Slim Jim Phantom: Runaway Boy

In den späten 70ern kreuzten sich Jims Wege mit denen von Leon Drucker, alias Lee Rocker und Brian Robert Setzer. Was als Brian Setzer and The Tomcats begann, entwickelte sich wenige Jahre später als Stray Cats zur Speerspitze des Neo-Rockabilly-Genres. Slim Jim Phantom ist heute eine Ikone des Rock’n’Roll.

Slim Jim Phantom wuchs mit der Musik der Jazzplatten seiner Eltern auf, er tauchte ­regelrecht ein in die Welt des Drummings. Seine ersten Schlagzeug-Stunden erhielt er von Mousie Alexander, der unter anderem Drummer bei Benny Goodman war und als Perkussionist mit Gene Krupa zusammengearbeitet hat. In den späten 70ern kreuzten sich Jims Wege mit denen von Leon Drucker, alias Lee Rocker und Brian Robert Setzer. Was als Brian Setzer and The Tomcats begann, entwickelte sich wenige Jahre später als Stray Cats zur Speerspitze des Neo-Rockabilly-Genres. Slim Jim Phantom ist heute nicht weniger als eine Ikone des Rock’n’Rolls und ein Drummer fernab jeglicher Konvention. 

drumheads!!: Jim, nächstes Jahr feierst du mit den Stray Cats das 40-jährige Band-Jubiläum. Wie blickst du auf diese erfolgreichen vier Jahrzehnte zurück?

Phantom: Wir haben einen fast vergessenen Musik-Stil wieder zum Leben erweckt. Wir liebten diese Musik und wir tourten rund um die Welt – und das schon als Teenager. Wir trafen unsere großen Vorbilder, wir hatten und haben ein gutes Leben, und das habe ich allein meiner Liebe zu den Drums zu verdanken. Auf diese geniale Zeit blicke ich mit viel Freude und Dankbarkeit zurück.

Es gab dieses Jahr in den USA drei Reunion-Konzerte mit den Stray Cats. Ist da mehr im Busch als diese drei Gigs?

Ja. Ein neues Album und eine Tour wird es 2019 geben, zum 40-Jährigen-Band-Jubiläum. 

Du spielst ja ein sehr minimalistisches Drum-Set. Dein Drumtech hat also nicht viel zu tun?

Es wäre unfair, das so zu sagen. Mein Drum-Set ist einfach völlig anders als jedes andere Set. An meinem Set muss immer alles sauber und ordentlich sein. Das liegt daran, dass das Schlagzeug auf einem flachen Custom-Raiser steht. Darauf wird jeder einzelne Ständer und jede Trommel mit Ringschrauben und Haken befestigt – ähnlich der Takelage auf einem Segelboot. Das Aufbauen und Befestigen nimmt da schon viel Zeit in Anspruch. Während der Show wird auch das Equipment gewechselt, wie zum Beispiel, die Hi-Hat oder das Floor-Tom. Also müssen die Sachen von der Bühne runter. Neues Equipment muss her und es muss natürlich wieder mikrofoniert werden. Hinzu kommt, dass ich während der Show auch mal ein Fell plattmache – da muss mein Drumtech dann auch schnell reagieren.

Wie kam es dazu, dass du im Stehen spielst?

Mit den Stray Cats wollten wir was machen, was vorher noch keiner gemacht hat. Ich habe zuvor nie einen Drummer gesehen, der im Stehen spielt und dazu noch mit den anderen Bandmitgliedern auf der Bühne in der ersten Reihe platziert ist. Dick Harrell von Gene Vincent & The Blue Caps hat das so gemacht, allerdings nur für Foto-Shootings. Ich weiß von keinem Drummer, der das vor mir praktiziert hat.

Geht das nicht arg auf den Rücken und die Beine?

Ach ja, das ist bei mir wie bei einem altgedienten Fußballer: Knie- und Rücken-Probleme, das ist eben so, wenn man älter wird. Aber da wirke ich mit ein bisschen Fitness dagegen.

Trotz deines kleinen Set-Ups klingt alles, was du spielst, als hättest du eine komplette „Batterie“, auf der du spielst. Wie kommt das?

Das stimmt so nicht ganz. Ich habe immer ein „Full-Range-Kit“ gespielt, mit allem, was dazu gehört: Toms, Snare, Hi-Hat. Nur mein Aufbau ist eben ein anderer.

Schaut man sich die Stray Cats live an, sieht man, dass Brian Setzer des Öfteren auf deine Bass-Drum klettert. Hast du da keine Angst um dein Instrument?

