Scharfe Messer für laute Musik

Die meisten Drumset- und Beckenhersteller haben reichlich attraktive Instrumente für Einsteiger im Ange- bot, doch gerade diese große Auswahl macht die Entscheidung schwer. Wir haben für euch im Bereich von 200 bis 600 Euro Komplettsätze aus 14-Zoll-Hi-Hats, 16er-Crashs und 20er-Rides getestet – und einen Blick in die Geschichte des Cymbal-Schmiedens geworfen.

 

Während man mit überschaubaren Mitteln den Klang von preiswerten Trommeln oft deutlich verbessern kann, bieten Becken praktisch keinen Spielraum für nachträgliches „Klangpimpen“. Deshalb sei im Zweifelsfall immer empfohlen, lieber ein paar Euro mehr in die Cymbals zu investieren.

In der Herstellung kommen verschiedene Metalllegierungen zum Einsatz, bei denen Kupfer der zentrale Bestandteil ist. Ein armenischer Alchemist namens Avedis ver- suchte durch die Kombination verschiedener Metalle Gold herzustellen. Was er dabei im frühen 17. Jahrhundert fand, war zwar kein Gold, doch dürfte die heute unter dem Na- men B20 bekannte Legierung weitaus mehr wert sein als schnödes klangtotes Edelmetall.

Avedis behielt sein Geheimnis für sich und fertigte fortan für den Sultan Becken von unglaublicher Klarheit und Klangfülle. Dieser dankte es ihm, indem er ihm den Namen Zildjian verlieh, was so viel wie „Sohn des Beckenschmieds“ heißt.

Somit ist B20-Bronze – eine Mischung aus 80 Prozent Kupfer, 20 Prozent Zinn und Spuren von Silber – das älteste und bekannteste Material für die Cymbal-Herstellung.

Neben der B20-Bronze, gibt es noch weitere Bronze-Legierungen, welche beim Beckenbau zum Einsatz kommen. So finden sich Bezeichnungen wie B12, B10 und B8 in jedem Portfolio namhafter Beckenhersteller. Die Zahl hinter dem B gibt dabei an, wie hoch der Zinn-Anteil im Kupfer ist. Je höher dieser ausfällt, desto geeigneter für den Be- ckenbau ist das verwendete Material.

Das günstigste Material im Beckenbau ist Messing. Ebenfalls eine Kupfer-Legierung, hier wird aber kein Zinn, sondern Zink beige- mischt. Am meisten kommt die MS63-Legierung (63% Kupfer, 37% Zink) beim Bau von günstigen Becken zum Einsatz. Messing ist ein Material, das ebenso wie Bronze nicht durch Hitze gehärtet werden kann. Das bedeutet, dass die Formgebung, sowie die Legierung selbst und die Verarbeitung darüber entscheiden, wie hart oder weich das Becken ist und wie es zum Schluss klingt.

 

Die Verarbeitung

Neben dem Material ist dessen Verarbeitung maßgeblich für die Klangqualität der Becken. Während die Bearbeitungsschritte im Prinzip

stets die gleichen sind, gestalten sie sich im Detail je nach Qualitätsstufe recht unter- schiedlich. Becken manuell herzustellen ist eine Kunst, die ebenso kraft- wie zeitaufwen- dig ist. Gleichzeitig sind die Qualitätsschwan- kungen dabei vergleichsweise groß. Wenn die abschließende Qualitätskontrolle pingelig ist – was insbesondere bei den High-End-Serien der Fall ist – landet ein gewisser Prozentsatz an fertigen Becken nicht im Verkauf, sondern wird sofort wieder eingeschmolzen. Die meisten Einsteigerbecken hingegen werden bis zu einem bestimmten Preisniveau vollständig maschinell bearbeitet; so lassen sich die Produktionskosten bei gleichbleibender Qualität niedrig halten.

Low Budget mit know-how

Selbst wenn ein Becken aus einer Einstei- gerserie nur den Bruchteil eines Oberklasse- Kollegen kostet, steckt in jedem doch das Know-How einer etablierten Becken- schmiede. Man darf bei Messing-Becken wahrlich keine Klangwunder erwarten. Mes- sing ist weicher als Bronze, und das beein- flusst den Klang erheblich. Becken aus Mes- sing klingen eher matt und weisen nicht die feinen brillanten Klang-Facetten auf, die Becken aus Bronze auszeichnen. Nichts desto trotz lassen sich aus Messing-Legie- rungen Becken herstellen, mit denen ein Ein- steiger bestens arbeiten und üben kann, und die ersten musikalischen Gehversuche abseits von Musikschule oder Proberaum können mit solchen Blechen auch bestritten werden.

Die Testkandidaten

Unsere Auswahl spiegelt die gesamte Band- breite an Materialien und Fertigungsweisen wider: maschinell hergestellte Messingbe- cken (Meinl HCS und Paiste PST3) und B8-Exemplare (Sonor Cast B8, Meinl MCS, Meinl Classic, Paiste PST5), maschinell gehämmerte, aber handgedrehte B8-Modelle (Paiste PST7) und sogar vollständig handge- fertigte B20-Becken (Sonor Armoni, Istanbul Mehmet Samatya, Istanbul Agop XIST, Masterwork Troy).

Paiste PST3

Das PST-3-Einsteiger-Set besteht aus einer Hi-Hat in 14 Zoll, einem 16 Zoll Crash und einem 20 Zoll großen Ride-Becken. Die Becken werden rein maschinell gefertigt und bestehen aus einer MS63-Messing-Legie- rung. Die PST-3-Cymbals besitzen ein ziem- lich breites Abdrehmuster, das von der Kuppe, über den Bogen bis hin zum Rand, in mehr oder weniger gleichmäßigen Abständen verläuft. Das Sustain ist verhalten. Das Attack dagegen ist durchaus brauchbar und kann sich relativ gut durchsetzen. Etwas meh Sustain bekommt man, wenn man das Bottom-Becken der Hi-Hat als Top-Becken verwendet. Durch das Mehr an Gewicht des Bottoms, lassen sich ein klein wenig mehr Klangnuancen aus dem Blech holen. Das Crash mit seinen 16 Zoll erfüllt seinen Zweck, wenn man es schlichtweg zum Akzente-Setzen nutzt. Attack sowie Sustain stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Bedingt durch die Legierung kommt

allerdings der Höhenbereich zu kurz, und das ist das typisch matte Klangbild von Messing. Kuppe, Rand und Bogen des Rides sind klanglich schön voneinander getrennt. Die Kuppe liefert ein erstaunlich ansprechendes Ping. Der Sound des Bogens hebt sich gut davon ab und bringt mehr Tiefen und Körper in das Klangbild. Gleiches gilt für den Rand.

 

Den Kompletten Bericht findet ihr in der aktuellen Drumheads!!-Ausgabe 3/18