Interview Shannon Leto (30 Seconds to Mars) (Archiv)

30 Seconds To Mars ist vor allem das Projekt zweier Brüder: dem als Schauspieler bekannten Jared Leto als Sänger und seinem älteren Bruder Shannon Leto am Schlagzeug, Spitzname: „Shanimal“. Vor einem „30 Seconds To Mars"-Konzert erzählte er uns im Interview, worauf es ihm – nicht nur beim Trommeln – ankommt.

DH!!: Shannon, wenn du spielst, worauf konzentrierst du dich beim Trommeln am meisten?
Shannon Leto: Die Seele des Songs zu treffen. Den Song zu fühlen, um dann darin meinen Platz zu finden. Das hängt immer ein bisschen davon ab, vom Song und wie der anfängt, zum Beispiel. Was der Herzschlag ist. Das richtig zu erwischen, ist mein Fokus.  

Das klingt überaus musikalisch gedacht. Welches Ziel verfolgst du denn als Musiker?
Mein oberstes Ziel ist es, immer bei der Wahrheit zu bleiben, egal ob in meinem Leben oder in meinem Schlagzeugspiel. Ich will einfach ich sein und vor allem, zeigen wer ich bin. Auch an den Drums ...


Du spielst auch Gitarre. Hattest du mal Unterricht?
Nein, weder beim Schlagzeug, noch bei der Gitarre. Ich bin Autodidakt. Ich mag keine Schule...

Was magst du denn dann?
Ich mag elektronische Musik, das mache ich nebenher ein bisschen, so als Side-Project.

Wie das? Spielst du da E-Drums?
Ja, ich spiele oft E-Drums. Ich mag den Sound. Ich hab E-Drums auch auf dem letzten 30 Seconds To Mars Album eingesetzt. Ich finde, es hat dadurch einen fetteren Klang. Ich finde, es wird interessant, wenn du den E-Drum-Sound mit dem akustischen mischst, wie ich das auch mache. Das klingt super.

Das machst Du auch live, oder? In deinem Live-Setup hast du ja auch nicht wenig Elektronik...
Ja, ich habe acht Pads in mein Setup integriert, inklusive eines E-Kickdrum-Pads.

Mit der Band 30 Seconds To Mars seid ihr personell gewachsen – vom Trio zu jetzt fünf Musikern auf der Bühne. Wie kam’s? 
Früher waren es nur mein Bruder, ich und der Bassist. Aber die Musik rief einfach nach mehr Leuten. Wir wollten mehr machen. Und mit drei Leuten kann man nicht soviel machen, also haben wir noch wen dazu genommen.

Hast du eigentlich einen Lieblingssong bei 30 Seconds To Mars?
Es gibt einige, die ich sehr gern spiele. Auf dem aktuellen Album ist es vielleicht der Song „Night Of The Hunter“. Der Drumsound dort gefällt mir. Ich habe zehn Tage gebraucht, um den hinzukriegen. Ich habe eine Menge Zeit und Energie da reingesteckt. Dieser Song ist wirklich sexy und expressiv und es macht wirklich Spaß, ihn zu spielen.


Hast du auch irgendwelche Lieblingslicks oder -fills?
Im Grunde genommen gefällt mir eigentlich alles, was ich mache. Bei dem Song „This Is War“ mag ich bei­spielsweise dieses kleine simple Fill, dass ich da spiele. Dass, was direkt vor dem letzten Chorus kommt, in der Bridge (siehe Groove-Kasten Seite 45). Das ist einfach, aber es sticht vollkommen heraus. Da ist auch ein Fill im Song „Vox Populi“, das in den letzten Chorus überleitet, ins Half­time-Feel danach. Der schaukelt das Ganze hoch, bis es sich im Halftime auflöst. Das finde ich auch sehr, sehr cool.


Auf Wikipedia habe ich gelesen ...
Glaub Wikipedia blos nicht. Wikipedia lügt!

Jedenfalls hieß es da, euer Leitspruch als Band sei „provehito in altum“ („Spring vorwärts ins Unbekannte“, Anm. d. Autorin)... kannst du das mal erklären?

