein Typ wie Tom, der sicher nichts von dem verloren hat, was ihn ausmacht.“

Hm, ja, hübsch

Das Coole an Scott ist, dass er sich ursprüng- lich bei Priest so beworben hat wie einst K.K. Downing: recht unkonventionell. Als der Gitarrist der Ur-Version von Judas Priest seinem Leben ein Ende bereitete, indem er sein Blech gegen einen Baum fuhr, bewarb sich Downing, weil er „den auf den Van gesprayten Bandnamen absolut tierisch“ fand. K.K. hatte seit Wochen mit einer Gitarre zu Schallplatten gespielt, die Bandgründer als alte Hasen schon im Vorprogramm von Bowie und Cat Stevens. Sie ließen ihn abblitzen.

Zwanzig Jahre später, nach einem Priest- Konzert im Hampton Coliseum von Virginia, überließ Scott die anderen 10.000 Metal- heads sich selbst und fuhr eine halbe Auto- stunde zum Sheraton Hotel, wo er sich schnurstracks in die Bar begab. „Ich fand, sie bräuchten einen anderen Drummer, vielleicht einen mit mehr Feuer“, erzählte er seinerzeit lachend. „Ich bin also in die Bar, Glenn war da, und ich hatte nicht mal ein Tape dabei. Also habe ich ihm ein paar Fotos von meinem Drumkit gezeigt, und er: ja, hm, hübsch.

 

Das komplette INterview mit Scott Travis findet ihr in der aktuellen DrumHeads!!-Ausgabe 3/18