Brann Dailor (Mastodon) im Interview

Das siebte Mastodon-Album „Emperor of Sand“ ist ein Monster aus modernem Progressive- und Sludge-Metal. Aber Schlagzeuger Brann Dailor hat noch andere Stöcke im Feuer. Unter anderem sitzt er hinter dem Schlagzeug einer täglichen NBC-Late-Night-Show.

DH!!: Brann, bist du als Musiker ein bisschen schizophren?
Brann Dailor: [lacht] Wieso?

Weil man sich nur wenige Drummerjobs vorstellen kann, die weiter auseinander liegen als deine beiden – einerseits das virtuose Peitschen bei Mastodon, andererseits das punktgenaue Pausenfüllen mit Welthits als Drummer der Hausband einer TV-Show ...
Ja, das stimmt schon – beides liegt sehr weit auseinander. Aber ich liebe Herausforderungen, und als man mich im vergangenen Herbst fragte, ob ich bei der 8G-Band mal aushelfen will, hatte ich sofort Lust, gerade weil es etwas dermaßen anderes war. Inzwischen ist daraus aber ein regelmäßiger Job geworden – ich harmoniere einfach sehr gut mit den anderen Musikern.

Was ist die größte Herausforderung an diesem musikalischen Spagat?
Rein technisch ist das Drumming bei „Late Night with Seth Meyers“ weitaus weniger herausfordernd als bei Mastodon. Dafür verfügt es über eine andere spannende Aufgabe: Du musst extrem auf den Punkt spielen. Wenn etwa ein Gast auf die Bühne kommt, musst du wissen, ob er zwölf, 15 oder 19 Sekunden bis zu seinem Stuhl benötigt – und dein Spiel entsprechend darauf anpassen. Da kann ein kleines Fill zu viel den gesamten Auftritt und den Start in den Talk zerstören. Zudem macht es Spaß, die Songs, die wir spielen, eben auf diese kurze Sequenz und damit ihre Essenz herunterzubrechen. Gestern etwa hatten wir Gwen Stefani in der Sendung, also war klar, dass wir einen Song von No Doubt zur Eröffnung spielen. Aber welcher eignet sich? Und welche 17 Sekunden aus diesem Song nehmen wir und machen sie zu einem runden Jingle? Das alles ist spannende Arbeit der Verknappung und Komprimierung aufs Wesentliche.

Das sind doch sicher alles so richtige Profi-Mucker in dieser Band – was machst du da als totaler Autodidakt? Funktioniert das?
Das ist ja das Coole an der 8G-Band: Es sind eben nicht die typischen Profi-Mucker, sondern alles Indie-Musiker, die so ähnlich drauf sind wie ich und von denen ich auch einige bereits vorher gut kannte. Darunter sind Mitglieder von Les Savy Fav, der Produzent von „Girls vs. Boys“ – also alles Typen, die bislang in ihrem Leben nur in kleinen Clubs wütenden Indie gespielt haben und jetzt auf glamouröse Hausband machen. Das finde ich spannend.

Wie kam es zu dieser kuriosen Hausband?
Als Seth Meyers das Format von seinem Vorgänger Jimmy Fallon übernahm, verlangte er „eine etwas andere Band“. Und Seth ist nun mal Liebhaber von schräger Indie-Musik, also suchte er sich in New York ein paar Indie-Nerds aus und fragte sie, ob sie Lust hätten auf diesen Job. So kam die Band zustande.

Kommen wir zu Mastodon: Wird es leichter oder schwieriger mit den Jahren, ein weiteres Album aufzunehmen, das die Merkmale von Mastodon in sich trägt und trotzdem ganz neue Facetten zeigt?
Das mit den neuen Facetten ist uns nicht so wichtig. Wir wollen einfach weiter- und ein weiteres gutes Album machen. Mastodon funktionieren bei der Kreation von neuen Songs schon immer ähnlich: Es gibt extrem produktive Phasen und andere, wo uns einfach nichts Gutes einfallen will. Aber das ist okay so, das ist eben das Ringen um die Kunst. Bei „Emperor of Sand“ nun gab es unnötig viele Phasen, in denen ich die Arbeit an der Platte fast gehasst habe, weil es irgendwie nicht voran ging.

Was macht man da?

Es dann eben einfach für eine Weile sein lassen und was anderes machen – und da bin ich dann auch sehr froh um meine täglichen Job bei Seth Meyers. Denn das lenkt mich davon ab, dass es mit Mastodon gerade nicht so recht funktioniert. Aber dann wieder gibt es Phasen, wo die guten Songs einfach nur so aus uns herausbrechen, und wir sind inzwischen ziemlich gut darin, diese Phasen gleich zu Beginn zu erkennen, schnell ein Studio zu buchen und ein paar neue Sachen aufzunehmen. Man braucht eben die Geduld, auf die fruchtbaren Momente zu warten. Früher fiel uns das sehr schwer, inzwischen haben wir genug Routine, um diese schlechten Phasen einfach auszusitzen.

Equipment Brann Dailor (Mastodon)

 

Drums

Tama Starclassic Performer B/B
22 x 18“ Bassdrum
14 x 6“ Starphonic Messing Snare       
10 x 8“, 12 x 9“, 13 x 10“ Toms
16 x 16“ Floortom

Becken

Meinl
14“ Mb20 Heavy Soundwave Hihat
18“ Mb20 Heavy Crash
8“ Classics Medium Bell
20“ Mb20 Heavy Crash
21“ Classcis Custom Ghost Ride

HardwareTama
Speed Cobra (HP910LSW)
Iron Cobra Lever Glide Hi-Hat Stand (HH905)
1st Chair Ergo-Rider Drum Throne (HT730)
FelleEvans  
Bass: EQ3 Clear (Batter), EQ3 Reso Black
Toms: G2 Clear (Batter), G1 Clear (Reso)
Snare: Power Center Snare Batter, 300 Snare Side
StöckeVater 5B

 

 

 

„Emperor of Sand“ ist wieder ein Konzeptalbum, nachdem sich der Vorgänger „The Hunter“ eher als „normale“ Platte darstellte. Müsst ihr nach solchen Konzepten suchen? Oder drängen sie sich förmlich auf?
Nun, zunächst verstehen wir Mastodon in der ganz traditionellen Weise als eine Albumband; Singles interessieren uns nicht. Und da das so ist, liegt es natürlich erst mal nahe, diesen Alben auch jeweils ein Oberthema zu geben, weil es auch inhaltlich und stilistisch einen Rahmen gibt, innerhalb dessen man sich dann künstlerisch bewegt. Dennoch suchen wir nie nach übergeordneten Konzepten, sie kommen zu uns. Bei „Emperor of Sand“ war es nun so, dass während der Arbeit an den neuen Songs einige unserer Freunde schwer erkrankt oder gar gestorben sind. So drängte sich uns das Thema des schleichenden Todes geradezu auf. Allerdings wollten wir dieses Thema eher metaphorisch betrachten, also schufen wir diese Figur des „Emperor of Sand“, der auf der Suche nach lebenserhaltendem Wasser durch die Wüste streift, dabei allerlei mysteriösen Erscheinungen begegnet und sich selbst dabei zusehen muss, wie nach und nach das Leben aus seinem Körper verschwindet – grob gesagt.

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