Workshop: Musikalische Mathematik – Teil 2

Peter Wildoer ist ein großer Fan von polyrhythmischer Phrasierung am Schlagzeug. Polyrhythmik gibt Fills und Beats eine weitere Dimension und macht sie interessanter.

Die einfachsten Beispiele, die zu den Polyrhythmen zählen, sind „2 gegen 3“ und „3 gegen 2“, auch oft 2:3 und 3:2 geschrieben. Wenn dagegen etwa „4 gegen 2“ gespielt wird, zählt dies nicht zur Polyrthythmik: Das wird als Unterteilung bezeichnet. Es gibt auch die Polymetrik, die sich von Polyrhythmik dadurch unterscheidet, dass zwei oder mehrere Taktarten gleichzeitig gespielt werden. Eine musikalische Phrase im 3/4-Takt zum Beispiel, die wiederholt über einen 4/4-Puls gespielt wird: Wenn sie auf einer „1“ des 4/4-Takts beginnt, kommt ihre Wiederholung auf der „4“, dann auf der „3“, dann auf der „2“ (des dritten Takts), bevor sie wieder auf einer „1“ anfängt. Die Phrase wird mehrere Male über dem 4/4-Takt verschoben. Metal-Bands wie Meshuggah machen dies oft und gerne. Polyrhythmik heißt hingegen: Rhythmuspattern mit zwei oder mehr Schlägen, die die gleiche „1“ haben.

2:3 und 3:2 – dasselbe in Sachen Polyrhythmik

Was bedeutet dann „2:3“ und „3:2“? Bei „2:3“ spielt ihr zwei Schläge (punktierte Viertel) gegen einen 3/4-Takt. Im „Gegenteil“, bei  3:2, spielt ihr 3 Schläge (als Vierteltriole) über einen 2/4 Takt. Die Unterteilung bei 2:3 und 3:2 ist im Grunde dieselbe. Nur steht einmal die 2 im Zähler des musikalischen Bruches (und die 3 im Nenner) bzw. eben umgekehrt. Alles eine Frage von richtiger Bruchrechnung ...

 
 

Polyrhythmen mit System

Einmal fragte mich ein Schüler, wie er denn diese komplexen Rhythmen verstehen könne. Ich erklärte es ihm am Beispiel „2:3“ (Bsp. 2): Der Takt ist hier 3/4 (2:3), die Unterteilung pro Viertel ist 2 (2:3), also Achtel – wobei  jeder dritte (2:3) Schlag der Unterteilung akzentuiert wird. Die Akzente werden dann zu zwei Schlägen über dem 3/4-Takt. Die unakzentuierten Schläge werden weggelassen  – und schon klingt es wie 2:3. Dieses System passt zu allen möglichen poly­rhythmischen Kombinationen (siehe Tabelle). Es gibt natürlich noch weitere Kombinationen – wie 7:4 oder 4:9 – aber dieses  System passt darauf genauso. Probiert es aus! Knifflig daran sind vielleicht die Unterteilungen: Quintolen, Septolen etc., dies solltet ihr vorher getrennt üben. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, mehrere Polyrhythmen gegeneinander zu spielen – zum Beispiel 4:5:6 – aber dann wird es richtig schwierig, weil ihr zwei verschiedene Unterteilungen gleichzeitig habt. Das Allerwichtigste ist alle diese Polyrhythmen zu üben und dabei zu verstehen wie sie funktionieren. Denn dann könnt ihr damit am Drumset experimentieren. Hört euch vor allem auch die Audiobeispiele am Ende des Workshops an, dann wird es klarer. Viel Erfolg beim Bruchrechnen!

Euer

Peter Wildoer sitzt seit 1998 bei den schwedischen Thrash-Metallern „Darkane“ an den Drums und arbeitete u.a. mit den Bands Arch Enemy, Armageddon, Majestic und Pestilence. 2011 machte er bei den Drum-Auditions von Dream Theater von sich reden, als er mit 6 anderen ins Finale vorstieß. Die Band, für deren Sänger James LaBrie Peter schon getrommelt hat, listete ihn sogar unter ihren 3 Top-Favoriten. Peter arbeitet auch als Clinician und unterrichtet in seiner Heimat Südschweden als Mathe-Lehrer.
www.peterwildoer.com
www.youtube.com/user/wildoerfaren

System für das Spielen von Polyrythmen