Workshop: Musikalische Mathematik – Teil 6

Mit dieser Drum-Workshopfolge verabschiedet sich Peter Wildoer. Aber nicht ohne euch vorher noch Hausaufgaben fürs Schlagzeug aufzugeben ... aber halb so schlimm: Statt dividieren sollt ihr fleißig instrumentieren.

Zum Abschluss dieser Reihe gibt’s keine konkreten Übungen, sondern ein Konzept, das ihr für viele andere Übungen einsetzen könnt. Der Hintergrund ist: Wenn ich selber übe, will ich so viel wie möglich aus einer Übung ziehen. Als Beispiel habe ich hier einen ziemlich einfachen „Jazzbeat“ genommen, das No­tenbeispiel 1. Hierbei spielt ihr ein gewöhn­liches Jazz-Ridepattern, das ihr mit einer Vier­tel-Bassdrum begleitet und die Hi-Hat auf „2“ und „4“ tretet. Auf der Snare spielt ihr dazu Vierteltriolen.

Motorisch gleicher Groove – fürs Ohr ganz anders

Als nächstes macht ihr euch daran, den Snare-Rhythmus zu instrumentieren. In Beispiel 2 wechselt ihr mit jedem Schlag zwischen Snare und Tom, wobei 2 A mit der Snare anfängt und 2 B mit dem Tom. Was mich daran fasziniert ist, dass der Rhythmus unverändert ist – lediglich die Instrumentierung ist anders. Eigentlich ist es sogar motorisch dasselbe – nur mit dem Unterschied, dass ihr den Arm ein bisschen mehr bewegt, um zwischen Snare und Tom zu wechseln. Für das Ohr hört sich die wechselnde Instrumentierung allerdings sehr unterschiedlich an.

 
 

Paradiddle und Co.

Obwohl ihr beide Übungen 2 A und 2 B als einfachen Schlag „denkt“, könnt ihr sie zum Beispiel auch als Doppelschläge und Paradiddles instrumentieren. In Beispiel 3 A-D findet ihr vier verschiedene Doppelschlag-Variationen, während Beispiel 4 A-D Paradiddle-Variationen sind – die, wenn ihr die Übungen weiterführt, anders instrumentiert werden. Also: 4 E entspräche eigentlich 4 A, nur dass Snare und Tom „gespiegelt“ sind – ihr also mit dem Tom anfangt. Diese Methode benutze ich oft, um gewöhnliche Übungen aufzupeppen – daneben wirkt es sich positiv auf die Koordination, aufs musikalische Hören und eure Kreativität aus. Beispiel 5 (E1 - E5) ist die Instrumentierung einer Fünfer-Figur. Beachtet, dass ihr erst nach fünf Takten wieder auf der „1“ landet. Ihr könnt die Instrumentierung hier auch variieren oder modifizieren – nach dem Beispiel mit den Doppelschlägen und Paradiddles – auch könnt ihr experimentieren, wo ihr in den Rhythmus einsteigt.

Macht viel Rhythmus aus wenig Pattern

Zum Schluss noch ein anderer Ansatz: Beispiel 6 und Beispiel 7 (F, G) bestehen aus Paradiddles, aber ich instrumentiere sie mit Snare und drei Toms, indem etwa jeder Paradiddle-Doppelschlag auf der gleichen Trommel gespielt wird. Ich hoffe, dass dieses „Instrumentierungs-Konzept“ euch die Augen öffnet, damit ihr künftig viel mehr Möglichkeiten aus gewöhnlichen Übungen herausholt. Viel Erfolg und viel Spaß dabei!

Euer 

Peter Wildoer sitzt seit 1998 bei den schwedischen Thrash-Metallern „Darkane“ an den Drums und arbeitete u.a. mit den Bands Arch Enemy, Armageddon, Majestic und Pestilence. 2011 machte er bei den Drum-Auditions von Dream Theater von sich reden, als er mit 6 anderen ins Finale vorstieß. Die Band, für deren Sänger James LaBrie Peter schon getrommelt hat, listete ihn sogar unter ihren 3 Top-Favoriten. Peter arbeitet auch als Clinician und unterrichtet in seiner Heimat Südschweden als Mathe-Lehrer.
www.peterwildoer.com
www.youtube.com/user/wildoerfaren

Diesen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 6/2012.


Beispiel 2

Beispiel 3

Beispiel 4

Beispiel 5

Beispiel 6

Beispiel 7