Mike Mangini im Drummer-Olymp

Wer bei Dream Theater als Drummer spielen will, muss was auf dem Kasten haben. Wer bei Dream Theater auf Dauer bleiben will, muss ein Ausnahmetalent sein. Wer bei Dream Theater als Drummer mit fürs Songwriting verantwortlich sein will, muss ein Genie sein. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der all das vereint.

DH: Mike, was ist deine erste Erinnerung, in der ein Schlagzeug vorkommt?

Mangini: Meine erste Erinnerung ist, wie ich über den Boden krabble, hin zum Schallplattenregal meiner Eltern, Platten rausziehe und mir die Cover und die Booklets anschaue. Dass ich dabei etwas kaputt gemacht habe, kann sein, daran wiederum erinnere ich mich nicht mehr (lacht). Dann sehe ich mich, wie ich Kaffeebüchsen, Thunfischdosen etc. aus der Küche hole und so aufstelle wie das Drum-Set von Ringo Starr. Da war ich etwa drei Jahre alt.  

Hättest du dir damals träumen lassen, ein Profi-Drummer zu werden oder mit einigen der größten Musiker unserer Zeit zusammenzuspielen?

Ja! Für mich war immer klar, dass ich Drummer werden will und ich habe alles dafür getan. Dass ich jedoch so viel erreichen würde, konnte ich nicht ahnen, auch wenn ich davon geträumt habe.

Drummer bei Dream Theater zu sein, würde für die meisten Schlagzeuger bedeuten, dass sie den "Drum-Olymp" erklommen haben. Wohin, denkst du, führt dich dein kreatives und technisch extrem anspruchsvolles Spiel?

Spannende Frage. Mich hat das dahin geführt, Musik zu schreiben, die weitaus weniger komplex ist als die von Dream Theater. Für das aktuelle Album habe ich Einiges beigesteuert und dabei erkannt, dass mir viele Ideen kommen, die aber nicht zu der Band passen. Also habe ich mich auf eine Tugend der Dream-Theater-Jungs besonnen, die alle irgendwann einmal ein Solo-Side-Project starteten. Im Endeffekt hat mich das Ganze dazu gebracht, Songs mit einem durchgehenden Vier-Viertel-Takt zu schreiben (lacht). Auf der anderen Seite versuche ich, immer komplexere Patterns zu spielen, die ungebremst in den Sound von Dream Theater einfließen. Zum Beispiel bei "Outcry", ein Song, der weitaus technischer ist, als es beim ersten Hören den Anschein macht. Ich musste zu einem komplett anderen Timecode spielen, als der Takt es vorgab. Das hat mich schon ziemlich herausgefordert. Ebenso wie "Pale Blue Dot" auf unserem neuen Album. Das ist auch so eine verrückte Nummer.

Das aktuelle Dream-Theater-Album Distance Over Time ist der vierte Longplayer, den du eingetrommelt hast. Rückblickend: Welches Album hat dich am meisten gefordert?

Von dem Zeitpunkt an als ich bei Dream Theater eingestiegen bin, war ich ein gleichberechtigtes und vollwertiges Bandmitglied. Distance Over Time ist aber das erste Album, bei dem ich mich ins Songwriting eingebrachte. Insofern habe ich mich zuvor nicht komplett ausgelebt. Dieser Unterschied macht das aktuelle Album, zu dem Album, welches mich am meisten gefordert hat.

Distance Over Time ist ein sehr typisches und gleichzeitig untypisches Dream-Theater-Album. Typisch, weil es die unverkennbar progressive Handschrift der Band trägt, und untypisch, da es zwischen all den Prog-Parts auch viel Erdig-Rockiges, wie zum Beispiel den Song "Viper King", zu hören gibt. Wie kam es dazu?

Das liegt wohl an meinem Einfluss (lacht). "Viper King" zum Beispiel: Da habe ich mich stark von Van Halen inspirieren lassen und das ist etwas, was die Band in all den Jahren, in über 200 Songs, nie gemacht hat. Es ist aber auch so, dass solche Songs keine Klone sind. Wir ändern unseren Stil nicht, wenn wir Shuffle oder Boogie spielen. Wir packen natürlich den „Progressive-Anteil“ in solche Lieder mit hinein, das merkt man an den Breaks. Anders gesagt: Eine Band, die normalerweise Boogie, Shuffle-Style oder Ähnliches spielt, würde nie diese komplexen Parts einbauen, wie es bei Dream Theater üblich ist. Genau das ist mein Einfluss, den ich auf Distance Over Time ausgeübt habe.

Das komplette Interview mit Mike Mangini gibt es hier.