Workshop: Musikalische Mathematik – Teil 3

Die Polyrhythmik der letzten Folge hat eure Köpfe hoffentlich nicht zu sehr beansprucht, sondern euch eher neue, polyrhythmische Ideen fürs Schlagzeug gegeben. Dieses Mal nimmt Peter Wildoer die Aufteilungsmöglichkeiten einer Viertelnote unter die Lupe – mit Extra-Augenmerk auf Quintolen.

Mathematik ist die Grundlage der Musiktheorie. Das wird vielleicht am deutlichsten an den Be­zeich­nungen der Noten – wie Viertel, Ach­tel, Sechzehntel etc.. Diese „Namen“ sind aus der Mathematik abgeleitet. Der Grundwert der „binären Noten“ ist die Viertel („1/4“ geschrieben). Ich zeige euch alle Möglichkeiten, welche verschiedenen Unterteilungen der Vier­tel (Achtel, Ach­tel­triolen, Sechzehntel und Quintolen) ihr spielen könnt. Wenn ihr euch Achtel näher anschaut, seht ihr, dass es da­für vier Mög­lich­keiten gibt: Zwei Pausen, eine Note plus Pause, Pause plus Note und zwei Noten. Bei Achteltriolen gibt es acht Varianten , bei Sechzehnteln 16 – und bei Quintolen sind es gar 32 Möglichkeiten, die ihr habt. Eine Auflistung dieser Möglichkeiten findet ihr am Ende dieses Workshops. Bei Vierteln gibt es nur zwei Möglichkeiten: Eine Pause oder eine Note. Leute, die viel mit Computern arbeiten, erkennen in diesen Zahlen die Basis des sogenannten Binären Systems. Die untere Tabelle gibt euch einen Überblick.

Unbegrenzte rhythmische Möglichkeiten

Weitergedacht bedeutet das, dass es 64 Möglichkeiten für Sechzehnteltriolen gibt, 128 für Septolen und 256 für 32stel-Noten! Denkt daran, dass dies nur für den Wert einer einzigen Viertelnote gilt. Meistens spielen wir ja im 4/4-Takt – damit vervielfachen sich die möglichen Kombinationen fast ins Unendliche. Im 4/4-Takt gibt es  Kombinationen zwischen Viertel-Noten und -Pausen, Achtel-Noten und -Pausen, Achteltriolen etc.. Wenn ihr nun noch die jeweils 32 verschiedenen Quintolen-Möglichkeiten darunter mischt, wird es langsam atemberaubend. Solche Kombinationen könnt ihr natürlich auch mit allen anderen Notenwerten machen. Es gibt also unglaublich viele verschiedene Rhythmen, die daraus entstehen (alle Bsp. ab hier im Downloadbereich auf www.drumheads.de).

 
 

Ein quintolisches „Dodapikola“!

Ich lege mein besonderes Augenmerk auf die Quintolen, weil ich sie interessant und ungewöhnlich finde. Daneben ist es auch eine sehr gute Übung, bei den 32 Möglichkeiten die Hände und Füße zu kombinieren. Ich habe nur wenige Kombinationen aufgeschrieben, um euch ein Beispiel zu geben. Hier ist eure Kreativität gefragt, andere Handsätze und Akzente einzubringen und eigene Fuß-Ostinati dazu zu erfinden. Ich habe euch auch meine Quintolen-Zählweise aufgeschrieben: „Do-da-pi-ko-la“ -pro Note(nwert) eine Silbe. Mit dieser „Zähl“-Weise bekommt ihr ein ganz gutes Gefühl für Quintolen.  Die letzten Beispiele beinhalten Quintolen-Kombinationen, die als Sechzehntel gespielt werden. Beachtet dabei, dass Quintolen nicht in ein Sechzehntel-Raster passen, weil 16 nicht durch fünf teilbar ist. Also spielt ihr einfach nur die ersten 16 Noten. Ich habe sie mit verschiedenen Fußostinati versehen. Experimentiert mit diesen Übungen – so werdet ihr schnell auf neue Beats, Fills und Ideen stoßen. Viel Spaß!

 Euer

Peter Wildoer sitzt seit 1998 bei den schwedischen Thrash-Metallern „Darkane“ an den Drums und arbeitete u.a. mit den Bands Arch Enemy, Armageddon, Majestic und Pestilence. 2011 machte er bei den Drum-Auditions von Dream Theater von sich reden, als er mit 6 anderen ins Finale vorstieß. Die Band, für deren Sänger James LaBrie Peter schon getrommelt hat, listete ihn sogar unter ihren 3 Top-Favoriten. Peter arbeitet auch als Clinician und unterrichtet in seiner Heimat Südschweden als Mathe-Lehrer.
www.peterwildoer.com
www.youtube.com/user/wildoerfaren

Diesen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 3/2012.

Durch Klick auf den Download-Button könnt ihr alle Soundbeispiele dieser Workshopfolge als zp.-Paket herunterladen.