Masterclass Thomas Lang

Der Österreicher Thomas Lang gehört zu den gefragtesten Schlagzeugern weltweit. Als Clinician hält er den Rekord mit den meisten Clinics in einem Jahr (2004 circa 220 in 48 Ländern). Er versammelt Schlag­zeuger in eigens entwickelten Drumming-Bootcamps, sammelt haufenweise Preise und betreibt ganz ­nebenbei noch ein erfolgreiches Studio.

Schon im Alter von fünf Jahren zieht es den gebürtigen Stockerauer ans Schlagzeug. Mit starker Unterstützung seiner Eltern bekommt Lang Schlagzeug­unterricht. Sein Lehrer zeigt dem fleißigen Schüler zunächst, wie er sich die Art des richtigen Übens aneignet, erst später folgen ­klassische Snare- und Drum-Lektionen. Schon als Jugendlicher lernt er aufgrund ­seines Ausnahmetalents am Wiener Konservatorium; häufig auch zusammen mit deutlich älteren Studenten. 

Gleich nach Abschluss seines Studiums erlebt er den Durchbruch in der Musik­branche als Schlagzeuger des österreichischen Mega-Acts Falco mit gerade mal Anfang 20. Zusammen mit Falco tourt Thomas durch die ganze Welt und erarbeitet sich ein großes ­Musikernetzwerk in den Musikballungs­zentren wie England oder den USA.
Auch als Songwriter ist der Österreicher für Falco aktiv. Während die meisten Musiker der Band ein ausladendes Partyleben führen, steht die Weiterentwicklung am Schlagzeug für den Ausnahmedrummer an erster Stelle. Thomas Lang übt täglich mehrere Stunden auf Tour neben Soundcheck und Show.

Nach dem tragischen Tod Falcos spielt er als Sideman von Glenn Hughes, Robbie ­Williams, Tina Turner, Kelly Clarkson, Ronan Keating und den Sugarbabes.
Doch das allein befriedigt den talentierten Schlagzeuger musikalisch und beruflich nicht mehr voll und ganz. Thomas Lang entschließt sich, seine erste Solo-CD „Mediator“ zu veröffentlichen. Sie ist im Fusion-­Bereich mit starken Elementen aus Progressive-­Rock, Pop und Jazz angesiedelt.

Thomas Langs einfallsreiche Synkopen

Der Song „The Loneliest Monk“ (Beispiel 1) verdeutlicht Thomas' facettenreiches Spiel und Songwriting. Zu seinen Trademarks gehört, Riffs und Grooves an bekannte Song-Originale anzulehnen, diese jedoch musikalisch durch sein Ausnahmedrumming in ganz andere musikalische Sphären zu bewegen.
Typisch für sein Spiel sind kraftvolle Double­bass-Passagen, die einfallsreich synkopiert daherkommen und nicht etwa einfach nur möglichst schnelle Singles sind, wie zu dieser Zeit im Metal-Genre üblich.
In Minute 4:17 spielt Thomas Lang einen Five-Stroke-Roll auf den Bassdrums, der mit einem starken Up-Tempo-Backbeat geführt wird. Der Groove bekommt durch die Doublebassdrum einen treibenden Charakter, wirkt aber trotzdem eher geschmackvoll Fusion-­orientiert als stumpf Metal-mäßig. Abschließend endet die Passage mit ­kontrolliert alternierenden Singles zwischen Händen und Füßen.
Übt diese in zwei Bereiche aufteilbare Passage zunächst separat und unbedingt zum Klick.

Gewöhnt euch in Thoms Langs Manier an, ­komplexe Parts in einfache Bausteine aufzuteilen, und übt diese besonders lang andauernd. Eines seiner wichtigsten Statements zum Thema Üben ist, einfache Übungen und Rudiments mindestens 20 bis 60 Minuten zu wiederholen, um maximale muscle memory zu erlangen.

Bis 2010 ist Thomas Sonor-Endorser. Sein Drumkit zu dieser Zeit besteht zumeist aus

  • zwei 22“-Bassdrums
  • 8“-, 10“- und 12“-Racktoms in klassischer Position über den Bassdrums
  • 14“ und 16“ Rack- oder Floortoms zu seiner Rechten
  • einer 14“-Haupt-Snaredrum
  • zu seiner Linken: entweder eine 12“-Side-Snare oder ein 13“-Racktom

Bis etwa 2000 spielt der Schlagzeuger Zildjian-Becken mit

  • einer 14“-Haupt-Hi-Hat mit Pedal
  • einer 13“-Closed-Hi-Hat zu seiner Rechten über den Floortoms
  • zwei Crashes links und rechts vor ihm
  • einem 10“-Splash-Becken unterhalb der Crashes
  • einem 20“-Ride zu seiner Rechten und ganz links
  • ganz rechts jeweils ein 14“- und 16“-China

Seine Pedale sind hier DW-5000er, Vater-Sticks, meist in 2B-Stärke, sowie Remo-Clear-Felle, bis auf die Snaredrums.

