Test: Bosphorus Cymbals 20th Anniversary Series

Es muss nicht immer Mercedes oder BMW sein. Im Dunstkreis der Marktführer wird so manches Instrument geschmiedet, das sich wunderbar ins Set integrieren lässt. Bei Bosphorus Cymbals seit mittlerweile mehr als 20 Jahren. Wir haben die Jubiläums-Bronze für euch getestet.

Drei sind einer zu viel? Dieses Klischee führt nicht immer zu einem tragischen Ende. Es gibt auch hier die Ausnahme von der Regel. 1996 war das Geburtsjahr von Bosphorus Cymbals. Die Company entstand aus der Initiative dreier Sandkastenfreunde. Hasan Seker, Ibrahim Yakici und Hazan Özdemir wurden im Schlagschatten einer traditionellen Istanbuler Cymbalschmiede groß und erlernten dort gemeinsam das Handwerk.

Bosphorus Cymbals - jedes Becken ein Unikat

Nach 16 Jahren Seite an Seite wagten die drei Meister die Gründung ihres eigenen Unternehmens. In ihrem Katalog finden sich diverse klanglich wie optisch spektakuläre Serien, die ausschließlich in Handarbeit entstehen. Maschinen sind tabu. Daher ist praktisch jedes Becken ein Unikat.

Das 20-jährige Firmenjubiläum 2016 nutzten die Herren zur Kreation ihrer Anniversary-Reihe, die an die Beckensounds der frühen 1960er angelehnt ist. Die Cymbals sind unverkennbar handgearbeitete Einzelstücke. Fein abgedreht und gehämmert, ohne schillerndes Finish oder Hochglanzpolitur und dennoch nicht roh. Das Metall lässt den Werkstattprozess noch erahnen und erinnert farblich an schimmerndes Nickel.

Herzstück der Bosphorus Cymbals Anniversary Series sind die 14 Zoll starken Hi-Hat-Becken. Ihr Zusammenspiel ergibt einen knackfrischen, messerscharfen, durch jede Gitarrenwand und jeden Keyboardteppich schneidenden Ton. Dieser lässt sich stilübergreifend für praktisch alles nutzen. In geschlossenem Zustand tackern die Anschläge mit silbrigem Touch durch die Strophen. Der Chick ist definiert, mit einem reichen Ensemble aus Obertönen. Bei schmal geöffneter Muschel entwickelt das Duo ein kerniges Rauschen, ähnlich einer Welle mit zarter Schaumkrone, die sich Richtung Küste wälzt. Je offener der Wash der Hi-Hat, desto wilder und brachialer schäumt der Brecher auf. Weiße Krone auf tiefgrüner Wucht. Selbst Powerdrummer dürften ihre Bandkollegen mit dieser Groove-Peitsche sicher durch jede noch so tückische Riff-Kaskade lotsen.

„leise bis mittellaute Stilarten, von Jazz bis Fusion“

Damit hat sich allerdings auch schon mit dem Powerdrumming. Logisch, denn dafür ist die Serie auch nicht ausgelegt. Am Bosporus dachte man bei der Komposition aus Legierung und Hämmerung an „leise bis mittellaute Stilarten, von Jazz bis Fusion“.

Wer sich mit kräftigeren Musikarten beschäftigt, sollte das Crashbecken (uns lag die Variante in 16 Zoll vor), dennoch bei Gelegenheit antesten: Was bei Jazz und Lounge als kurz und knapp ausklingender, hell blitzender Abschlag mit rauchigem Nachhall Akzente setzt, eignet sich im Spiel in der wall of sound, wenn der Gitarrist längst alle Zeiger auf elf stehen hat, als Crash mit starkem Hang zum Splash. Das dunkle Nachwummern dürfte im Inferno einer harten Rockband zumeist untergehen, aber der mittelstarke bis kräftige Abschlag zischt in kultivierter Manier Synkopen oder Stopper in den Notensalat.

Eine ähnliche „Doppelfunktion“ offenbart das 20 Zoll starke Ride. Im Gegensatz zu vielen Kollegen seiner Gewichtsklasse entwickelt es im Bereich der Kuppe kaum so etwas wie einen prominenten Glockenton. In diesem Sektor macht das Ride von Bosphorus Cymbals eher einer geschlossenen Hi-Hat Konkurrenz. Beim zentralen Spiel im Zentrum des Bogens verändert sich die vermeintlich düstere und matte Klangfarbe jedoch zu einer mitreißenden Fülle, ähnlich der eines gleichmäßig durch die Dunkelheit drängenden Schnellzugs auf nahtlos gezogenem Schienenstrang. Schlägt man das Cymbal am Rand wie ein Crashride, entwickelt es zudem ein respektables Grollen und Wabern. Die perfekte Vertonung eines Nachtgebets mit Black Sabbath.

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