Schlagzeug und Gesundheit: Rückenschmerzen

Ein Großteil der Bevölkerung leidet mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen. Schlagzeuger sind da keine Ausnahme. Wir zeigen euch, wie ihr sie vermeiden könnt oder wie ihr ­damit umgehen könnt, wenn ihr bereits darunter leidet.

Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 24 Wirbeln, die wiederum in drei Abschnitte unterteilt werden:

  • Hals­wirbelsäule (HWS)
  • Brustwirbelsäule (BWS)
  • Lendenwirbelwirbelsäule (LWS) ­

Zwischen den Wirbeln befinden sich 23 Bandscheiben, die unsere Bewegungen abfedern. Stabilisiert wird unsere Wirbelsäule durch Bänder, Faszien, Sehnen und Muskeln. Diese Strukturen sind wiederum von einem Nervengeflecht umgeben.

Rückenschmerzen können in allen ­Abschnitten der Wirbelsäule und in der Kreuzbeinregion auftreten. Knochen, Faszien, Muskeln, Sehnen, Kapseln und Bänder können betroffen sein. Schmerzen treten auf, da die umliegenden Nerven gereizt werden.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die für Rücken­probleme verantwortlich sind:

  • ungünstige und einseitige Körperhaltung
  • psychischer Stress
  • Unzufriedenheit, negative Lebens­einstellung
  • Verklebung der Faszien
  • altersbedingter Verschleiß
  • zu hohes Körpergewicht und dadurch ­erhöhte Belastung der Wirbelsäule
  • das Heben von zu großen Gewichten
  • zu wenig Bewegung

Körperhaltung hinterm Schlagzeug

Schlagzeuger verbringen die meiste Zeit sitzend an ihrem Instrument. Dies unterscheidet uns zum Beispiel von Sängern, die viel variabler in ihrer Haltung sein können. Die dauernde Sitzposition von Schlagzeugern ist recht einseitig, schränkt die Bewegung ein und kann zu Muskelverspannungen führen. Dies ist problematisch und kann zu Rückenschmerzen führen.
Luftige Bewegung
Früher galt falsches Sitzen als höchst ­rückenschädigend. Rückenschulen mussten her, um das richtige Sitzen zu erlernen. Heute wird dagegen angenommen, dass ­jegliche Veränderung in der Körperhaltung Rückenbeschwerden verhindern oder zumindest lindern kann.

Nutzt eure schlagzeugfreie Zeit. Vermeidet zu lange starre und einseitige Haltungen. Bleibt kreativ und verändert eure Haltung am Set. Nehmt euch, wenn ihr länger vor dem Schlagzeug sitzt, auch mal eine Auszeit. Rückenschmerzen können durchs Drumming verstärkt werden.
Übung: Ihr solltet euch vor allem in der Freizeit vielseitig bewegen. Verbringt viel Zeit an der frischen Luft, das verbessert den Sauerstoffgehalt im Blut und optimiert obendrein euren Stoffwechsel.

Bedeutung der Faszien bei Rückenschmerzen

In jüngster Zeit hat sich gezeigt, dass Faszien einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Rückenschmerzen haben. Faszien sind sehr dünne, bindegewebsartige Fasern die unsere Organe, Knochen und Muskeln umgeben und diese zusammenhalten. Bewegt ihr euch zu wenig, kann dies zur Folge haben, dass diese Faszien verkleben. Da auch Faszien von Nervenfasern durchzogen und umgeben sind, können die Verklebungen zu Bewegungseinschränkungen, aber auch zur Reizung der Nerven und somit zu Schmerzen führen.

Mit der Faszienrolle könnt ihr das Bindegewebe lockern und Verklebungen lösen. Aber auch Beweglichkeitsübungen wie Dehnungen können die Schmerzen lindern.

Übung 1:

Stellt euch mit dem Rücken vor eine Wand und legt die Faszienrolle in Höhe der Muskelpartie, die schmerzhaft ist. Durch Beugen und Strecken der Knie bewegt ihr die Rolle langsam, in eine Richtung entlang der verspannten Rückenpartie.

Bewegungsmangel als Ursache von Rückenschmerzen

Die wichtigste Maßnahme, um Rückenschmerzen zu vermeiden oder diese zu ­behandeln, ist jegliche Art von Bewegung. Frühere Empfehlungen der Art „sich zu ­schonen, denn man könnte sich ja falsch ­bewegen“ sind vermutlich eine Fehlan­nahme. Dies zeigen jedenfalls aktuelle ­Forschungsergebnisse. Vielseitige Bewegung verhindert muskuläres Ungleichgewicht.

