Special: Das Tier „Animal" – Schlagzeug-Monster ganz zahm

Das Tier, bekannt als Schlagzeuger der Muppet-Show, gewährte DrumHeads!! ein wirklich außergewöhnliches Interview. Dazu gibt es eine Analyse des berühmten Drumbattles zwischen Das Tier und Buddy Rich sowie die Story von Ronnie Verell, dem Schlagzeuger hinter das Tier.


Steckbrief Das Tier (Muppet Show)

Geboren amTagesanbruch
Geboren imTourbus
Lebt imTourbus
Erstes DrumkitMülltonne
Erste BandElectric Mayhem (Muppet-Show)
Erster Gigauf einem Rastplatz 25 Meilen vor Woodstock
HeroesKeith Moon, John Bonham, Gene Krupa, Buddy Rich
HobbysFrauen! Essen! Rock & Roll!
Websitewww.disney.de/muppets

DrumHeads!!: Tier, stört dich die Kette um deinen Hals nicht beim Spielen?
Das Tier: („singt“ animalisch) „Chain, Chain, Chain“! (zu deutsch: „Kette, Kette, Kette“; das Interview fand auf Englisch statt, Anm. d. Autors)
Floyd Pepper: .... „Chain of Fools“ Das ist richtig, Tier, gesungen von der großen Aretha Franklin! Aber ich glaube nicht, dass es das ist, was gefragt wurde.
Das Tier: Aretha? Nein?
Floyd: Die Frage war, ob dich die Kette um den Hals stört, wenn du an den Drums sitzt?
Das Tier: Drums! Kette! Drums! Kette!
Floyd: Seine Ketten eignen sich hervorragend zum Schlagzeugspielen, obwohl sie ein wenig Schaden am Instrument anrichten.

Ist die Kette noch nötig? Es hieß, du habest dich einer Art Anti-Aggressions-Kurs unterzogen?
Das Tier: Film! Film!
Floyd: Eigentlich war der Aggressions-Mana­gement-Deal sich nur für den Film „Die Muppets". Im wirklichen Leben ist das Tier total cool. Er trägt nur die Kette eigentlich nur, damit er nicht aus Versehen auf Wanderschaft geht. Das Tier ist nämlich ein Wanderer.
Das Tier: Dion! Dion!
Floyd: Das ist richtig, Tier – „The Wanderer“, ein Song von Dion and the Belmonts. Man vermutet es gar nicht, aber das Tier ist eine wandelnde und singende Rock’n’Roll-Enzyklopädie.

 
 

Floyd, gehst du mit dem Tier an der Kette auch manchmal Gassi? Und wie schaffst du es eigentlich, es zu verstehen und zu übersetzen?
Floyd: Zuerst mal: Das Tier und ich gehen nicht so viel spazieren, weißt du. Wir neigen eher dazu, per Tourbus die Gegend zu erkunden, aber zu Fuß laufen ist einfach nicht unser Ding. Was das Verstehen vom Tier angeht – das ist einfach: Du musst nur genau hinhören, was es sagt, und dann erschließt sich der Subtext zwischen den Zeilen quasi von selber. (Zum Tier) In der Regel liege ich mit meinen Übersetzungen richtig, oder, Tier?
Das Tier: Häh?

Tier, du musst ohne Daumen an deinen Händen auskommen. Ich denke, für die Stockkontrolle beim Spielen erfordert das eine hoch entwickelte Finger-Technik? Oder wie machst du das? Ich hörte, Phil Collins hat ein ähnliches Problem, weshalb er sich den Stock mit Klebeband an die Hand klebt.

Das Tier: Daumen?
Floyd: Dem Tier ist noch nie aufgefallen, dass es keine Daumen hat. Danke für die Info.
Das Tier: Klebe-Finger!
Floyd: Ersteinmal zur Stockkontrolle: Das Tier steicht sich vor jedem Gig die Hände mit Ahornsirup ein. Damit bleiben Drumsticks ganz gut in den Händen. Und es ist außerdem sehr lecker, es nach dem Spielen abzuschlecken.

Im Fernsehen sieht man deine Füße nie. Aber mit 4-way-independence und Fuß-Technik be­schäf­tigst du dich als ehrgeiziger Drummer doch sicher?
Das Tier: Klebe-Fuß!
Floyd: Ahornsirup auch an den Füßen. Funktioniert für die Pedaltechnik super – macht allerdings weniger Spaß, es nachher abzuschlecken.