Es heißt: Geh‘ ein Risiko ein. Denke außerhalb des abgesteckten Rahmens. Mach‘ es anders! Beweg‘ dich vorwärts!

Shannon Letos Equipment (2010)

Drums

Sonor        
8 x 8“, 10 x 8“, 12 x 8“, 14 x 8“ Tom;
18 x 16“, 16 x 16“ Floortom;
20“ x 20“ Bassdrum               
14 x 5.5“ Brass Artist Snaredrum   
13 x 5.5“ Maple Artist Snaredrum

BeckenSabian                    
14“ AA Rock Hats               
10“ AAX Splash, 19“ AAXplosion Crash, 20“ AAX Stage Crash 21“ HHX Raw Bell Ride 
19“ AAXTREME Chinese              
14“ AAX Mini China

FelleRemo
Clear Pinstripe (Toms), Clear Powersonic (Bassdrum), Emperor X (Snare), Remo Controlled Sound Snare head, DW Custom Built Rack, DW 8000 Einzel- und Doppelfußmaschine

ElektronikRoland PD-8 Trigger Pads, KD-7 Kick Trigger Pad, TD-12 Drum Brain Butt Kicker System

Und was heißt das für dich? Wie und vorallem wohin bewegst du dich als Drummer vorwärts?
Ich weiß nicht, das kannst du ja nicht wissen, das liegt in der Zukunft. Ich bin mir nicht sicher, was passieren wird.

Auch nicht, ob die Reise eher Richtung E-Drums geht, oder doch akustisch?

Ich habe für mein erstes Album mit Beidem angefangen, mal sehen...

Hast du einen Erfolgs-Tipp für junge Drummer, die auch irgendwann bei Rock am Ring spielen wollen?

Erfolg ist eine Einstellungssache. Es ist die Fähigkeit, dich auszudrücken ohne irgendwelche Einschränkungen. Dass du wirklich deine Stimme durch die Drums sprechen lassen kannst. Erfolg hat nicht damit zu tun, wie viele Alben du gemacht hast oder wie viel Geld du verdienst... zumindest für mich nicht. Wir haben als Band 1999 unseren Plattenvertrag unterschrieben, das ist lange her. Erfolg ist für mich, immer noch mit dabei zu sein. Klar ist es auch eine tolle Sache und eine Errungenschaft, vor einer ausverkauften Arena zu spielen, und du hast das Gefühl, die Leute haben deine Musik verinnerlicht. Und nun sind sie zu deiner Show gekommen, um ihre Erfahrungen mit dir zu tauschen und umgekehrt. Das ist schon sehr cool, weißt du... Echt sehr cool! Das ist irgendwie magisch – etwas, was aus deinem Herzen, deiner Seele kommt, Du spielst... jemand hört dir dann zu... das ist doch abgefahren, wirklich!

Kann ich bestätigen. Und dein Spitzname „Shanimal“, woher kommt der eigentlich? Hat dein Bruder dir den verpasst?
Nein, die Fans. Ich denke, der kommt daher, dass ich so abgehe beim Spielen. Ich bin dabei ziemlich expressiv, was für einige Leute vielleicht sehr wild aussieht.

Hast Du als Drummer auch mal was richtig Peinliches erlebt? Etwas, was richtig in die Hose ging?
 Oh ja. Als 12-jähriger spielte ich in einer Jazz Big Band. Ich machte da einfach mit und wir tourten rum und das fand ich cool und wollte beim nächsten Mal wieder dabei sein. Als ich wieder hinging, gab es einen neuen Leiter und der gab mir plötzlich Noten. Davor musste ich nicht vom Blatt spielen können, aber dieses Mal standen da der Leiter und die anderen und sagten: ‚So, hier, nun spiel’ mal!’ – und mir brach der kalte Schweiß aus. Ich setzte mich ans Schlagzeug, schluckte und sollte dann den Song spielen. Es war „Owner Of A Lonely Heart“ von Yes. Den kannte ich aus dem Radio. Also versuchte ich, es aus dem Gedächtnis zu spielen. Aber ich hab so richtig abgeloost: der Leiter guckte mich die ganze Zeit über nur entgeistert an – (lacht) und am Ende haben sie mich natürlich nicht genommen.