Drummer-Legende Bobby Rondinelli

Einem Drummer, der an Rainbow oder Black Sabbath denkt, fallen sofort Größen wie Cozy Powell oder Bill Ward ein. Allzu oft wird ein virtuoser Drummer vergessen, der beiden Bands ebenso seinen Stempel aufgedrückt hat und in zahlreichen anderen namhaften Bands der Taktgeber war: Bobby Rondinelli. Wir haben uns mit der Legende getroffen.

DH: Bobby, du hast mit vielen namhaften Bands gespielt: Rainbow, Black Sabbath, Scorpions, Doro, Blue Oyster Cult, um nur ein paar zu nennen. Wo hast du dich am meisten daheim gefühlt?
Rondinelli: Wenn ich mit Axel (Axel Rudi Pell) unterwegs bin, fühlt sich das verdammt gut an. Black Sabbath war ein höllischer Spaß. Wenn du richtige Heavy Music spielen willst, ist Sabbath der richtige Weg.  Rainbow war genauso genial, wenn auch nicht immer ganz einfach. Ritchie Blackmore wollte damals, dass ich Cozy ablöse. Ich mag Cozy. Er ist einer der Drummer, die ich am meisten verehre. Die Sache mit Ritchie, um es auf einen Nenner zu bringen: Manchmal war es schwer, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ritchie kann der großartigste Typ der Welt sein – oder eben auch nicht.

Kanntest du Cozy damals schon gut?
Ja, Cozy war zu diesem Zeitpunkt bereits ein enger Freund von mir. Ich erinnere mich an einen Anruf von ihm. Das war kurz nachdem ich bei Black Sabbath für ihn eingestiegen war. Das ging ungefähr so: Hey Bobby, hier ist Cozy. Pass auf, ich geb dir die Telefonnummer meiner Freundin. Du machst ja eh sonst alles, was ich tue, dann kannst du dich ja auch gleich um sie kümmern – wie geht’s dir sonst so, mein Freund?

Wie kam es 1984 zu der Zusammenarbeit mit den Scorpions? Zu der Zeit warst du doch eigentlich vollauf mit Rainbow beschäftigt?
Im Prinzip bin ich einfach nur gefragt worden, aber das  war eine ziemlich verrückte Aktion. Rudolf (Rudolf Schenker) rief mich an und sagte: Hey Bobby, kannst du rüber nach Deutschland kommen, um ein Album für uns einzuspielen? Herman (Herman Rarebell, Drummer Scorpions) ist krank. Kannst du den Job machen? Ich sagte zu ihm: Rudolf, gib mir ein paar Tage, um hier noch einige Dinge zu erledigen, dann kann ich kommen.
Daraufhin meinte Rudolf nur: Bobby, ich habe dir einen Flug gebucht, der geht in zwei Stunden! Ich dachte, ich hör nicht recht und meinte: Rudolf, that is totally crazy! Alles, was Rudolf noch dazu sagte, war: Bobby, Rock´n´Roll is crazy! Gut, ich habe also in Windeseile meine Sachen gepackt und mich völlig abgehetzt, um rechtzeitig an den Flughafen zu kommen. Natürlich habe ich den Flug verpasst. Aber am Schalter sagte man mir, dass das kein Problem sei, denn Herr Schenker habe auch einen Platz im nächsten Flug nach Deutschland auf meinen Namen gebucht.

Du hast also das „Love-At-First-Sting-Album“ eingespielt. Warum ist dann Rarebell als Drummer auf dem Album gelistet?
Ich kann nur sagen, dass sämtliche Drumtracks auf Love At First Sting von mir sind. Zwar habe ich mich ein wenig an Rarebells Stil angelehnt, aber das, was an Drums auf dem Album zu hören ist, stammt von mir, und wenn irgendwer etwas anderes behauptet, ist das absoluter Bullshit! Ich hab das Studio verlassen und es wurde absolut nichts mehr an den Drumspuren verändert. Das bin ich an den Drums!