Im Muppet-Film spielst du auch andere Instrumente – Triangel zum Beispiel.
Das Tier:  Grö-ßer! Lau-ter!  
Floyd: Das Tier wollte eine größere Triangel, oder zumindest so eine, die sich an ein paar Verstärker und Lautsprecher anschließen lässt. Es ist ziemlich schwierig, aus einer akustischen Triangel einen Sound herauszukitzeln, mit dem du die Türen aus den Angeln heben kannst.

Dieses Promo-Foto von dir beim Meditieren – ist das ein Promo-Gag? Machst du das wirklich ernsthaft? Falls ja: Heißt das, du wirst als Drummer nicht durch Üben besser – sondern durch Meditieren?

Das Tier: Ommmmmmmmmmmmmm!
Floyd: Das ist keine Promo, das ist das wahre Leben. Das Tier ist auf dem Weg dahin, sein eigenes Zentrum zu finden und mit seinem tiefsten Inneren in Verbindung zu treten – was auch immer es da findet. Aber das Meditieren nimmt es wirklich sehr ernst ...
Das Tier: Bang! Bang!
Floyd: ... aber natürlich ist es fürs Üben kein echter Ersatz. Es hilft dir aber dabei, eins mit deinem Instrument zu werden ... vor allem, wenn du hart genug draufhaust!

Im Trailer zum Muppet-Film betont Kermit, dass es den Muppets allein um künstlerische Seriosität geht. Mir kam zu Ohren, dass du vom Schlagzeug zur Flöte gewechselt bist. Also ist es dir ernst damit?

Das Tier: Spie-len! Spie-len!
Floyd: Ach was, das ist nur gespielt, nur für den Film „Die Muppets". Das Tier würde das Trommeln für nichts und niemand enin der Welt aufgeben. Er schielt nur auf die Oscar-Verleihung, wenn die Preise für die beste darstellerische Leis­tung vergeben werden. Stell dir vor, was für ein schauspielerisches Glanzstück dem Tier damit gelungen ist, glaubhaft zu machen, es wolle nie wieder Schlagzeug spielen ...
Das Tier: Nie!
Floyd: Gott bewahre! Nein, wirklich ...  

Wie war es, die Drumbattle gegen den großen Buddy Rich zu spielen? Und siehst du dich selbst als Gewinner der Battle? In gewisser Weise hattest du dort ja das letzte Wort ...
Das Tier: Bud-dy! Bud-dy!
Floyd: Buddy Rich ist der absolute Hero vom Tier – nicht nur für seinen kompromisslosen „hau-drauf-dass-es-wehtut“-Stil ... sondern einfach, weil Buddy der coolste Drummer aller Zeiten ist.
Das Tier: Hut! Hut!
Floyd: Bezüglich der Frage, wer gewonnen hat: Da zieht das Tier seinen Hut vor Buddy. Als Schlagzeuger hat der Kerl einfach alles richtig gemacht.


Grooves & Licks Animal

Wie dieses Special weiter unten enthüllt, war der wahre Urheber der Grooves von Das Tier der englische Drummer Ronnie Verrell - er lieh Das Tier sozusagen seine Stimme an den Drums. Richtig ans Eingemachte geht es da in der Transkription von des Drumbattles, das sich Das Tier (respektive Ronnie Verrell) und Buddy Rich lieferten, siehe weiter unten. Hier beschränken wir uns auf ein kurzes Lick, das Das Tier in der Muppet Show trommelte. Wenn ihr Das Tier kennt, wisst ihr, dass es hier vor allem auf die „expressive Note“ ankommt und auf pures Rock'n'Roll-Feeling ... nicht auf technischen Schnickschnack. Obwohl sich Das Tier als Kenner feiner Groove-Arbeit wie der von Clyde Stubblefield bei James Brown erweist. Seht selbst!


Gibt es noch einen Drummer, mit dem du dir mal eine Drumbattle liefern würdest?
Das Tier: Grohl! Grohl!
Floyd: Dave Grohl von den großartigen Nirvana. Der ist nicht nur ein verdammt guter Drummer, sondern taucht auch noch in unserem Film auf. Kein Scherz, Mann!

Hast du irgendwelche speziellen Tipps für junge Drummer?
Das Tier: Uh-oh!
Floyd: Lass’ niemals deine Stöcke los, bevor du fertig bist mit Spielen.
Das Tier: Frau! Frau!
Floyd: Und lass’ deine Drums dir nicht in die Quere kommen, wenn eine hübsche Lady deinen Weg kreuzt.


Das Tier vs. Buddy Rich: Das Drumbattle des Jahrtausends!

Drumbattles gibt es seit der Swing-Ära, in der die legendären Duette zwischen den Schlagzeugern Buddy Rich und Gene Krupa Musikgeschichte schrieben. Mit Das Tier aus der Muppet Show lieferte sich Buddy Rich im Jahr 1978 aber ein Schlagzeug-Battle der besonderen Art. Hier könnt ihr lernen, wie ihr das Drumbattle nachtrommelt!

