Interview Chris Coleman: Der Junge mit dem Traum

Im zarten Alter von zwei Jahren wagte Chris Coleman die ersten Ausflüge hinters ­Kirchen-Schlagzeug. Seine spielerischen Fähigkeiten bescherten ihm Jobs bei Chaka Khan, New Kids on the Block und Prince. Dabei erzählt Chris Coleman im Interview, dass Chops und Skills nur ein kleiner Teil der großen Pizza sind …

Chris, durchstöbert man deine jüngsten ­Solo-Lieder, findet man bei vielen einen ­gewissen Kaz Rodriguez als Songwriter aufgelistet.
Chris Coleman: Fast alle meiner jüngeren Songs hat Kaz Rodriguez geschrieben, zwei davon sind aus Kollaborationen mit ihm entstanden. Kaz ist ein britischer Schlagzeuger. Ich mag seinen Sound und wo er sich hin entwickelt und denke, dass er zu vielen meiner Ideen passt. Ich bezeichne mich sowohl als „Artist Drummer“ als auch als „Working Drummer“ und versuche beides in meinen Songs auszudrücken. Ein Song ist wie eine Unterhaltung: Du kannst weder die ganze Zeit schreien, noch kannst du nur flüstern. Und vor allem kannst du nicht die ganze Zeit reden. Es ist keine Unterhaltung, wenn du dich nicht mit deinem Gegenüber unterhältst.

Worin liegen denn die Unterschiede zwischen einem „Working Drummer“ und einem „Artist Drummer“?
Chris Coleman: Ein „Working Drummer“ steht nicht im Rampenlicht. Um es genauer zu sagen: Er ist der Boden. Die meiste Zeit nehmen ihn die Zuschauer nicht einmal zur Kenntnis. Aber ohne den Boden würde hier auch sonst nichts stehen. Er hat eher die Einstellung, alles und jeden zu unterstützen. Bei einem „Artist Drummer“ steht das Schlagzeug klar im Vordergrund, also kann er machen, was er will. Ich persönlich bin aber gerne kreativ und zeige beide Seiten.

 
 

Chris Coleman Schlagzeuggrooves

Und deine Clinics sind die perfekte Gelegenheit dazu. Wie wählst du die passenden Songs für eine solche Situation?
Chris Coleman: Ich habe 45 Minuten Zeit, um zu sagen, was ich zu sagen habe. Ich will eine Geschichte erzählen, mich mit dem Publikum verbinden und mit ihm interagieren. Was meine Shows von anderen unterscheidet, ist, dass ich immer das Publikum einbinden möchte. Natürlich kommen viele Leute, die einfach nur zuhören wollen. Auf der anderen Seite sitzen hier viele Menschen, die sich unterbewusst fragen: „Wie ist das möglich? Was macht er da? Ich will das unbedingt verstehen.“ Jede Situation ist anders. Nach den ersten zwei Minuten einer Show weiß ich, ob das Publikum lebendig und mitmacht ist oder einfach nur zuhören will. Und dann schwimme ich mit dem Strom.

Wenn du mit deiner Musik eine Geschichte erzählst: Was ist die Botschaft, die du der Welt vermitteln willst?

Chris Coleman: Bei dieser Frage muss ich lachen, weil sie mir so häufig auf unterschiedliche Weise gestellt wird. Meine Botschaft ist wirklich simpel, die Leute sehen das oft nicht. Ich bin ein Junge, der einen Traum hatte und ihn verfolgt hat, der hart gearbeitet hat, um seinen Traum zu verwirklichen. Natürlich kann ich auch technisch werden. Aber Technik ist doch nur eine Salamischeibe auf der ganzen Pizza. Ich frage häufig: Willst du nur die Salami oder nicht doch die ganze Pizza? Spielerische Technik ist für mich eine von vielen verschiedenen Ausdrucksformen, aber sicherlich nicht das Fundament.

Wie viel Raum für Improvisation bleibt diesem Jungen, wenn er auf die Bühne geht?
Chris Coleman: Bei meinen Shows machen die Improvisationen gut 80 bis 85 Prozent aus. Das mache ich mit Absicht. Bei Jobs als „Working Drummer“ spiele ich zu 100 Prozent das, was auf dem Leadsheet steht oder was man von mir erwartet. Bei meinen eigenen Konzerten muss es das Gegenteil sein. Sonst fühlt es sich so an, als würde ich arbeiten.

Den vollständigen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 6/17.