Stewart Copeland im Interview: Der X-Faktor

Mit der Supergruppe Gizmodrome hat sich Schlagzeuger Stewart Copeland endlich wieder in ein Studio begeben. Der Ex-Drummer von The Police sprach mit uns im Interview über tödliche Live-Performances und wie man mit der Hilfe eines Orchesters auf Wellen reitet.

DH!!: Nach langer Zeit ohne feste Band hast du dich endlich mit deinem neuen Projekt Gizmodrome ins Studio begeben. Was war die Absicht dahinter?
Stewart Copeland: Dahinter stand keine Absicht: Das war purer Zufall. Meine einzige Agenda war, dass ich seit etwa zehn Jahren den Sommer mit meinem Freund, dem Keyboarder Vittorio Cosma, in Italien verbringe und dort Shows spiele. Diese Konzerte finden oft in Schlössern und Palazzos oder auf Piazzas statt. Die Leute kommen nicht, um eine bestimmte Band zu sehen, sondern einfach nur, um draußen zu sein und Musik zu hören. Ich wollte damit also kein Album oder meine Karriere bewerben. Die Agenda war: Pasta. Aber irgendwann hat mich Vittorio angerufen und gesagt: „Es gibt da eine Plattenfirma, die uns ein Studio buchen kann. Lass uns doch ein Album mit unserem ganzen Material aufnehmen. Und nebenbei: Ich kann den Gitarristen Adrian Belew von King Crimson dazu bringen, mitzumachen.” Ich dachte nur: Heilige Scheiße, wir sollten Mark King von Level 42 fragen, ob er den Bass übernehmen will. Während wir noch telefoniert haben, habe ich Mark eine Nachricht geschrieben. Der war sofort dabei. Nach einem zwanzigminütigen Telefonat sind wir vier also nach Mailand geflogen und haben dort zehn Tage in wilder Hysterie verbracht. Das Ergebnis heißt Gizmodrome. 

 
 

Ihr hattet also keine Ahnung, was bei den Aufnahmen herauskommen würde?
Stewart Copeland: Auch während der Aufnahmen ging es uns nur um den Spaß an der Sache. Wir hatten keine Ahnung, wie viel Geld die Leute von der Plattenfirma dafür ausgegeben haben. Die sagten uns nur: Geht ins Studio und spielt verrückt. Das haben wir gemacht und danach drei oder vier Songs an das Label in Deutschland geschickt. Die haben unser Budget daraufhin verdreifacht und wollten, dass wir ein Album machen. Ich habe noch nie von einer Plattenfirma gehört, die so etwas macht. Später stellte sich heraus, dass das Label zuvor ein Nummer-eins-Album mit Deep Purple gelandet hatte. Gut, dass wir das nicht wussten, als wir das Album machten. Wir waren frei, weil wir keine Agenda hatten, und dank unseres Band-Mottos, das lautet: „Who gives a fuck? Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, wird sich das jemals anhören.“ Diese Spontanität gab den Songs einen gewissen
X-Faktor. Die Band hatte die Lieder zwanzig Minuten, bevor wir sie aufgenommen haben, noch nie gehört. Das ist übrigens auch die alte Police-Formel. Wenn du das nächste Mal ein Police-Album anhörst, denk daran, dass der Schlagzeuger die Songs zwanzig Minuten zuvor noch nicht kannte. Also war alles, was sich dieser Schlagzeuger ausgedacht hatte, zwanzig Minuten jung. Einmal kam unser erster Durchlauf auf die Platte. Danach gehst du auf Tour und findest heraus, wie du elegant vom Refrain zur Strophe wechselst. Auf der Platte hört es sich etwas unbeholfen an, das stört aber nicht. Es hat einen X-Faktor.

Ist das Album als großes Ganzes zu sehen? Steckt dahinter eine bestimmte Geschichte?

Stewart Copeland: Nein, es war wirklich ein Song nach dem anderen. Bei unseren sommerlichen Shows in Italien ging es nur darum, den Moment zu spüren und das Publikum zu erfreuen. Beim Album lief es ähnlich. Es gibt also nicht unbedingt ein „größeres Bild“.

Stewart Copeland Schlagzeug-Grooves

Hast du für das Songwriting verantwortlich gezeichnet?
Stewart Copeland: Ich habe den Jungs das Riff und die Akkorde für einen Song gezeigt, und sie haben sofort das Richtige daraus gemacht. Sie dachten, dass sie einfach eine Session spielten, aber ich hatte einen anderen Plan. Meine geheime Mission war es, sie mit einzubeziehen. Nach drei oder vier Tagen spielte also Adrian nicht mehr auf meinem, sondern auf Adrians Album. Nur so kriegt man den besten Adrian. Ich hatte zwar eine Idee für die Gitarrenparts, wollte aber, dass er mich umhaut.

Es klingt tatsächlich so, als ob vier Solisten zusammenspielen …
Stewart Copeland:… und alle zu viel spielen.

Das hast jetzt du gesagt.
Stewart Copeland: Aber der Sänger hat damit kein Problem. Weißt du warum?

Warum denn?

Stewart Copeland: Der Sänger bin ich. Ich kann nicht behaupten, dass zu viele Drumfills vorkommen, denn es sind ja meine Drumfills.

War es anstrengend, sich gleichzeitig auf das Trommeln und Singen zu konzentrieren?
Stewart Copeland: Im Studio habe ich nicht beides gleichzeitig gemacht. Natürlich gehen wir mit dem Album auf Tour. Auf der Bühne werde ich aber nicht den Don Henley machen, sondern den Dave Grohl.

 

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