Die Idee zu diesem Drumbattle hatte der Drummer, der alles für das Tier eintrommelte: Ronnie Verrell. Seine ausführliche Story, in der auch die Hintergründe dieser Drumbattle beleuchtet werden, lest ihr weiter unten. Denn dieses Duett hat – bei aller Komik – doch einen nicht zu unterschätzenden musikalischen Stellenwert, der das Ganze auch vom schlagzeugerischen Aspekt her interessant macht. 


Die Transkription zum Drumbattle

Wir haben es uns nicht nehmen lassen, das Drumbattle zwischen Das Tier und Buddy Rich genau zu transkribieren. Durch Klick auf das Downloadsymbol könnt ihr die Noten des Drumbattles herunterladen.


The drums have to swing!

Während der ersten halben Minute spielt noch eine Backing-Big­­band mit: Grundlage des nachfolgenden Drumbattles ist der Swing-Klassiker von Duke Ellington „It don’t mean a thing if it ain’t got that swing“. Dessen Thema wird zwei Mal gespielt; danach legen erst Buddy Rich und dann Das Tier an den Drums los. Ganz wichtig: Was die Beiden spielen, hängt musikalisch nicht in der Luft, sondern ist an das Fast-Swing-Feel des Songs angelehnt. 

Während Buddy Rich seine unnachahmlichen Snare-Rolls spielt, lässt es Das Tier auf den Toms krachen. Das eine klingt eher filigran, das zweite bombastischer – oder eben „tierischer“. Nachfolgend spielen beide damit und greifen musikalische Phrasen oder Klangfarben des anderen auf. Das Tier genießt es offensichtlich und brüllt (sein Markenzeichen), während beide zusammen spielen, immer wieder etwas wie “Yeah yeah yeah“. Danach klappt ihm aber ob des Könnens von Buddy Rich zusehends die Kinnlade herunter: Denn was Buddy da abliefert, ist Soloing vom Feinsten – aber Das Tier weiß zu kontern ... wenn auch nicht mit fairen schlagzeugerischen Mitteln. Wenn ihr die Battle nachspielen wollt, sucht euch am besten einen Sparringspartner. Geteilte Freude ist doppelte Freude – und ihr könnt ja die Rollen tauschen: Mal wird der eine von euch Buddy, der andere zum Tier ... und umgekehrt! Nur das Ende mit der Trommel auf den Kopf hauen müsst ihr ja nicht unbedingt nachstellen.


Ronnie Verrell: Der Schlagzeuger hinter Das Tier

Der englische Studio- und Big-Band-Schlagzeuger Ronnie Verrell wurde in den 1970ern weltweit zu einer anonymen Berühmtheit – denn er war derjenige, der das Schlagzeug für die „Muppet Show“ eintrommelte. Unser Autor Robert Strobel kannte Ronnie persönlich und zeichnet hier ein Porträt des großen Unbekannten – des Trommlers hinter Das Tier. 

In einem der vielen persönlichen Gespräche, die ich 1994 in London mit ihm führte, erzählte mir Ronnie Verrell, dass die Aufnahmen zur „Muppet Show“ und seine Erinnerungen daran zu den schönsten Dingen gehörten, die er im Laufe seiner langen Karriere erlebte. Daneben, dass er die komplette Musik für die jeweiligen Folgen der Serie und der Begleitung der vielen Gaststars einspielte, die über Jahre hinweg in der Show auftraten, war es auch Ronnies Aufgabe, regelmäßig mit den Puppenspielern zu üben, damit diese seine Bewegungen am Schlagzeug korrekt imitieren konnten. Berühmtestes Beispiel hierfür ist die  legendäre Drumbattle mit Buddy Rich.

Wie Ronnie Verrell zum „Tier“ wurde

Jack Parnell, selbst ein sehr guter Schlag­zeuger und Ronnies Vorgänger in der Ted Heath Band, engagierte ihn als festen Drum­mer, als er seine eigene Band gründete. Diese Band wurde vom Fernsehsender ATV unter Vertrag genommen und danach für die komplette Musikproduktion der Muppet Show engagiert. Ronnie übernahm damit – als fester Schlagzeuger der Parnell-Band – die Aufgabe, sämtliche Schlagzeugspuren im Studio einzuspielen. Kurz bevor die Aufnahmen für die Muppet Show begannen, wollte Ronnie die Parnell-Band verlassen, weil er das Angebot bekam für drei Jahre mit Tom Jones zu spielen. Glücklicherweise lehnte er damals das Angebot jedoch kurzfristig ab. Die Muppet Show ermöglichte es Ronnie, mit vielen berühmten Persönlichkeiten und Stars der damaligen Zeit zu arbeiten: angefangen beim Jazztrompeter  Dizzy Gillespie über das Model Twiggy bis hin zum Sänger Harry Belafonte. Die Muppet Show  machte Ronnie weltweit bekannt. In England selbst war er aber schon lange vorher eine nationale Berühmtheit.