Nein, ich bin da auf der sicheren Seite. Meine Bass-Drum ist von innen verstärkt mit einer Art Spange, an der auch das Bass-Drum-Mic befestigt ist. Mein Set ist definitiv umfangreicher und komplizierter, als es aussieht – und stabil ist es auch.

Hast du schon immer auf solch kleinen Kits gespielt?

Nein, gelernt habe ich auf einem ganz normalen Drum-Set. Und ich übe auch auf einem eher traditionellen Kit.

Würdest du nicht lieber manchmal an einem größeren Set sitzen?

Größere Sets sind leichter zu spielen. Und es macht mehr Spaß, sich daran auszutoben. Daheim habe ich ein großes Set zum Üben,  da sitze ich dann auch am Set und stehe nicht, und ich freue mich über die Toms und Becken, die einem zur Verfügung stehen. Ich steh auch unheimlich drauf, Drummern zuzusehen, die so richtig an einem großen Set abgehen. Aber im Prinzip bin ich mit meinem Live-Set völlig zufrieden. 

Slim Jim Phantom - das Equipment

Drums: Gretsch Maple Classic Gold Sparkle

Bass-Drum: 22 x 14’’

Floor-Tom: 14 x 14’’

Snare-Drum: 14 x 5’’ 

Becken 

  • 20’’  Zildjian K Heavy Ride 
  • 17’’  Zildjian A Custom Crash

Hardware  

Bass-Drum-Pedal: DW 5000 SIngle

Felle: Remo

Sticks: Vic Firth 5B

Bass-Drum 

Custom:

  • Mülltonne mit Zigarettenhalter
  • Getränkehalter
  • Aschenbecher
  • Heftpflaster

Mitte der 80er Jahre hast du zusammen mit George Harrison, Ringo Starr, Eric Clapton und vielen anderen großen Musikern für ein Carl Perkins TV-Special gespielt. Wie war das für dich?

Rockabilly bringt die Menschen zusammen. Wir sind so etwas wie Botschafter. Es war eine riesige Ehre, dass Carl Perkins uns alle dazu eingeladen hat. Man kann sagen, dass ein Miterfinder des Rockabilly uns „geadelt“ hat, und das war ein großartiges Gefühl. George Harrison war ein guter Freund von mir, und darauf bin ich stolz. Und Ringo  Starr ist ohne Zweifel der Drummer, der mich und mein Spiel am meisten beeinflusst hat, und ich bin glücklich, dass ich ihn bis zum heutigen Tag zu meinen Freunden zählen kann.

Wie kam es dazu, dass Stray Cats gemeinsam mit The Clash und den Rolling Stones auf Tour waren?

Rockabilly zieht sich wie ein roter Faden durch alle Rock- und artverwandten Stile. Die Stones und auch The Clash waren nicht dumm. Sie wussten, wenn sie die Stray Cats mit dabei haben, wird das auf jeden Fall eine coole Show. Für uns bedeutete das einen kommerziellen Erfolg.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Lemmy, Danny B Harvey und dem Projekt The Headcat?

Mit Lemmy bin ich seit etwa 40 Jahren befreundet. Er liebt Rockabilly und war einer der ersten echten Musiker, die unsere Stray-Cats-Shows  in London angesehen haben. Er kam vorbei, wir unterhielten uns und stellten fest, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben und dass wir beide gerne feiern. Als er nach L.A. gezogen war, wohnten wir fast Tür an Tür. Also sahen wir uns oft, Irgendwann beschlossen wir, einfach so zum Spaß eine Rockabilly-Band zu gründen. Danny B. war da eine logische Wahl, da ich ihn noch aus meiner Jugend kannte.

Vor ein paar Wochen brachte Glen Matlock (Sex Pistols, Anm. d. Red.) sein neues Solo-Album „Good to Go“ raus, auf dem du als Drummer mitgewirkt hast. Werdet ihr in Deutschland unterwegs sein mit diesem Projekt?

Na das hoffe ich doch. Mit Glen verbindet mich eine fast 40 Jahre lange Freundschaft. Auch er war in London auf der Show, auf der wir zum ersten Mal auf Lemmy trafen. Seitdem sind wir dicke Freunde. Es wäre genial, mit ihm in Deutschland zu spielen, und das nicht nur, weil wir beide eine starke Rhythmus-Sektion sind.

Was kannst du jungen Drummern raten, die ebenfalls im Stehen spielen wollen?

Macht es einfach, seid vorsichtig, denkt an mich und erwähnt mich, wenn ihr interviewt werdet.

Hier gibt es mehr Einblicke, unter anderem in die Welt von Martin Lopez.