Jordan Hastings (Billy Talent): Viel Luft zwischen den Schlägen

Schon seit Jahren kämpft Billy Talents Schlag­zeuger Aaron Solowoniuk mit schweren gesundheitlichen Problemen. Für das aktuelle Album und die ­anschließende Tour engagierte die Band ­deshalb Jordan Hastings. Mit ihm sprachen wir über die Probleme eines Aushilfsdrummers und ­darüber, ­warum weniger manchmal mehr ist.

Die Alternative-Rocker Billy Talent gehören mit fast zwei Millionen verkaufter Alben und weit über die Szene hinaus bekannten Hits wie „Red Flag“ oder „Rusted from the Rain“ zu den erfolgreichsten Bands des Genres. Vor über einem Jahrzehnt wurde Aaron Solowoniuk, der Schlagzeuger der Kanadier, mit der Nervenerkrankung Multiple Sklerose diagnostiziert. Kurz vor dem Produktionsstart des aktuellen Albums „Afraid of Heights“ erreichte sein Zustand einen neuen Tiefpunkt, und die Band musste sich nach einem Ersatzmann umsehen. Diesen fand sie in Jordan „Ratbeard“ Hastings, ebenfalls Kanadier und glücklicherweise Schlagzeuger der befreundeten Post-Hardcore-Gruppe Alexisonfire.

DH!!: Jordan, seit einiger Zeit hilfst du bei Billy Talent für den erkrankten Aaron Solowoniuk aus. Wie sind die Jungs auf dich gekommen?
Jordan Hastings: Mit meiner Band Alexisonfire habe ich viele gemeinsame Touren mit Billy Talent bestritten. In dieser Hinsicht standen wir uns schon ziemlich nah. Außerdem kommen wir aus der gleichen Gegend in Kanada. Man könnte sagen, dass wir das Ganze aus dem gleichen Grund machen. Als die Jungs mich also fragten, ob ich mir vorstellen könne, für Aaron einzuspringen, sagte ich natürlich zu. Aber die Entscheidung lag selbstverständlich bei Aaron selbst. So fing alles an. Im Oktober 2015 haben wir mit der Arbeit am neuen Album begonnen. Im Januar 2016 nahmen wir in Toronto in etwa ­zweieinhalb Wochen die Schlagzeugparts auf.

Du hast mal gesagt, dass du versuchst, ­Aarons Stil zu imitieren. Wie hast du das ­angestellt?
Die Jungs hatten die Songs bereits zuvor geschrieben, also habe ich mir eigentlich nur die Demos angehört. Bis auf Kleinigkeiten war alles bereits vorbereitet. Sie haben mir es leicht gemacht.

War Aaron bei den Aufnahmen anwesend?
Ja, er war im Studio dabei. Auch als ich nach den Aufnahmen für die Tour geprobt habe, kam er vorbei und zeigte mir einige Sachen.

Hast du keinen Druck verspürt, es ihm und der Band recht zu machen?

Ich denke nicht. Wir kennen uns schon so lange und haben sehr viel gemeinsam getourt. Er ist für mich wie ein großer Bruder. So funktioniert Musik, wenn du älter wirst: Es gibt einen Songwriter, und der Drummer versucht das zu spielen, was am besten für den Song ist. Was Aaron spielt, ist also das Beste für einen Billy-Talent-Song. Das habe ich so gut reproduziert, wie ich konnte. Die Arbeit war also sehr ungezwungen.

Hat dir deine Arbeit mit Alexisonfire bei Billy Talent geholfen?
In gewissem Maße schon, aber grundsätzlich sind die Bands zwei recht unterschiedliche Paar Stiefel. Die Schlagzeugparts bei Alexisonfire sind überaus präsent, da passiert richtig viel. Im Gegensatz dazu ist Billy Talent spürbar gerade und tight. Der Rhythmus orientiert sich stark an Gitarre und Bass. Die beiden Bands haben allerdings die gleiche Arbeitsmoral, daher wusste ich schnell, wo mein Platz bei Billy Talent ist. 

Billy Talent – Afraid Of Heights

Hattest du mit dem Billy-Talent-Drumming anfangs Probleme?
Sicherlich sind einige Parts komplizierter. In der Welt von Billy Talent ist weniger sehr oft mehr. Zwischen den Schlägen ist oft viel Luft. Wenn man nicht jeden einzelnen Offbeat füllen kann, muss man sich mehr auf sein Timing konzentrieren.

Eure Zusammenarbeit dauert inzwischen länger an als eigentlich geplant …

Ursprünglich sollte ich nur die Aufnahmen übernehmen. Aber Aaron brauchte danach noch etwas länger, um wieder auf die Beine zu kommen. Daher fragten mich die anderen, ob ich nicht für eine Weile einspringen könne. Ich habe ihn vor einiger Zeit gesehen. Er geht zur Reha und sieht wirklich gut aus. Hoffentlich ist er bald zurück.

Equipment Jordan Hastings (Billy Talent)

DrumsYamaha Absolute Maple (Custom-Wrap)
24 x 16“ Bassdrum
12 x 9“ Racktom
16 x 15“, 18 x 16“ Floortom
14 x 5,5“ Roy Haynes Signature Snare
BeckenSabian
14“ Stage Hats
22“ Paragon Ride
18“, 20“ AAX X-Plosion Crash
19“ AA Metal Crash
FelleRemo
DrumsticksPromark 5B (Signature-Modell)

Wie lange konntest du dich auf die Tour vorbereiten?
Kurz nachdem das Album fertig war, war klar, dass ich auch die Tour mitmachen würde. Daher fingen Jonathan [Gallant, Bassist] und ich sehr pünktlich mit den Proben an.

Kam es nicht zu Terminkonflikten mit Alexisonfire?
Zum Glück haben die beiden Bands dieselbe Booking-Agentur. Das erleichtert die Angelegenheit. Bisher hatten wir terminlich noch keine Schwierigkeiten, toi toi toi ….

Den vollständigen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 3/17.