Buddy Rich trifft die Muppets

Es war Ronnies Idee, Buddy Rich in die Muppet  Show zu holen – er war nämlich ein großer Fan von Buddy. Jim Henson, der Produzent der Muppet  Show, hatte immer ein offenes Ohr für die Ideen der Musiker. Ronnie sprach daher mit ihm und schlug vor, Buddy in die Sendung  einzuladen. Buddy Rich hatte zu diesem Zeitpunkt mit seiner Big-Band ein mehrwöchiges Engagement im Londoner Jazz Club Ronnie Scotts. Ein glücklicher Zufall, denn die Muppet Show wurde in Großbritannien produziert. Eines Abends ging Jim Henson zusammen mit Ronnie Verrell und Jack Parnell zu Ronnie Scotts, um sich Buddy Rich anzuhören. Die Folge: Buddy wurde von Muppets-Chef Henson vom Fleck weg für die Muppet Show engagiert.

Ronnie Verrells großes Schlagzeuger-Vorbild: Gene Krupa

Ronnie Thomas Verrell wurde am 21. Februar 1926 geboren. Sein Interesse für das Schlagzeugspiel wurde durch Gene Krupa geweckt, den er 1938 in einem Kino mit der Benny Goodman Band im Film „Hollywood Hotel“ sah. Ronnie war in seinem Spiel sehr von Gene Krupa  beeinflusst. Er gab an, dass – so sehr er Buddy Rich auch bewundere – Gene Krupa sein größter Einfluss gewesen sei. Wie viele englische Drummer dieser Zeit war auch Ronnie an seinem Instrument ein Autodidakt. Er hatte in seinem Leben nur eine einzige Unterrichtsstunde: im Jahre 1939 beim damals in England sehr renommierten Lehrer Max Abrams. Er gestand jedoch, dass er es in seinen späteren Jahren bereute, nicht doch mehr Unterricht genommen zu haben. Er war der Ansicht, dass er sich gewisse Dinge falsch beigebracht habe. Aus diesem Grund konnte er seine Technik-Defizite schließlich nur durch ein enormes Maß an Enthusiasmus und unglaubliche Energie ausgleichen. Seine – wie er meinte – mangelhafte Technik hielt Ronnie jedoch nicht davon ab, in den zwei besten und berühmtesten englischen Big Bands der damaligen Zeit  zu spielen: dem Syd Lawrence Orchestra und der Ted Heath Band.

Wie Ronnie Verrells Trommler-Karriere begann

Ronnie begann seine Musikerkarriere als 17jähriger in der Band von Claude Giddins in Gillingham. Dann wechselte er in die Band des belgischen Trompeters Johnny Claes. Nach einem weiteren Wechsel in die Band des Klarinettisten Carl Bariteau, in der er 1947 und 1948 spielte, spielte Ronnie ebenfalls 1948 für drei Monate in München mit Leslie Holmes und dem Londonaires Dance Orchestra. Dort spielte er Livekonzerte für den amerikanischen Rundfunksender AFN. Dann wechselte er in die Band von Cyril Stapleton, in der er von 1948 bis1951 spielte, um dann in die Band von Ted Heath einzusteigen, der er bis 1964 angehörte. Die Band galt zu jener Zeit als die beste Big Band Englands. Mit Ted Heath tourte Ronnie auch durch die USA. und Australien und begleitete  Stars der damaligen Zeit – wie June Christy, Nat King Cole und „The Four Freshmen“. 1964 verließ Ronnie die Ted Heath Band, um mehr Zeit für Studioarbeit  zu haben. So spielte er auch sehr viele Aufnahmen für bekannte Pop-Bands der damaligen Zeit – wie beispielsweise Sessions für die „Dave Clark Five“, „The Hollies“  sowie die „Walker Bros.“. Er wirkte jedoch nach wie vor auch immer noch in sehr vielen Fernsehshows mit – wie der Sendung „Sunday Night at the London Palladium“, die von 1955 bis1967 und von 1973 bis 1974 im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ende der 1970er spielte Ronnie längere Zeit in der Band des Sängers Tom Jones und lebte in dieser Zeit eine Weile in Los Angeles, bevor er 1980 wieder nach London zurückkehrte, um sich wieder verstärkt der Studioarbeit zu widmen. Ab 1981 spielte er fast zwanzig Jahre im Syd Lawrence Orchestra. Trotz seines Faibles für die Studioarbeit spielte Ronnie Verrell immer auch live und suchte den Kontakt mit seinem Publikum. Seine Drum-Solos bei Livekonzerten waren so spektakulär, dass er die Clubs im wahrsten Sinne des Wortes „zum Kochen“ brachte. 1984 erhielt er den „BBC Jazz Musician of the Year Award“. Mitte der 1990er gründete Ronnie mit dem Klarinettisten Dave Shepherd seine eigene Band. Mit dieser Gruppe spielte er die Musik des Benny Goodman Quintetts. Bei einem seiner Auftritte beim Jazz-Festival in Ealing erzählte er mir, wieviel Spaß es ihm macht, die Musik  seiner Jugend wieder zu spielen. Selbst nach einem Autounfall,  bei dem er so schwer verletzt wurde, dass er fast ein Jahr lang nicht spielen konnte, begann er nach seiner Genesung wieder aufzutreten. So spielte er noch 2001, ein Jahr vor seinem Tod, in der „Frank Skinner Show“. Hier hatte er die Möglichkeit wieder live im TV aufzutreten.