Kurz darauf bist du bei Quiet Riot eingestiegen, um das Album „Terrified“ einzuspielen, nur um kurze Zeit später bei Black Sabbath zu landen, wie kriegt man solch einen „Stunt“ hin?
Ich habe nicht das komplette Terrified-Album eingespielt. Als die Aufnahmen losgingen, bekam ich einen Anruf von Black Sabbath. Ich war wohl der Einzige, der Quiet Riot verlassen hat, und den Kevin DuBrow dafür nicht gehasst hat. Kevin war ein klasse Typ. Ich denke gern an die ungewöhnliche Art, wie er mich für Quiet Riot engagiert hat: Hi! Hier ist Kevin DuBrow von Quiet Riot. Spreche ich mit Bobby Rondinelli? Gut. Sicher hast du gehört, dass ich verrückt bin. Das stimmt, ich war verrückt. Ziemlich sogar, aber das ist vorbei. Wie sieht´s aus, Bobby? Ich suche einen Drummer. Kevin war verrückt. Er hat immer genau das gesagt, was er gedacht hat, und er hat mich immer sehr gut behandelt.

Es war also OK für ihn, dass du Quiet Riot verlassen hast?
Kevin sagte zu mir, dass er mich für jede andere Band gehasst hätte. Es war mein Geburtstag, als Kevin das mit Sabbath erfuhr. Er wusste, dass ich ein riesen Sabbath-Fan war. Er schenkte mir eine Ladung Black-Sabbath-CDs und meinte, dass er mich für jede andere Band, für die ich Riot verlassen hätte, hassen würde, aber nicht für Black Sabbath.

Von 1997 bis 2004 warst du Drummer bei Blue Oyster Cult und während dieser Zeit hast du noch für sechs weitere Bands gespielt. Wie kriegt man das alles unter einen Hut?
Ich liebe es einfach, Schlagzeug zu spielen. All diese Projekte haben mir viel bedeutet und waren wirklich cool. Ich streich keine Häuser an, ich spiele Schlagzeug (lacht).
Das Leben ist kurz, und wenn sich eine coole Session bietet, mach ich mit. Ich liebe es, egal, ob im Studio, im Übungsraum oder live auf der Bühne…obwohl… früher war ich nicht so begeistert, wenn es um Recording-Sessions ging.

Warum nicht?

Geht man heute ins Studio, ist man alleine. Der Focus des Tontechnikers ist ausschließlich auf mich gerichtet. Man spielt zu den Tracks und muss nicht Rücksicht auf die Band nehmen. Das kann nämlich sehr zeitraubend sein. Ich mach also mein Ding, bis ich zu 100 Prozent zufrieden bin. So arbeite ich auch mit Axel. Er geht ins Studio und nimmt etwas auf.

Dann komme ich. Ich habe den Song nie zuvor gehört – Axel will das auch nicht. Er will, dass ich im Studio zum ersten Mal mit seinem neuen Song „konfrontiert“ werde. Den höre ich mir an, mache mir meine Gedanken dazu und leg los. So geht das dann Song für Song. Allerdings ist es oft so, dass Axel danach sagt: Hey, kannst du das nicht eine Spur einfacher spielen? Natürlich tue ich das dann auch (lacht).

Axel Rudi Pell ist ja nicht die Erste deutsche Band in der du spielst. Hast du eine gewisse Vorliebe für deutsche Bands?
Ja, stimmt. Ich habe wirklich mit vielen deutschen Bands gespielt, verrückt oder? Das liegt vielleicht daran, dass viele der deutschen Bands Rainbow und Ritchie Blackmore sehr verehrt haben und sie dachten wohl, wenn ich bei Rainbow einen guten Job mache, dann auch bei ihnen.

Inwiefern spielt die technische Fertigkeit für dein Schlagzeugspiel eine Rolle?
Ich würde mich schon eher als einen technischer Drummer bezeichnen. Natürlich bin ich kein Jazzer, aber ich habe immer Wert auf eine gute und ausgefeilte Technik gelegt.

