Schlagzeug-Serie Mapex Armory

Serienbezeichnungen für Drum-Sets sind oft von rustikaler Natur: Die Marketingabteilungen der Hersteller stehen auf Kriegsgötter, furchteinflößende Großkatzen oder Naturkatastrophen. Da verwundert es nicht, dass sich darunter auch eine Serie findet, die den Namen Armory trägt.

Manchmal möchte man als Schlagzeuger schon gern in die Waffenkammer greifen, vor allem dann, wenn die 100-Watt-Marshall-Vollröhre des Gitarristen ächzend an den Rand ihrer Belastbarkeit driftet und dabei – angeblich – immer noch zu leise ist. Ob und wie ein Mapex-Armory Schlagzeug da helfen kann, haben wir für euch untersucht.

Unser Test-Set besteht aus:

  • einer 22 x 18 Zoll tiefen Bassdrum
  • zwei Tom-Toms in 10 x 8 und 12 x 9 Zoll
  • einem 16 x 16 starken Floortom
  • einer 14 x 5,5 Zoll messenden Tomahawk-Stahl-Snare
  • zwei TH 800 Multiclamp-Tomhalterungen

Der Kesselsatz ist, mit Ausnahme der hochglanzverchromten Stahl-Snare, in einem Black-Dawn-Finish lackiert. Unbeleuchtet dominiert der schwarze Lack. Wird das Schlagzeug jedoch beleuchtet, kommt die Maserung der äußeren Birkenlage zum Vorschein. Das ­elegante Finish wird von den schwarz ­verchromten Hardware-Teilen der Kessel zusätzlich unterstrichen. Sämtliche Beschlagteile sind mit Gummi unterlegt; es findet kein direkter Kontakt von Metall und Holz statt.
Die 7,2  Millimeter dicken Kessel sind sogenannte Hybridkessel und bestehen aus je zwei Außen- und Innenlagen Birkenholz ­sowie einer zweilagigen Mittelschicht aus Ahorn. Die Kessel weisen durchweg die Mapex-typische Sonic Clear-Gratung auf. Das bedeutet, dass die Gratungen rund ausgeführt sind und in 45 Grad steilem Winkel abfallen. Somit entsteht eine ziemlich breite Fläche, auf der das Fell aufliegen kann.

Auch die Tomaufhängung an den Kesseln trägt den Namen Sonic-Clear. Sie ist, wie heutzutage üblich, ein sogenanntes Freischwingsystem, das den Kontakt zum Kessel auf ein Minimum reduziert. Die Füße der Floortom-Beine ermöglichen durch eine in den Gummi gefräste Federung ebenfalls ein höheres Resonanzverhalten des Kessels. ­Bestückt werden die Kessel des Schlagzeugs mit Remo-UT-Fellen. Die Snare wird mit einem Remo USA-Ambassador-Fell ausgeliefert.


Mapex Armory Schlagzeug im Überblick

Hersteller: Mapex
Herkunft: China
Serie: Armory
Material: Ahorn, Birke, Stahl (Snare)

Bauweise: Schichtbauweise, 6 Lagen

  • 2 Lagen Birke außen,
  • 2 Lagen Ahorn mittig,
  • 2 Lagen Birke innen

Kesselstärke: 7,2 mm
Gratung: Sonic Clear voll gerundet, 45 Grad; Snare: 45 Grad
Oberfläche: lackiert, Black Dawn; Snare: Hochglanz verchromt
Kesselhardware: Black Plated Chrome
Spannreifen: 1,8 Millimeter Hoop; 2,3 Millimeter Powerhoop (Snare)
Felle: Remo China, Remo USA (Snare)
Vertrieb: Musik und Technik