Förderlich für die Rückengesundheit ist der ­Wechsel von

  • Stehen und Sitzen
  • Bücken
  • Strecken
  • Gehen
  • Zusammenrollen
  • Aufrichten

Da die meisten Schlagzeuger im Sitzen spielen, ist dieser Wechsel während des Spiels meist nicht möglich. Bela B., der überwiegend im Stehen spielt, gehört zu den ­rückenfreundlichen Ausnahmen. Ausgleichsübungen sind eine willkommene Abwechslung für ­euren Rücken.

Übung 2:

Ausgleichsübung aus dem ­Yoga: der nach unten schauende Hund. Hände und Füße berühren den Boden. Die Hüfte ist gebeugt. Arme und Oberkörper ­bilden eine ­Linie. Der Rücken sollte möglichst lang ­gemacht werden.

Psychosoziale Faktoren

In den letzten Jahren hat ein Umdenken im Umgang mit Rückenschmerzen stattge­funden. Eine besondere Bedeutung wird mittler­weile den psychischen Einflüssen eingeräumt.

  • Stress
  • Leistungsdruck
  • Misserfolge
  • Zeitdruck

können die Schmerzwahr­nehmung erheblich beeinflussen und somit Rückenschmerzen verstärken. Dazu gehört auch der Druck, im Studio fehlerfrei seinen Part am Schlagzeug einzuspielen oder das berühmte Lampenfieber vor Konzerten.
Eine positive Lebenseinstellung kann das Schmerzempfinden reduzieren. Wenn ihr ­insgesamt zufriedener und entspannter seid, wird dies auch eure Rückenschmerzen positiv beeinflussen.

Übung (mindestens über einen Zeitraum von einer Minute):

  • Sitz aufrecht, stabil und entspannt auf dem Schlagzeughocker
  • Lenke deine Aufmerksamkeit auf ein ­Objekt, beispielsweise ein Becken, das vor dir hängt
  • Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit nur bei dem Objekt

Eine kräftige Muskulatur kann die Wirbel­säule entlasten. Vielfach sind unsere Muskeln an eine bewegungsarme Welt angepasst. Viele Menschen gehen oft weniger als ­tausend Schritte pro Tag. Das ist deutlich zu wenig. Unsere Muskeln werden schwächer und sind nicht in der Lage, die Belastungen des Alltags abzufangen.
Kräftigt also gezielt eure Muskeln: Kräftige Rücken- und Bauchmuskeln sind wichtig, um Rückenschmerzen zu verhindern.

Übung 3:

Der Unterarmstütz ist eine sehr gute Übung, da hier sehr viele Muskelgruppen trainiert werden.
Stützt euch auf eure Unterarme; die ­Ellbogen sind unter den Schultern, der ­Rücken wird in Verlängerung der Beine ­gehalten. Die Fußspitzen berühren den ­Boden. Haltet diese Position etwa 30 Sekunden lang.

Tipps und Tricks gegen Rückenschmerzen

  • Wärmt euch vor jeder Übungseinheit auf.
  • Beobachtet euch: Wann sind die Schmerzen am stärksten? Wann lassen die Schmerzen nach?
  • Verändert daraufhin eure Haltung
  • Passt den Aufbau eures Schlagzeugs an. Verändert eventuell die Höhe der Hi-Hat oder die Höhe des Hockers
  • Ergonomische Schlagzeug-Hardware, beispielsweise ein entsprechender Hocker, ist wichtig. Wählt möglichst einen Hocker, der drehfähig ist.
  • Nehmt euch Zeit für die Übungen. ­Erarbeitet einen Plan.
  • Verändert während des Spiels auch mal eure Haltung am Schlagzeug. Richtet eure Wirbelsäule auf und lasst sie wieder zusammensinken. Das fördert zudem die Koordination.
  • Wenn ihr bereits Rückenschmerzen habt: Bleibt möglichst in Bewegung.
  • Lasst euch nicht frustrieren. Wenn keine ernsthaften gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, solltet ihr nicht auf das Drumming verzichten. Hört auf euren Körper und macht das, was euch Spaß und Freude bereitet.
  • Ausgleich durch Yoga: optimal geeignet zur Dehnung und Kräftigung der Muskulatur.
  • Simpel, aber wirkungsvoll: Öffnet das ­Fenster eures Proberaums, um den ­Sauerstoffgehalt im Raum zu erhöhen.
  • Macht die Übungen regelmäßig, wenn möglich dreimal pro Woche.
  • Vor stressigen Situationen helfen Entspannungsübungen.
  • Trinkt viel, da dies eine positive Wirkung auf die Faszien hat und deren Verkleben verhindert.

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