Workshop: Musikalische Mathematik – Teil 1

Willkommen zu Lektion 1 meiner DrumHeads!!-Workshopreihe. Als Mathe-Lehrer konnte ich mir den Titel nicht verkneifen. Ich habe mir lange den Kopf zerbrochen, womit wir loslegen können. Was ist besser geeignet, als eine Aufwärmübung für Hände und Füße, die auf den drei Rudiments Single- bzw. Double-Stroke und Paradiddle beruht?

Ziel meiner Aufwärmübungen ist es, die Hände und Füße fit zu machen, während gleichzeitig euer Spiel tighter wird. Daneben ist es eine kleine Herausforderung für eure Koordination, wenn ihr eure Hände und Füße „gespiegelt“ spielt, d.h. rechte Hand mit dem linken Fuß zusammen und umgekehrt (Beispiel 1). Ihr braucht dafür eine Doppelfußmaschine oder zwei Bassdrums. Schnappt euch für diese Aufwärmübung euer Metronom und verwendet, während ihr die Übung durchspielt, ein gleichbleibendes Tempo. Am besten beginnt ihr langsam und spielt dann schrittweise schneller: mit steigenden Notenwerten – von Achteln in Beispiel 1 bis zu 32steln – werdet ihr dann immer „wärmer“. Auf Audio-Beispiele habe ich hier verzichtet, weil ihr die ganze Zeit nur Snare- und Bassdrum gleichzeitig hören würdet. Doch die Handsätze erschließen sich nur aus den Noten, nicht durchs Hören. Ich habe aber zusätzlich zu den Noten noch Video-Clips zu den Übungen aufgenommen – checkt das folgende Video.

Tempo halten, exakt trommeln

Achtet darauf, dass ihr ein Tempo nehmt, das ihr jeweils die ganze Übung durchspielen könnt, ohne dass ihr vorzeitig abbrechen müsst, weil ihr bemerkt, dass es euch doch zu schnell ist. Wenn ihr noch Schwierigkeiten habt, Doppelschläge oder Paradiddles mit den Füßen als Sechzehntel oder Sechzehnteltriolen zu spielen, dann spielt stattdessen Einzelschläge mit den Füßen, während die Hände sich an den vorgegebenen Handsatz halten. Übt parallel die Füße alleine, um die Übung wie gedacht spielen zu können. Sehr wichtig: Vermeidet „Flams“ zwischen Händen und Füßen und konzentriert euch darauf, dass ihr exakt und tight spielt. Außerdem solltet ihr ein Gefühl dafür bekommen, Hand-/Fuß Schlagfolgen in Achteltriolen oder Sechzehnteltriolen zu spielen. Hier wird es polyrhythmisch, wenn ihr binäre Handsätze (Paradiddle etc.) über einen ternären Noten-Puls spielt: Drei gegen vier (3:4) bei den Achteltriolen und drei gegen zwei (3:2) bei den Sechzehnteltriolen.

 
 

Erst sachte, dann beherzt

Ich wiederhole die Single-Stroke-Übungen zwei Mal für jeden Notenwert von Achtel bis 32stel: 32 Takte lang. Ebenso bei den Paradiddles und Doppelschlägen. Ich spiele die ersten vier Takte jeder Übung nur mit den Fingern und mit „Heel down“ auf dem Pedal. Die folgenden vier Takte dann mit großer Bewegung in den Armen und mit „Heel up“ – so werden die Arme und Schultern und Beine gut aufgewärmt. Mit zunehmenden Notenwerten nimmt die Bewegung ab. Ich persönlich mag diese Aufwärmübung, weil ihr euch so nicht nur fürs Spielen aufwärmen könnt, sondern auch daran arbeiten könnt, Hände und Füße akkurat zusammen zu spielen – das erfordert Konzentration und damit seid ihr gut ausgerichtet fürs weitere Spielen. Viel Erfolg!

Euer

Diesen und viele weitere spannende Artikel findet ihr in der DrumHeads!!-Ausgabe 1/2012.

Der Autor – Peter Wildoer

Peter Wildoer sitzt seit 1998 bei den schwedischen Thrash-Metallern „Darkane“ an den Drums und arbeitete u.a. mit den Bands Arch Enemy, Armageddon, Majestic und Pestilence. 2011 machte er bei den Drum-Auditions von Dream Theater von sich reden, als er mit 6 anderen ins Finale vorstieß. Die Band, für deren Sänger James LaBrie Peter schon getrommelt hat, listete ihn sogar unter ihren 3 Top-Favoriten. Peter arbeitet auch als Clinician und unterrichtet in seiner Heimat Südschweden als Mathe-Lehrer.
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