Die Toms erzeugen in hohen Stimmlagen einen perkussiven Klang, geprägt von einem kurzen und kräftigen Sustain. Das Attack fällt dank der Sonic-Clear-Gratung weich und basslastig aus. Insgesamt erzeugen die Trommeln einen dominanten und durchsetzungsstarken Ton. Diese Art  der Verarbeitung  kommt dem zwölfzölligen Tom-Tom und dem 16er-Floortom entgegen. Anders verhält es sich beim Zehnzöller. Der Stimmumfang dieser Mapex Trommel ist leider etwas eingeschränkt. Um ihr mit den werkseitig montierten Remo UT-Fellen eine tiefe Stimmung abzuringen und gleichzeitig einen stehenden Ton zu ­bekommen, muss man sehr sachte an den Stimmschrauben drehen, um den optimalen Punkt anzusteuern. Außerhalb dieses Punkts wollte das Tom nicht so recht die nötigen Qualitäten zeigen. Leichter geht es unter ­Zuhilfenahme eines etwas dünneren und wertigeren Fells, zum Beispiel eines Remo Diplomat.

Der Stimmumfang und die Klangspektren der beiden anderen Toms erfreuen hingegen sehr. Schon mit den UT-Fellen lassen sich ­respektable Sounds aus den Trommeln holen. Offener Vintage-Jazz-Sound oder knackig komprimierter Rock-Stiefel – alles kein ­Problem.
Ohne große Anstrengungen lässt sich die 22 x 18 Zoll messende Bassdrum den unterschiedlichsten Anforderungen anpassen. ­Tiefe Stimmlagen beeinflussen die Resonanz des Kessels nur minimal. Diese bleibt immer in einem respektablen Umfang erhalten. Selbst in tiefen Regionen lässt sich der Klang der Bassdrum gut modellieren. Somit wird stets eine optimale Menge an Schub und ­Präsenz gebildet – nie zu viel, nie zu wenig. Gut dosierte Obertöne und Frequenzen aus dem Tiefmitten-Spektrum klingen über einem soliden und lebendigen Teppich aus Bassanteilen, sobald man den Kessel hoch stimmt.

Mapex Armory: glänzendes „Kriegsbeil”

Das Chrom der Tomahawk-Snare hat eher den Namen Spiegel verdient. Selten kommt einem eine solch gute Verchromung unter die Augen. Chapeau! Die Piston-Vertical-Abhebung zur Justierung des Snare-Teppichs ­arbeitet zuverlässig und lässt aufgrund ihrer leichtgängigen Mechanik ein breites Spektrum an Einstellungen zu. Die 45-Grad-­Gratung des ein Millimeter dicken Stahlkessels ist rundum sauber gebogen. Auch das tief gezogene Snare-Bed fällt da nicht aus der Reihe. Klanglich ist es ein überaus solides Instrument mit breitem Stimmumfang.
Spannböckchen im Bridge-Style-Design und 2,3 Millimeter dicke Power-Hoops bilden die Grundlage für schnelles und akkurates Stimmen. Diesem Instrument könnte man noch so viel mehr entlocken, wäre nur der Kessel ein klein wenig mehr unterdimensioniert. Beide Felle gehen nur streng über den Kesselrand, was den Sound etwas einschränkt, und das ist, bei einem solch tollen Teil, einfach schade. Evans-Level-360-Felle sitzen aufgrund ihres steileren Fellkragens freier auf als das werkseitig montierte Remo-USA-Fell.

Das Mapex Armory trägt den Namen nicht zu Unrecht. Der Sound des Schlagzeugs ist direkt und lässt sich variabel gestalten. Zahlreiche ­Features, die in den Mapex-Oberklasse-­Serien Saturn IV und Black Panther zum ­Einsatz kommen, finden sich auch in der Mittel­klasse-Serie Armory wieder. Im Prinzip ist das Set frei von Kompromissen – und ­unter Zuhilfenahme wertigerer Felle lassen sich auch die minimalen klanglichen Schönheitsfehler beim Zehn-Zoll-Tom und bei der Snare ausmerzen.

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