Gretsch Broadkaster: Mythos mit Methode

Im Jahr 1935 verließen die ersten Gretsch Drumsets der Broadkaster-Serie das Werk in Ridgeland, South Carolina. Die Serie wurde bis Ende der 50er-Jahre unter dem Slogan „That Great Gretsch Sound“ in alle Welt verschifft.

Im Jahr 1946 orderte ein gewisser Louis Bellson, der ­gerade taufrischer Endorser für Gretsch-Drums geworden war, ein Set mit zwei Bass-Drums. Für die damalige Zeit kam diese Bestellung einer offenen Revolution gleich. Schon zuvor war Bellson mit der Idee eines Double-Bass-Sets an andere Firmen herangetreten. Doch überall wies man ihn ab und bezeichnete seine Idee als vollkommen verrückt. So stand 1946 also, zum ersten Mal in der Geschichte des modernen Schlagzeugs, ein Double-Bass-Set auf einer Bühne. Und es war ein Gretsch Broadkaster. Auch nach über 70 Jahren ist von diesem Mythos noch allerlei spürbar. 

Das ist die neue Gretsch Broadkaster Serie

Die Kessel der Broadkaster Serie bestehen wie gehabt  aus einer Außen- und Innenlage Ahorn mit einer Schicht Pappel in der Mitte. Sämtliche Kessel kommen auf eine Wandstärke von 6,7 Millimetern. 

Auch an den Lugs hat sich nichts geändert. Bis heute werden solide Heavy-Duty-Lugs eigener Fertigung an die Kessel geschraubt. Nur sind diese nicht mehr mit Filz, sondern mit dünnen Gummistreifen unterlegt. Am Floor-Tom der Gretsch Broadkaster verrichten Diamond-Plate-Floor-Tom-Brackets ihren Dienst; sie sorgen für sicheren Halt der 12,7 Millimeter dicken Beine. 

Etwas schwerer als die Stick-Chopper-Hoops der 50er-Jahre sind die drei Millimeter dicken 302-Spannreifen unseres Test-Instruments. Das Set besteht aus:

  • einer 24 x 14 Bassdrum
  • einem 13 x 9 Rack-Tom
  • einem 16 x 16 Floor-Tom
  • einer 14 x 6  Snare-Drum

Die Snare des Gretsch Broadkaster-Sets ist voll und ganz dem Vintage-Look verpflichtet und unterstreicht das mit ihrer Lightning-Parallel-Abhebung.

Außer auf der Bassdrum die mit Permatone-­Powerstroke-Fellen bestückt ist, werden die Trommeln der Broadcaster-Serie mit Coated-Permatone-Fellen aus dem Hause Remo geliefert. Permatone-Felle entsprechen handelsüblichen Ambassador-Fellen. Sollte also mal eins flöten gehen, findet sich meist im kleinsten Musikladen passender Ersatz.

Gretsch Broadkaster im Test

Dem Mythos Broadkaster verpflichtet, sind sämtliche Trommeln frei von jedweder Beanstandung. Die voll gerundeten Gratungen wurden sauber angebracht und geschliffen.

Die Lackierung sowie der Silver-Sealer, der das Kesselinnere versiegelt, gehen exakt bis zum Ansatz der äußeren beziehungsweise inneren Ahorn-Lage. Die Gummi-­Strips unter den Spannböckchen sind ­extrem dünn geschnitten, so dass man den Eindruck bekommt, die Böckchen säßen direkt am Kessel auf. Ein Gretsch Broadkaster-Auf­kleber ist auf der Innenseite eines jeden Kessels angebracht, inklusive handschriftlich eingetragener Modellnummer sowie der aufgestempelten Seriennummer. 

Der Grundton des 13er Toms ist warm und ausgewogen. Selbst das Attack ist stets voluminös und warm, nie scharf oder höhenlastig. Das Sustain klingt lange und harmonisch nach. Verpasst man der Trommel eine tiefe Stimmung, zeigt sie so richtig, was sie kann. Runde Bässe, singende Tiefmitten und ein kleiner Höhenanteil, der aber erst im ­Sustain zum Tragen kommt, verwöhnen das Ohr. Auch in hohen Stimmungen dominiert der bassige Sound.

Wärme und Bass sind beim 16er Standtom etwas ausgeprägter, was nicht der Tiefe und dem Durchmesser des Kessels geschuldet ist. Der Attack-Moment gestaltet sich überaus präzise und geht schnell über in ein langes Sustain mit deutlichem Tiefbass-­Anteil.

In hohen Stimmlagen tönt dieses Floor-Tom perkussiv und lebendig – fast schon verspielt. Tief gestimmt herrscht ganz klar der Bass: durchsetzungsstark inklusive vieler Klangharmonien.

Viel Ton produziert die 24er Bassdrum des Gretsch Broadkaster-Sets. Ihr Attack ist weich, rund und sorgt für warmes Sustain mit viel Klang. Dieses solide Spielfundament dominiert in allen Stimmlagen. Hoch gestimmt tritt der Bass etwas zurück, und der mächtige Ton wird von Frequenzen aus dem Mitten-Bereich getragen.

Die Snare mit ihren 14 x 6 Zoll kann so ziemlich alles. Stimmt man sie hoch, fleht sie einen geradezu an, dass man sie mit einem Paar feiner Stahlbesen bearbeitet. Dabei generiert sie einen feinen sonoren Sound, der stark an Monoaufnahmen aus den "Golden Days of Jazz" erinnert. Neben diesen weichen Jazzbrush-Tunes bringt sie Rimshots und -klicks ebenso überzeugend rüber wie tiefe Hard-Rock-Stimmlagen. 

Die Gretsch Broadkaster Serie kann ihre Herkunft nicht verleugnen. Alles an ihr verströmt einen betörenden Vintage-Hauch. Geschenkt bekommt man diese edlen Stücke natürlich nicht. Sie haben ihren Preis, und der ist in jeder Hinsicht gerechtfertigt, denn man kauft mit einem Gretsch Broadkaster nicht nur ein ex­quisites Drum-Set, sondern auch ein Stück Musikgeschichte.

Technische Details der Broadkaster Serie im Überblick

  • Hersteller: Gretsch
  • Herkunft: USA
  • Serie: Broadkaster
  • Material: Ahorn, Pappel
  • Bauweise:
    • Schichtbauweise
    • drei Lagen Ahorn, Pappel, Ahorn
  • Kesselstärke: 6,7 mm
  • Gratung:
    • Bassdrum und Toms voll gerundet
    • Snare-Drum: 30 Grad
  • Oberfläche:
    • Satin-Lack
    • Black Gold Duco
  • Kesselhardware:
    • Gretsch Heavy Duty Lugs
    • Diamond Plate Floor Tom Brackets
    • GTS-Tomhalterung
  • Spannreifen:
    • Gretsch 302 Double-Flanged-Hoop (3 mm; Toms & Snare)
    • Maple-Hoop (Bass-Drum)
  • Felle:
    • Gretsch Coated Permatone by Remo (Toms & Snare)
    • Permatone Powerstroke (Bass-Drum)
  • Vertrieb: Gewa

Mehr interessante Testberichte, zum Beispiel zu den Istanbul Agop Signature Rides findet ihr in dieser Ausgabe.