Der Drum-Sound auf seinem Soloalbum ist dank seines kraftvollen Spiels mit dicken Sticks recht attackreich. Gleichzeitig klingen die Toms angenehm warm und aufgrund der Dämpfung und harmonischen Abstimmung von Reso- und Schlagfell vor allem fett.

Das ultimative Schlagzeug

Zeitnah zur Soloplatte erscheint seine erste Schlagzeug-VHS „Ultimatives Schlagzeug“.
Ein sehr interessantes Übungskonzept ist das Überlagern verschiedener rhythmischer Figuren mit allen vier Gliedmaßen. Getreu dem Motto „Warum nur mit den Händen üben, wenn man auch mit den Füßen üben kann?“ versucht Thomas Lang seine Übungen immer möglichst effizient und intensiv zu gestalten. In einem Interview verrät der Schlagzeuger, dass er lieber vier Stunden am Stück intensiv und fokussiert übt, als acht Stunden mit unkonzentrierter Attitüde.

In Beispiel 2a und 2b überlagert sich ein 4/16-­Sticking viermal permutiert, bei dem drei Schläge mit einem Gliedmaß gespielt werden, und die vierte Sechzehntel ist eine Pause. Jedes Gliedmaß beginnt zu einem anderen Zeitpunkt im 16tel-Noten­raster.
Arbeitet an dieser Übung sehr langsam und beginnt mit zwei Gliedmaßen. Im Verlauf könnt ihr die nächsten beiden dazunehmen. Nutzt diese Strategie für andere Stickings, die ihr mit allen vier Gliedmaßen können wollt.

Thomas Langs kreative Kontrolle

Thomas wechselt Anfang des neuen Jahr­tausends zu Meinl und Vic Firth. Seine Solo-Drumming-Karriere nimmt nun nochmal gewaltig Fahrt auf. Sein Drumkit wird etwas schnittiger. Er spielt nur noch eine 22“-Bassdrum, zwei Racktoms in 10“ und 12“ sowie zwei Floortoms in 16“ und 18“. Zudem wird seine legendäre Signature-Becken-Serie „Tom's Becken“ im Zuge der Generation-X-Serie von Meinl auf den Markt gebracht.
Sein schier unglaubliches Solo-Drumming und seine Unabhängigkeit kennen nun nahezu keine Grenzen mehr, sein Doublebass-Spiel ist revolutionär. Der Schlagzeuger kultiviert einen eigenen Spielstil mit einem Mix aus Heel-down- und Heel-up-Technik.

Sämtliche Rudiments, die die meisten Drummer zu dieser Zeit nur mit den Händen üben, spielt er mühelos mit den Füßen. Seine Heel-down-Technik nutzt er für leisere Schläge, Heel-up für lautere. Alle Bassdrumfiguren übt er stets mit beiden Techniken, um die Muskulatur für die Fußtechnik in den Beinen zu trainieren. Um möglichst dynamisch auf der Bassdrum zu spielen, werden Akzente mit der Ferse oben und leise Schläge mit der Ferse unten gespielt. So kann Lang sämtliche Rudiments dynamisch auf der Bassdrum umsetzen.

Im Zuge der Veröffentlichungen seines DVD-Schlagers „Creative Control“ 2004 trommelt sich Thomas Lang an die Spitze der Ausnahmedrummer. Seine Drumsoli bei Clinics sind legendär, in denen er die Leute bis zu 60 Minuten mit ultra-kraftvollem Drumming unterhält. Er wird häufig als der neue Buddy Rich bezeichnet, da er hohes Spielniveau mit Entertainment durch Sticktricks kombiniert und die Zuschauer häufig kopfschüttelnd nach Hause entlässt.

2006 bringt der Österreicher eine weitere DVD namens „Creative Coordination“ heraus. Beide DVDs avancieren zu Bestsellern. Gleichzeitig veröffentlicht er Transkriptionen und Play-Along-Tracks, die ihn von seiner Metal-Seite zeigen.
Der Song „Nautilus“ (Beispiel 3) demonstriert, wie er seine dynamische Fußtechnik in Grooves anwendet. Der Groove basiert auf treibenden Synkopen in Sechzehnteln.
Die Hände spielen einen einfachen starken Backbeat. Zudem schiebt Thomas den Groove noch weiter an: durch einen Five-Stroke-Roll in 32-teln auf den letzten 16-teln.
Dieser Roll wird mit der Ferse unten gespielt, die Sechzehntel-Synkopen mit der Ferse oben.
Mit seiner Band stOrk greift Thomas Lang den Song „Nautilus“ erneut in einer härteren Version nochmals auf.