 
 

Tragischer Tod eines Schlagzeugers

Im November 2001 hatte Ronnie einen schweren Unfall in seinem Haus in  Thames Ditton, Surrey. Bei einem Sturz im Treppenhaus brach er sich einen Halswirbel. Am 7. Februar 2002 sollte er operiert werden. Bei der Narkose setzte jedoch seine Atmung aus, weswegen die Operation abgebrochen werden musste. Am 22. Februar 2002 starb der Drummer hinter Das Tier an den Folgen einer Lungenentzündung in Kingston upon Thames, Surrey – einen Tag nach seinem 76. Geburtstag. Ronnie Verrell war dreimal verheiratet und hinterließ drei Töchter

Die Voraussetzungen für Ronnies Trommel-Erfolg

Ronnie war Zeit seines Lebens einer der begehrtesten Session Drummer Englands. Er hatte ein perfektes Timing und eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Er konnte hervorragend Noten lesen und hatte keine Probleme, auch die schwierigsten Percussion-Charts vom Blatt zu lesen. Außerdem war er stilistisch sehr vielseitig. Das begründete er in einem Gespräch mit mir damit, dass er immer auch die Musik seiner drei Töchter gehört habe, um „up to date“ zu bleiben. Er gab in jeder Situation 110%, egal ob er in einem Fernsehstudio, der Royal Albert Hall oder in einem kleinen Club spielte. Für ihn war alles Musik und er spielte mit der gleichen Ernsthaftigkeit einen Walzer, mit der er auch einen Pop-Song oder eine Big-Band Nummer spielte. Seiner Meinung nach muss ein Profidrummer alles gut spielen. Und nur so lässt sich auch die unglaubliche Bandbreite seiner musikalischen Aktivitäten erklären: Er spielte mit Tom Jones, Tony Bennett, Dusty Springfield, Shirley Bassey, Frank Sinatra, Engelbert Humperdinck und Peggy Lee ebenso wie mit Stephane Grappelli oder Yehudi Menuhin.  

„Viva Verrell!“

Dieser Ausruf des Posaunisten Don Lusher, mit dem Ronnie in der Band „Best of British Jazz“ spielte, war lange ein Synonym für ihn. Für Lusher war Ronnie der beste Drummer, den man sich in einer Band wünschen konnte. Abgesehen von seiner Fähigkeit, spektakuläre Drum-Solos zu spielen, war  Ronnie stets in der Lage, banddienlich zu spielen. Er wusste immer, wann er welche seiner Fähigkeiten zum Einsatz bringen musste. Außerdem war Ronnie Verrell ein sehr symphatischer, humorvoller und bescheidener  Mensch. Musik machen und Schlagzeug spielen waren sein Leben.

Persönliche Erinnerung an Ronnie Verrell

Als ich Ronnie im Mai des Jahres 1994 in einem Londoner Club kennenlernte, lud er mich sofort an die Bar zu einem Whiskey ein. Dann stellte er mich den anderen Musikern vor. Als ich den Pianisten Tony Lee fragte: „Why do you like playing with Ronnie so much?“,  gab er mir zur Antwort: „You know, Robert – Ronnie can “swing you into bad health”. Treffender kann man Ronnies Drumming nicht beschreiben. Musik machen und Schlagzeug spielen waren sein Leben.