Test Manic Drum Solaris mit System One

Hersteller von Custom-Shop-Snares gibt es wie Sand am Meer. Die ­meisten dieser Trommelbauer fertigen Schlagzeuge auf hohem ­Niveau. Echte Innovation sucht man ­allerdings oft vergebens. Die ­slowenische Firma Manic Drum ist eine erfreuliche Ausnahme.

Zur 2016er Musikmesse in Frankfurt hatte sich das Jungunternehmen Manic Drum, das seit vier Jahren Schlagzeuge und neuerdings auch eigene Kesselhardware fertigt, der Weltöffentlichkeit vorgestellt.
Aber was ist denn nun so neu und innovativ an diesen Trommeln? Die Kessel? Hier gibt es grundsolide Fassbauweise zu bewundern. Im Falle der Solaris-Snare ist das „Fässchen“ aus Tiger-Ahorn hergestellt. Sechzehn präzise gearbeitete Holzsegmente bilden den Kessel für dieses Instrument in 14 x 6,1 Zoll. Zwar trifft man nicht jeden Tag auf Trommeln in Fassbauweise, aber: Nein, wirklich neu ist das Ganze nicht. Das Finish vielleicht? Hier regiert gelassenes Understatement. Die Kesseloberfläche ist klar lackiert, so dass die natürliche Beschaffenheit des Tiger-Ahorns sichtbar ist. Schön anzusehen, aber nichts, was es nicht schon lange gibt.

Innovative Snaredrum

Bleibt also die Hardware – und genau dort gibt es wirkliche Innovationen. Fast möchte man sagen: eine Revolution. Manic Drums haben mit der patentierten Kesselhardware „Lug One“ zwar nicht die Trommel zur Gänze neu erfunden, aber die Stimmtechnik modernisiert – und das mit Bravour. Bereits beim Betrachten der Spannreifen fällt dies ins Auge. Auf einen Ring aus Edelstahl lassen sich insgesamt fünf verschiedene Ringsegmente, die den oberen Teil des Spannreifens bilden, montieren. Dabei hat man die Auswahl zwischen Aluminium, Bronze, Messing, Edelstahl und Holz. Für jede musikalische Gangart ist also etwas dabei. Sachte und perkussive Rimclicks liefert das Holzsegment. Etwas satter zeigt sich das Alusegment, und richtig deftig wird es, wenn man über das Edelstahlsegment einen Rimshot zieht.
An diesem Punkt ist man dann bereits mittendrin im Geschehen. Die Solaris-Snare ist ein echtes Klangchamäleon, und eben dieser Umstand macht es schwer, die exakten Klangeigenschaften dieses „Multitools“ zu beschreiben. Die perfekt bündig verleimten 15 Millimeter starken Ahorndauben bilden das Fundament dieser Trommel. Die Spannböckchen Lug One 0.01 sowie der Rest der Kesselhardware sind mittels fünf Millimeter starker Inbusschrauben aus Edelstahl am Kessel befestigt, was nicht nur perfekten Halt gibt, sondern zusätzlich einen hochwertigen Eindruck vermittelt.

 
 

Das Besondere an den One-Lugs besteht darin, dass diese in drei Stufen klappbar sind. Sie lassen sich wie ein Hebel nach unten drücken. Somit kann man die Stimmung der Trommel im Handumdrehen verändern. Aus einer extrem hochgestimmten Snare wird binnen Sekunden eine voluminös-fette Rocksnare oder eine warm singende Fusion-Snare. Hierzu muss man lediglich zwei bis vier  gegenüberliegende Spannböckchen umklappen. Je nachdem wie viele der One-Lugs man umlegt, lassen sich verschiedenste Stimmungen erzeugen. Kurzum: Nahezu jeder Sound lässt sich, mit entsprechender Vorarbeit, problemlos erzeugen.
Die Vorarbeit besteht im Prinzip darin, Schlag- und Resonanzfell erst mal in eine den eigenen Vorstellungen entsprechende Stimmung zu bringen. Das lässt sich mit den ebenfalls aus rostfreiem Edelstahl gefertigten, locker laufenden Stimmschrauben leicht bewerkstelligen. Zumal die 45 Grad steile Gratung makellos gefräst ist und somit garantiert, dass das Fell plan aufliegen kann. Die Plastik-Unterlegscheiben der Stimmschrauben sind im Übrigen fest an der Schraube montiert. Lästiger Nachkauf entfällt also.

Snareteppich in 20 Sekunden tauschen

Hat man die gewünschte Stimmung gefunden, geht’s daran, den Snareteppich passend einzustellen. Dieser läuft  durch ein kaum erkennbares, circa 1,8 Millimeter tiefes Snarebed, das so fein und perfekt angeschliffen ist, dass es sich fast nahtlos an die übrige Gratung anpasst. Die Parallel-Abhebung, eine Exciter One 0.01, sorgt dafür, dass auch das locker von der Hand geht, wenn man von der Zentrierung des Teppichs einmal absieht – hierfür ist ein wenig Fingerspitzengefühl erforderlich.
Die Abhebung selbst ist zwar kein technisch aufwendiges Element, aber zweckdienlich. Weniger ist hier mehr: Sie lässt sich in zwei Stufen einstellen, so dass man zwei verschiedene Teppichsounds kreieren kann. Dadurch lassen sich die ohnehin mannigfaltigen Klangvariationen zusätzlich um einiges erweitern.
Hinzu kommt, dass bei einem Wechsel des Resonanzfells der Teppich nicht demontiert werden muss. Es ist möglich, die Abhebung einfach auszuhaken, was freien Zugriff auf das Resofell bietet. Ebenso einfach gestaltet sich der Austausch des Schlagfells. Man muss lediglich die Lug-One-Böckchen aufklappen und die Stimmschrauben aus den Führungen aushaken. Voila: Schon lässt sich das Schlagfell abnehmen und auswechseln. Dieser Vorgang dauert keine 20 Sekunden!

Kompakt

Größe14 x 6,1”
HerkunftSlowenien
MaterialTiger-Ahorn
FinishLacquer
SpannböckchenLug One 0.01 Stainless Steel
SpannreifenHoop One 0.01 Stainless Steel
AbhebungExciter One 0.01 Stainless Steel
Teppichfreie Auswahl
FelleAquarian
HerstellerManic Drum
Kontaktwww.manicdrum.com
Preis (UVP)1.100 Euro

Ahorn-Snare zum fairen Preis

Wie bei den meisten Custom-Drums üblich, ist der Preis im oberen Bereich angesiedelt. Für die Manic-Drum-Solaris-Snare werden 1.100 Euro aufgerufen. In Anbetracht der bahnbrechenden Ideen ist der Preis allerdings vollkommen gerechtfertigt. Für so ziemlich jeden Schlagzeuger, der über das nötige Kleingeld verfügt, ist die Solaris ein richtig heißer Tipp – und für experimentierfreudige Drummer fast schon ein Muss. Von Manic Drum dürfte man auch zukünftig noch einiges hören.

Den vollständigen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 1/17.