Interview: Ryan Meyer (Schlagzeuger Highly Suspect)

Highly ­Suspects Musik klingt ­geradeheraus, schnörkellos – und trotz aller ­Nüchternheit alles ­andere als nüchtern. Wir trafen Schlagzeuger Ryan Meyer zum ­Gespräch über zugekiffte ­Reggaebands, scharfe Messer und musikalische ­Zwillings­brüder.

Er habe übrigens deutsche Wurzeln, erzählt Ryan Meyer zu Beginn des Gesprächs nebenbei; sein Vater habe da mal etwas erwähnt. Einige Festival- und Club-Gigs verschlagen die Alternative-Rocker Highly Suspect aus Massachusetts wieder in die Heimat seiner Vorfahren. Zusammen mit Zwillingsbruder Rich am Bass und Schulfreund und Frontmann Johnny Stevens füllt er bereits nach dem zweiten Album mittelgroße Clubs auf der anderen Seite des großen Teichs. Dann entschuldigt sich der groß gewachsene Schlagzeuger für das verspätete Interview, schnappt sich zwei Bier aus dem Backstage-Kühlschrank und nimmt auf einem durchgesessenen Sofa Platz.

 
 

DH!!: Mit Highly Suspect machst du einen fast punkigen Blues-Sound. Deine ersten Gigs hattest du allerdings mit einer Band eines sehr viel entspannteren Genres …
Ryan Meyer: Die erste Band, mit der ich vor einem Publikum gespielt habe, war eine Reggaeband. Das waren waschechte Jamaikaner, die Joints aus riesigen Bananenblättern drehten. Die Halbinsel Cape Cod, von der ich komme, ist eine Touristen-Community, da spielt man viele Coversongs. Wir haben auch keine richtigen Klubs wie ihr in Deutschland. Man räumt in Restaurants die Stühle zur Seite und stellt seine PA auf. Das habe ich also eine Weile gemacht, bevor ich bei Highly Suspect eingestiegen bin.

Wo verordnest du deine größten Inspirationen?
Ryan Meyer: Das ist eine schwierige Frage. Inspiration bedeutet ja auch, dass du zu einem bestimmten Zeitpunkt von etwas beeinflusst worden bist. Jeder Tag ist ein neuer Einfluss. Als ich mit dem Schlagzeugspielen angefangen habe, war beispielsweise Taylor Hawkins mein Idol. Das ist zwanzig Jahre her. In diesen zwanzig Jahren wurde ich von vielen verschiedenen Dingen beeinflusst.

Dann lass uns doch eine Bestandsaufnahme deiner aktuellen Einflüsse machen.
Ryan Meyer: Ich konzentriere mich im Moment eher auf die allgemeine Stimmung der Musik als auf spezielle Drummer. Gerade im HipHop und der elektronischen Musik machen die Leute verrückte Sachen. Sie müssen sich nicht schwierige Trommel-Techniken antrainieren, um ihre Beats zu machen, sondern spielen komplexe Hi-Hat-Patterns einfach über ihren Computer ein. Danach kannst du diese als Schlagzeuger lernen und live spielen. Das ist beeindruckend.

Schlagzeug-Equipment Ryan Meyer (Highly Suspect)

Trommeln Tama
 Starclassic Bubinga (Piano White Finish)
 22 x 18“ Bassdrum
 13 x 9“ Racktom
 16 x 16“, 18 x 16“ Floortom
 14 x 6“ Starphonic ­Aluminium Snare
Becken Zildjian
 15“ K Light Hi-Hat
 24“ K Light Ride
 22“ K Dark Ride Medium
 2 x 18“ K EFX Crash
StöckeVater 5B
FelleRemo
Elektronik Roland SPD-SX Sampling ­Pad

Was ist wichtiger: Technik oder Feeling?
Ryan Meyer: Für mich ist die Technik dem Feeling untergeordnet. Aber dennoch ist sie wichtig und ausschlaggebend für dein Spiel. Wenn du deine Drumsticks nur mit den Fingerspitzen hältst, bist du am Arsch. Darunter leidet letztendlich auch dein Feeling. Ich habe jahrelang Latin-Jazz-Percussion in einer Drumline gespielt und bin mit einer Snaredrum und einem bescheuerten Helm herummarschiert. Das ganze Konzept dahinter besteht darin, dieses Zeug in dein Hirn einzugravieren und das Muskelgedächtnis zu schulen, um es dann zu vergessen. Natürlich zähle ich bei bestimmten Parts noch mit, bei denen ich zum Beschleunigen oder Verlangsamen tendiere. Wenn wir diese Parts live spielen, halte ich mit meinem linken Fuß den Takt.

Wie ist das eigentlich, mit dem Zwillingsbruder in einer Band zu spielen? Gibt es da eine besondere Verbindung?

Ryan Meyer: Ich habe schon mit Rich gespielt, als wir Kinder waren. Dann haben wir Instrumente bekommen, auf denen wir zusammen Musik gemacht haben. Davor haben wir mit Rennautos gespielt und unsere Phantasie kombiniert. Wir spielen seit dreißig Jahren zusammen!

Den vollständigen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 5/17.