Du hast viele Double-Bass-Drumming-Clinics gemacht. Gleichzeitig sagst du aber: Es ist besser keine Double-Bass zu spielen als sie zu viel einzusetzen. Wie kann ich das verstehen?
Ich habe ein Buch darüber geschrieben. Früher war es so, dass man den Unterschied der beiden Bassdrums zueinander raushören konnte. Mit dem Aufkommen der Doublebass-Pedale war das vorbei und ich dachte mir: Wow, das ist wirklich großartig! Seitdem liebe ich das Doublebass-Spiel. Doch ist das ein zweischneidiges Schwert.
Wenn man es übertreibt, es also unverhältnismäßig oft einsetzt, geht der ganze Sound verloren. Spielt man also dauernd „babababababababa“, ist das in meinen Augen ineffektiv. An der richtigen Stelle zur richtigen Zeit eingesetzt macht es den Song dick, fett und großartig. Wenn ich Musik höre, bei der die ganze Zeit die Doublebass durchläuft, egal wie schnell oder langsam der Song ist, macht mich das verrückt.

Welche Drummer haben dich maßgeblich beeinflusst?
Dino Danelli von den Rascals ist einer meiner Lieblingsdrummer. Wenn man ihn anhört, wird deutlich, dass er bereits in den 60er Jahren ein visionärer Drummer war. Die Fills, die er spielte, seine Art, seinem Spiel Funk einzuhauchen…einfach fantastisch. Leider kennen ihn nicht viele. Ihm gebührt ein weitaus größerer Name.
Ein weiterer Drummer der sehr wichtig für mich ist, ist auf jeden Fall Carmine Appice. Schon als Kind hat er mich mächtig beeindruckt und ich hatte sogar Unterricht bei ihm. Ginger Baker nicht zu vergessen. Er hat mich maßgeblich beeinflusst was das Double-Bass-Drumming angeht. Natürlich auch Buddy Rich. Diese Drummer waren am Anfang meine größten Inspirationen, auch wenn man zu Ginger sagen muss, dass er ein verrückter Bastard ist, aber ein begnadeter Drummer. Ich war einmal kurz davor, ihm ins Gesicht zu schlagen.

Du hast Ginger nicht wirklich geschlagen oder?
Nein, habe ich nicht, aber ich hätte es tun sollen und es hat nicht mehr viel gefehlt, dass ich es tatsächlich tue.
Wir hatten eine Drum Clinic zusammen und am ersten Abend kam einer der Tour-Manager zu mir und meinte, ich solle mit ihm kommen, um Ginger kennenzulernen.  Ich freute mich riesig und stellte mich vor, erzählte begeistert, dass ich zurzeit mit Black Sabbath auf Tour sei und dass er, Ginger, eines meiner größten Vorbilder sei. Er sah mich nicht mal an und murmelte nur: Yes, yes, really cool. Das war´s. Später war ich auf der Bühne und baute mein Drumset auf. Ich war dabei, ein Tom auf einen Ständer zu montieren, als ich hinter mir jemanden laut „OY“ schreien hörte. Das war Ginger, und er schlug mir zusätzlich mit einem Stick auf den Rücken und sagte: „Hey du, stimm das Scheiß-Ding erstmal, bevor du es montierst!“
Ich stand da und dachte mir nur, dass es falsch ist, wenn ich mein Vorbild jetzt verprügle. Ich ließ ihn stehen und ging raus, um runterzukommen. Ginger ist kein netter Mensch. Er ist, um es vorsichtig auszudrücken, sehr eigen. Allerdings, wie gesagt, einer der besten Drummer. Aber der größte Einfluss für mich war und ist Carmine Appice.

Bobby Rondinellis Equipment

  • Drums: Tourkit für Axel Rudi Pell, Ludwig Legacy Maple in Silver Sparkle
  • Bass-Drum: 26 x 14"
  • Rack-Tom: 14 x 10"
  • Floor-Tom: 16 x 16", 18 x 16"
  • Snare: 14 x 6,5" Supraphonic 1971
  • Timpani: Ludwig 26"
  • Becken: Paiste
  • Hi-Hat: 15" Big Beat
  • Hi-Hat: 14" Closed 2002
  • Crash: 20", 19", 18", Big Beat
  • China: 2 x 20", 18", Signature
  • Splash: 10"
  • 2002 Gong: 38", Paiste
  • Symphonic Gong
  • Hardware: Ludwig Atlas
  • Bass-Drum-Pedal: Axis A21 Longboard
  • Felle: Attack
  • Bass-Drum: Attack No Overtone
  • Toms: 1 Ply Coated
  • Snare: Bobby Rondinelli Signature Head
  • Electronics: Ultimate in Ear

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