Emil Bulls Drummer Fabian Füss

Egal ob druckvoller Metal, brachialer Hardcore, grooviger Hip-Hop oder ­vertrackte Jazz-Beats: Fabian Füss, Drummer von den Emil Bulls, ist der richtige Mann, um Bühnenbretter und Studiowände zum Wackeln zu bringen. Wir trafen ihn vor einem Gig in ­München zu einem Tässchen Tee.

DH!!: Nach sieben Jahren Emil-Bulls-Abstinenz bist du wieder an Bord. Wie fühlt sich das an?

Fabian Füss: Es war gut, sieben Jahre lang Abstand zu haben. Alles, was damals nicht so gut lief, konnte man hinter sich lassen. Im Prinzip fühlt es sich an, als wäre ich einfach nur mal kurz weg gewesen. Jetzt wieder hier zu sein, fühlt sich für mich ganz organisch an.

Warum hast du die Band damals verlassen?

Ich weiß nicht, ob ich mir die Antwort auf diese Frage vor oder nach meinem Ausstieg zurechtgelegt habe, aber im Prinzip ist das so: Ich gehe nach einem Drei-Punkte-Plan vor, warum man in einer Band mitmachen kann: Da wäre zum einen, wenn die Kohle stimmt [lacht]. Ja, das kann über vieles hinwegtrösten. Zum anderen, wenn es so was wie Liebe ist und man spürt, genau das musst du mit deinen Freunden machen. Oder eben, wenn dich das, was du tust, musikalisch oder auch persönlich weiterbringt. Idealerweise passen alle drei Punkte. Aber zu dem Zeitpunkt, als ich die Bulls verlassen habe, hat keiner der drei Punkte zugetroffen. Es hat mich einfach nicht mehr weitergebracht. Liebe war es auch nicht mehr, und finanziell befand sich das Ganze zudem auf einem anderen Level, als es heute ist. Und 120 Mal im Jahr immer das Gleiche spielen wollte ich nicht mehr.

Zwischenzeitlich hast du ja diverse andere Projekte in Angriff genommen: Rock’n’Roll mit The Lucky Punch, Jazz mit Max Merseny, HipHop mit Blumentopf und Monaco F, Indie-Rock mit Enin. Willst du Kenny Aronoff Konkurrenz machen? Wo fühlst du dich musikalisch so richtig zu Hause?

[lacht] Ja, so im Kleinen will ich Aronoff Konkurrenz machen. Nein, Spaß beiseite, das wäre vermessen. Ich mag gerne viele verschiedene Sachen machen und bin auch musikalisch vielseitig interessiert.

Aber es ist schon so: Ich kann „Bumm-tschak“-orientierte Musik, also Metal, Rock und so weiter, besser umsetzen als ... lass es mich so sagen: Ich bin bestimmt nicht die erste Wahl, wenn jemand einen Drummer für einen Jazz-Act buchen will, aber ich werde auch nicht von der Bühne gestoßen. Aber selbst wenn der Musik-Horizont noch so weit ist, bin ich einfach ein Rock-Schlagzeuger. Das ist meine Heimat, damit bin ich aufgewachsen, damit bin ich groß geworden.

„Kill Your Demons“ ist dein viertes Album mit den Emil Bulls. Hat sich dein Spiel verändert, seit du 2005 deine erste Bulls-Scheibe „The Southern Comfort“ eingespielt hast?

Nein, eigentlich nicht. Es ist grundsätzlich so: Ich spiele immer Melodien. Das Werkzeug beziehungsweise das trommeltechnische „Vokabular“ habe ich ja nicht aufgegeben oder abgelegt. Sicher habe ich in den anderen Projekten nicht den Double-Bass-Einsatz gehabt wie bei den Emil Bulls. So etwas muss man dann eben wieder aufwärmen und üben. Das dauert einfach ein paar Stunden. Da ich, was das spielerische Können angeht, immer den gleichen Anspruch an mich habe, hat sich mein Spiel dahingehend also nicht verändert.

Hört man den typischen Emil-Bulls-Sound, hat man unweigerlich ein monströses Drum-Set mit zwei Bassdrums vor Augen. Allerdings spielst du ja auf einem relativ kleinen Set. Gibt es dafür spezielle Gründe?

Ein Monster-Set vor Augen? Ist das so? Also, das Set hatte ich immer schon so. Das Optische brauche ich nicht. Ich will Druck machen und nach vorne schieben. Ich schreibe mir auf die Fahne, dass ich Druck mache und musikalisch spiele. Ich will rüberkommen. Auf jeden Fall muss das auch visuell transportiert werden. Trotzdem bin ich niemand, der die Stöcke in die Luft wirft oder ein Set mit zwei Bass-Drums und unzähligen Toms dazu braucht.

Hast du nie über ein großes Set als Showteil nachgedacht?

Nein, und interessanterweise findet das in der Band auch keiner wirklich cool. Ich bin niemand, der groß auf Show macht. Es ist tatsächlich eine andere Welt, dieses Dicke-Hose-Schießbuden-Ding. Nur wegen der Optik irgendwas zu machen, ist nicht unser Stil, und meiner ohnehin nicht. Es funktioniert wunderbar, so wie es ist. Bands, bei denen zwei Bassdrums absolut dienlich sind, wenn beispielweise sehr viel und schnell gespielt wird und die Töne der Bassdrums ineinander gehen müssen, gibt es natürlich. Allerdings bin ich ein Kind der 90er, und da gab es solche Riesensets, wie sie die 80er hergaben, eher weniger. In den 90ern hat man sich gegen die 80er gewehrt! [lacht]

Welche Drummer haben dich maßgeblich geprägt?

