Gearcheck Philipp Mirtschink (The Picturebooks)

Alles falsch? Genau richtig! Philipp Mirtschink, die sitzende Hälfte des Rock-Duos The Picturebooks, wird oft von ­allwissenden Schlagzeugern angesprochen: auf seine Stockhaltung, seinen Schlagzeugaufbau, ­seinen Trommelstil. Durchweg ungewöhnlich – aber genau das Passende für die Musik.

DH!!: Beim ersten Blick auf dein Drumset fällt auf, dass du keinerlei Becken verwendest. Zu teuer?
Philipp Mirtschink: Stimmt genau, irgendwann war mir das zu teuer. Ich hatte zwar mal einen Sponsor, aber der hat mich nach anderthalb Wochen auf Tour direkt wieder von der Endorserliste geschmissen. Ich hatte immer ein 24 Zoll großes Crashride, das um die 800 Euro gekostet hat. Nach einer Tour habe ich beschlossen, keine Becken mehr zu kaufen. Wir haben sehr viel mit Percussion gemacht. An einem traditionellen Schlagzeug ist mir zu viel dran. Viele Leute fragen mich, ob ich das nicht falsch finde. Ich muss sagen: Ich finde es gut, dass ich das falsch mache, weil es sich für mich richtig anfühlt.

Auf der rechten Seite hängt eine riesige Glocke. Wie bist du daran geraten?
Das ist quasi ein Beckenersatz. Natürlich könnte ich auch ein Ridebecken nehmen und auf der Kuppe herumhauen, aber das wäre nicht dasselbe. Die Glocke passt einfach besser zum rudimentären Aufbau des Schlagzeugs. Im Studio haben wir sie eingesetzt, und ich habe mich entschieden, sie auf die Tour mitzunehmen, auch wenn sie um die acht Kilo wiegt.

Neben einem normalen Standtom hast du eine 24 Zoll große Bassdrum zum Standtom umfunktioniert. Kommt sich das klanglich eigentlich nicht in die Quere?
Das klingt auf jeden Fall alles sehr tief. Ich  fand große Kessel schon immer geiler und mag bei Toms eher den tiefen Sound. Ich hatte vorher eine 28 Zoll große Bassdrum dabei, die war zu sperrig. Dann habe ich zu einem 16er-Tom gewechselt, das dann allerdings zu klein war und nur rumgehüpft ist. Mit einer Träne im Auge habe ich dann Löcher in meine alte Bassdrum gebohrt und ein Tom daraus gebaut. Das tut im ersten Moment natürlich weh. Aber im Endeffekt kommt sie zum Einsatz und steht nicht in der Ecke.

Wie setzt du deine beiden Snares unterschiedlich ein?

Die Snare in der Mitte ist ganz klar die Hauptsnare. Die zweite nutze ich in einigen Songs, bei denen ich beispielsweise eine Snare mit Teppich und eine mit offenem Sound brauche oder zusätzliche Akzente setzen will. Sie ist auch nicht getriggert.

Seitlich betrachtet ist dein Set eine ebene Fläche. Hat das ergonomische Gründe?
Beim Stichwort „ergonomisch“ muss ich anmerken, dass ich echt mies in diesen technischen Sachen bin. Nach der Show kommen Leute zu mir und sagen: „Deine linke Hand solltest du anders halten.“ Letztens hat mich einer gefragt: „Was ist denn dein Lieblings-Paradiddle?“ Davon habe ich wirklich keinen Plan. Manchmal ist es beim Schlagzeugspielen besser, nicht so einen technischen Hintergrund zu haben. Auf der Bühne sehen wir uns nicht als Gitarre und Schlagzeug, sondern als ein Instrument. Deswegen habe ich hinter mir die Stagebox stehen, in der alle Signale zusammenlaufen, vom Gitarrensignal über die Trigger bis hin zu unserem In-Ear-Monitoring.

 
 

Ihr habt auch den schnellsten Soundcheck hingelegt, den ich jemals gesehen habe.
Wir sind da nicht so. Wir haben keine Monitor-Wünsche, da das In-Ear-Monitoring immer gleich ist. Es ist immer dasselbe Setup, man hört immer gleich, und dann ist das in zehn Minuten erledigt.

Welche Triggertechnik verwendest du?

Normalerweise sind Hauptsnare und das große Tom je mit einem DDrum-Trigger ausgestattet. Die Bassdrum ist mit einem Axis-Pedal getriggert. Das ist der Megahammer. Der Trigger sitzt nicht am Fell, sondern direkt am Pedal. Dieses System ist komplett fehlerfrei. Früher habe ich auch das kleinere Standtom getriggert. Aber dabei geht die Dynamik verloren. Ludwig hat mir das Set genau nach meinen Präferenzen gebaut: Bonham-Größen mit Ringo-Finish. Das Tom klingt immer geil, egal was du damit machst.

Welche Samples liegen auf den Triggern?

Ich habe mir die verschiedenen Sounds, die wir für das Album im Studio aufgenommen haben, als Samples auf meine Trommeln gelegt. Es ist unmöglich, das Set live so fett klingen zu lassen wie im Studio. Das kriegst du rein akustisch nicht hin. Ich habe mich im ersten Moment gegen Trigger gesträubt, weil ich das für Cheating hielt. Aber im Endeffekt ist das völlig in Ordnung und mittlerweile auch von mir abgesegnet.

Du spielst mit Samba-Beatern. Willst du damit eine höhere Lautstärke erzielen?
Für die Aufnahmen haben wir verschiedene Varianten ausprobiert. Klassische Mallets sind super Teile. Allerdings kannst du die live nicht nehmen, weil sie nach dem ersten Song Fritten sind. Dann habe ich mir richtige Pauken-Schlägel gekauft. Aber die sind so schwer, dass du nach einer Woche Tour erst mal eine Woche Pause brauchst. Mit den Samba-Beatern hat die Trommel nicht nur den reinen Attack, sondern auch den Grundton plus Bass. Ich spiele zwar bei ein paar Songs noch normale Drumsticks, das fühlt sich aber inzwischen fremd an.

Equipment Philipp Mirtschink (The Picturebooks)

TrommelnLudwig Custom Made
26 x 18“ Bassdrum
24 x 20“ LoLo Tom/Tama Starclassic Kick
18 x 18“ Floortom
14 x 8“ Snare
14 x 6“ Tama-Snare
Marina Bell
Rack2Box Drumit5 Unit Prieditis Pre-Amp In-Ear: Shure SM215 Rack, komplett mit Toaster Cables verkabelt
MikrophoneBassdrum/Floortom: Sennheiser 602Snare: Sennheiser 604
Marina Bell: Shure sm57
Beta Vocals: Shure sm57 Beta
Kabel: Toaster Cables
TriggerDDrum Chrom Elite Trigger
Roland KD-9 Kickpad
Axis A-770 Kickpedal mit Electronic Conversion Kit
DrumsticksVic Firth Extreme 5B
Meinl SB2 Samba Beater
PercussionMeinl RC1BK Rocar
Meinl SLB25 Sleigh Bells
Meinl TMT1 Handtambourin
Selbstgebautes Tambourin
Samba Beater Percussion