Multi-Pedal-Approach: Spiel das Unspielbare

Unter dem Motto play the unplayable unterstreicht Thomas seinen bis dato einzigarten Multi-Pedal-Approach.
Der Drummer spielt Rudiments mit den Füßen nicht nur auf den Bassdrums, sondern auf zwei Pedal-Hi-Hats links und rechts, aber auch auf Pedal-Snares, Percussion und weiteren Bassdrums. Bis zu zehn Pedale spielt der Musiker mit verschiedenen Instrumenten und orchestriert einfache Rudiments auf komplexe Art und Weise mit den Füßen. Als wäre das nicht schon Herausforderung genug, überlagert er diese Ostinati mit Handstickings, die er auf den übrigen Trommeln spielt.
Dadurch entstehen extreme Koordinations­herausforderungen, die sein Spiel aus­zeichnen und es besonders machen.

Für alle unter euch, die nicht so viele Pedale am Drumkit haben, hier eine Übung, (Beispiel 4a und 4b) die auch an einem herkömmlichen Doublebass-Drumkit möglich ist:
Spielt den Inverted Paradiddle nicht nur auf den Bassdrums, sondern wechselt mit eurem Hi-Hat-Pedalfuß zwischen Bassdrum und Hi-Hat hin und her. Der Zyklus verlängert sich so um das Doppelte, und eure Fußtechnik wird von den unterschiedlichen Oberflächen (Becken und Bassdrumfell) profitieren. Denn auch mit den Händen trainieren Schlagzeuger immer wieder ihre Technik auf verschiedenen Instrumenten wie Snares, Rack- und Floortoms. Warum also nicht auch auf Bass-Drum und Hi-Hat?

Powern mit Paul Gilbert

2010 wechselt der mittlerweile in L.A. lebende Musiker zu DW Drums. Schon lange ist er mit den großen Studios und Musikern Kaliforniens beruflich fest verbunden. Durch Auftritte im Drum-Channel Drumeo oder Schlagzeug-Tourneen mit renommierten Kollegen wie Youtube-Star Luke Holland oder Tony Royster jr. wird Lang ein immer bekannterer und einflussreicherer Musiker. Zu seinen Drum-Buddys zählen auch seine Quasi-Nachbarn Luis Conté, Gregg Bissonette, Stewart Copeland und Chad Smith, mit denen er gemeinsame Projekte und Workshops wie sein eigenes Festival „Big Drum Bonanza“ in L.A. veranstaltet.

2013 wirkt er auf dem Album „Vibrato“ von Gitarren-Ikone Paul Gilbert sowie der damit einhergehenden Welt-Tour mit. Thomas Lang zeigt hier seine groovige Seite an den Drums. Obwohl es zahllose Passagen für komplexes Drumming auf dieser exzellenten Scheibe gibt, wird jeder Song mit fetten und geschmackvollen Grooves versehen.
Der Song „Enemies (in Jail)“ ist im Mittelteil ab circa Minute 2:54 im 3/4-Takt (Beispiel 5). Der Groove wird besonders gekennzeichnet durch den Einsatz der subtil ge­spielten Ghostnotes.
Hi-Hat, Bassdrum und Snaredrum-Backbeats kommen knackig und geradlinig daher. Durch die kleinen Ghostnotes und vor allem den einseitigen Pressroll wirkt der Groove entspannt und angenehm rollend.eim Nachspielen dieses Grooves solltet ihr auf die interne Dynamik der einzelnen Komponenten achten. Die Schwierigkeit liegt im Detail und der Lockerheit beim Spielen.

Thomas Langs Drumming-Bootcamp

Wer Thomas' Spiel genau studieren will, hat die Möglichkeit, per Online-Schulung auf seiner Seite "Thomas Lang's Drum Universe" Hunderte von Übungen gegen eine Gebühr ganz einfach zu streamen. Hier gibt es tonnenweise Unterrichtsmaterial für Profis und ambitionierte Anfänger.

Der Schlagzeuger organisiert außerdem immer wieder seine legendären Drumming-Bootcamps, auch in Deutschland. Hier könnt ihr mit dem Trommelmeister zusammen mehrere Tage stundenlang üben und seine Konzepte verstehen lernen. In Deutschland ließen sich schon illustre Gäste wie ­Bertram Engel vom Panik-Orchester oder Christoph Schneider von Rammstein eine Lektion erteilen.