Das muss man tatsächlich in verschiedene Phasen unterteilen. Meine Schwester hat mich, als ich zehn Jahre alt war, zu einem Konzert von Kool and the Gang mitgenommen, und da war dieser Typ mit diesem riesigen roten Schlagzeug [George Brown – Anmerkung der Redaktion]. Das fand ich total geil! Da kam dann die Erinnerung, dass ich schon als Dreijähriger immer auf Mamas Töpfen rumgeklopft habe, aber meine Eltern haben das Talent damals wohl nicht so recht erkannt. Dieses Konzert war die Initialzündung für mich. Dann kam Guns'n’Roses, die erste Rockband, die ich gehört habe. Matt Sorum ist einfach ein Hammertyp. Eine echte Marke am Schlagzeug. Natürlich fand ich Lars Ulrich damals auch unheimlich cool. Eigentlich fand ich immer die Drummer der Bands cool, die ich aktuell gehört habe. Die Begeisterung für die genannten Drummer hat zum Teil etwas nachgelassen. Von Vinnie Paul [Pantera – Anmerkung der Redaktion] bin ich aber bis heute ein extrem großer Fan, da er in meinen Augen ein außerordentlich musikalischer Schlagzeuger ist und einen wahnsinnigen Druck erzeugen kann. Beides in Verbindung bringt Vinnie rüber wie kein anderer. Ich glaube, so etwas gibt es ganz selten. Vinnie hat das Zeug dazu, einen Groove zu spielen, der an sich schon eine Hook-Line ist. Das ist einzigartig! Also, wenn ich nur einen Drummer nennen dürfte, dann wäre es Vinnie und sein melodisches, druckvolles Spiel.

Gibt es innerhalb der umfangreichen deutschen Drummerszene einen Schlagzeuger, dem du gerne und aufmerksam zuhörst?
Ja, Felix Lehrmann – auch so ein Drummer, der Druck macht. Egal wo du ihn hinsetzt, er klingt einfach immer gut. Ich hab ihn mal in der Muffathalle in München erlebt. Dort mache ich die Produktionsleitung. Lehrmann kam also an – ein kleines Rollköfferchen im Gepäck und ein Paar Stöcke, sonst nichts – und wollte wissen, was wir denn für ein Set für ihn hätten. Das Schlagzeug, das wir ihm stellten, war nun wirklich nix Besonderes und über die Jahre hinweg auch nicht gerade pfleglich behandelt  worden. Aber er – haut da ein paarmal drauf, und es klingt einfach göttlich. Der Typ klingt einfach gut, ist super vielseitig und macht einfach Spaß. Allerdings schau ich mir natürlich auch gerne Drummer wie Benny Greb und Anika Nilles an. Das alles ist für mich inspirierend – ich selbst bin’s leider nicht. [lacht]

Wo hast du Schlagzeugspielen gelernt?

Ich habe in der Schule angefangen und hatte dort verschiedene Lehrer. Irgendwann bin ich dann am Drummers Focus in München gelandet und hatte dort mit Unterbrechung professionellen Unterricht. Mit 18 habe ich meine erste Platte mit Accuracy eingespielt, im legendären Sunlight-Studio in Stockholm. Damals wusste ich aber noch nicht, dass die Profi-Schiene der Weg für mich ist, obwohl ich nichts anderes gemacht habe außer trommeln und Skateboard fahren. Mit Accuracy habe ich damals auch meine erste Tour gespielt, samt Nightliner und allem was dazugehört. Eigentlich hätte ich da schon wissen können: Hey, das ist es! Aber ich habe dann angefangen zu studieren, habe aber, bis meine Magister-Arbeit fertig war, nicht begriffen, dass ich eigentlich nur Schlagzeug spielen sollte. Und weil ich so viel Schlagzeug gespielt habe, hatte ich auch keine Zeit, das Studium zu beenden [lacht], aber das alles ist bis heute kein Problem.

Auf der Bühne steht ein Tama Superstar.  Auch ansonsten sieht man dich praktisch immer hinter einem Tama-Set sitzen. Woher kommt diese Vorliebe?

Tama war für mich von Anfang an wegen meiner ersten Helden schon immer ein Traum. Das Superstar auf der Bühne ist ziemlich neu. Das habe ich seit Anfang 2017. Ich wollte ein Set, das ich verpackt im Übungsraum stehen habe, also ein Drumset ohne Einpackstress. Zum Glück ist es mittlerweile so, dass ich sehr gut mit der Firma Meinl zusammenarbeite und auch recht günstig wegkomme, wenn ich neues Equipment brauche. Für das aktuelle Album habe ich mein Starclassic Maple hergenommen – mein erstes eigenes Set, das man nicht Rumpelkiste nennen konnte [lacht]. Das habe ich mir damals von meinem Zivi-Geld gekauft. Es ist also schon ein paar Jahre alt. Das war noch ein Starclassic mit Sound-Focus-Ringen und dünnen Kesseln. Bei den Aufnahmen haben wir uns große Mühe gegeben, dass alles echt klingt, sprich: wir haben ohne Samples gearbeitet.

Abschließend noch ein paar Worte an Leute, die gerade erst mit dem Drumming begonnen haben …

Trommeln ist das Geilste, was es gibt. So viele Dinge passieren dabei gleichzeitig. du musst dich konzentrieren, du kannst dich ausdrücken und ausleben. Wenn man Schlagzeug spielt, ist der Kopf frei, und nichts anderes findet währenddessen Platz darin, außer den notwendigen Abläufen. Es befreit! Es ist vollständig, es macht dich komplett. Jeder sollte Musik machen!

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