Interview: Zack Alford – Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Session-Drummer Zack Alford verrät euch im Interview, wie es sich mit David Bowie arbeitet, was Fusion- von Gospel-Drumming unterscheidet und welchen Nutzen er aus Hip-Hop-Loops gezogen hat.

David Bowie, Nine Inch Nails, Bruce Springsteen, Gwen Stefani, Billy Joel … die Liste der Musiker, mit denen Zack Alford bereits gearbeitet hat, ist lang und schillernd. Aufgewachsen in New Yorks Upper West Side lernt Zack in seiner Nachbarschaft schon früh eine ganze Reihe fabelhafter Profi-Drummer kennen. Später sucht er in der Musikszene rundum legendäre Clubs wie das CBGB‘s oder die Danceteria seinen eigenen Weg zwischen Punk, Hip-Hop und allem, was Anfang bis Mitte der 80er sonst noch so angesagt war. Im Interview mit uns zeigte sich, dass Zack auch heute noch offen für neue Einflüsse ist …

DH!!: Zack, du bist in New York aufgewachsen. Glaubst du, dass du dich heute auch dann beruflich in einer ähnlichen Situation wiederfinden würdest, wenn das anders gewesen wäre?
Zack Alford: Mein Umfeld hatte sehr viel mit meiner Berufsentscheidung zu tun. Von dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, war es nur ein Katzensprung zu Clubs, in denen viele Drummer aus meinem Viertel spielten. Alle möglichen Musiker lebten oder traten in der Upper West Side auf. Und Downtown war damals auch gerade eine interessante Szene entstanden mit aufstrebenden Künstlern wie Madonna, Full Force, James Chance, Nona Hendryx, T.M. Stevens, Vernon Reid und vielen mehr.

 
 

DH!!: Das klingt nach vielen verschiedenen Einflüssen. Gab es auch in jüngerer Zeit Schlagzeuger, von denen du versucht hast, dir etwas abzugucken?
Zack Alford: Ja, ich schau mir auf YouTube gerne Gospel-Drummer an – Leute wie Ramon Sampson oder Aaron Spears. Die machen wirklich interessantes Zeug.

DH!!: Was zeichnet Gospel-Drumming aus?
Zack Alford: Das ist halt eine ganz andere Art, Beats zu unterteilen. Ich bin während meiner High-School-Zeit mit Fusion-Schlagzeugern wie Billy Cobham, Steve Gadd oder Lenny White aufgewachsen. Überall hörte man ständig Single- und Double-Stroke-Rolls, Paradiddles und so weiter. Wenn man sich dagegen Gospel-Drummer anhört, merkt man, dass es dort nicht so sehr darauf ankommt, Ideen geradlinig zu verbinden. Stattdessen wird eher dreidimensional agiert. Viele von den Sachen, die total kompliziert klingen, benötigen, wenn man sie näher betrachtet, tatsächlich meist nicht mehr als ein Double oder Single. Das heißt: Sobald man das entscheidende Pattern gelernt hat, kann man den Part auch spielen. Will man aber Dinge umsetzen, wie sie Dave Weckl oder Chad Wackerman machen, muss man praktisch in der Lage sein, einhändig Rolls zu spielen. Das ist bei den Gospel-Schlagzeugern nicht wirklich der Fall. Bei denen geht es eher darum, neue Patterns und Kombinationen zusammenzuführen. Das finde ich spannend.

DH!!: Würdest du sagen, dass diese Herangehensweise simpler ist als das, was Leute wie Weckl machen?
Zack Alford: Nein. Ich glaube, Fusion-Drumming ist einfacher. Zumindest was das typische Fusion-Drumming der Siebziger und frühen Achtziger angeht. Nach meinem Empfinden sind die Ideen da in größeren Blocks angelegt. Wobei: Wenn man dann zu El Negro und ähnlichen Leuten kommt, die in den späten Achtzigern und Neunzigern aufgetaucht sind, wird es wieder viel komplizierter. Das lag am afrokubanischen Einfluss, der dann noch mal eine ganz andere Sache ist. Überspringt man aber die Neunziger und spult direkt bis zu den Gospel-Drummern von heute vor, werden die Blöcke schlagartig kleiner. Ich fand es zuerst viel schwieriger, zu verstehen, auf welche Weise diese Blöcke dann neu arrangiert und gewendet werden – weil es etwas ganz anderes war als das, was Cobham und Co. in den Siebzigern gemacht haben. Um es auf den Punkt zu bringen: Gospel-Drumming klingt dadurch komplizierter, und es ist, finde ich, eine neue Weise, mit Rhythmen umzugehen. Pellt man aber die ersten Schichten der Zwiebel ab, merkt man, dass es einen physisch gar nicht so sehr beansprucht. Und das ist wahrscheinlich auch Grund, warum ich mich davon angezogen fühle. Wenn etwas auch bei näherer Betrachtung noch zu hart aussieht, lass ich es lieber bleiben (lacht).

DH!!: Gospel und ähnliche Stilrichtungen stehen ja im krassen Gegensatz zu dem, was sich dieser Tage so in den Charts findet – dort ist das meiste ja zu großen Teilen Computer-generiert. Gibt es Momente, in denen dich auch solche elektronischen Elemente beeinflussen?

Zack Alford: Hauptsächlich konzentriere ich mich auf echte Schlagzeuger, aber schon seit den frühen Achtzigern, als die Drum-Machines in Mode kamen, beeinflussen mein Spiel auch elektronische Sachen. Als dann später im Hip-Hop das Sampeln von Beats dazukam, entwickelte sich bei mir ein neues Interesse für James Browns Drummer – Clyde Stubblefield und Jabo Starks. Am Anfang waren es ja vor allem Beats aus James-Brown-Songs, die man im Hip-Hop hörte. Loops eröffneten mir so ein detaillierteres Verständnis von Swing und Groove, das mir beim ersten Mal – sprich: in den Originalaufnahmen – irgendwie entgangen war. Als ich anfing, Schlagzeug zu spielen, wollte ich alles, nur nicht nach James Brown klingen. Denn der Sound wirkte total altbacken auf mich. Mich faszinierte damals eher der große, mächtige Klang von Drum-Maschinen. Deswegen gefiel mir auch John Bonham so gut.


Zack Alford Credits (Auswahl)

The B-52s, David Bowie, Kelly Clarkson, George Clinton, Susanna Hoffs, Tomoyasu Hotei, Darryl Jenifer, Billy Joel, Manic Street Preachers, Nine Inch Nails, Vernon Reid, Bruce Springsteen, Gwen Stefani, T. M. Stevens, They Might Be Giants, Suzanne Vega, Bernie Worrell, Zucchero


DH!!: In welcher Weise beeinflusst dich die elektronische Musik von heute?
Zack Alford: Na ja, ich setze mich nicht unbedingt hin und versuche, exakt herauszubekommen, wie sich ein elektronischer Beat zusammensetzt. Aber ich lasse mich ästhetisch dadurch anspornen. Manchmal sind das richtig komplizierte Geschichten, aber mich fasziniert auch der Minimalismus, der zum Charakter vieler Electronica-Songs gehört. Was mich dann interessiert, kann zum Beispiel auch nur ein rückwärts laufender Snare-Roll sein, der ein großartiges Crescendo hat, oder Kickdrums auf jeder Achtelnote. So etwas baue ich gern in mein Live-Spiel ein. Natürlich nur dann, wenn ich das Gefühl habe, dass der Song danach verlangt. 

Den vollständigen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 5/17.